smakelk eten!

Wenn ich ganz ehrlich bin: Durch gutes Wetter hat Norderney in der letzten Woche nicht wirklich bei mir punkten können. Gut, dass es so viele Cafés und Restaurants gibt, in die man sich bei Regen flüchten kann!

Weisse Düne, Café Norderney

Weisse Düne
Einen guten Spaziergang (oder ein paar Radminuten) vom Zentrum entfernt, zwischen Dünen und Strand, liegt das Restaurant „Weisse Düne“ mit angeschlossener Boutique.
Der Weg lohnt sich, denn: Das Restaurant ist schön gelegen, es gibt zahlreiche Sitzgelegenheiten – drinnen und draußen – und sowohl Restaurant als auch Boutique wurden mit Liebe zum Detail eingerichtet. Die Mädels im Service sind super aufmerksam, freundlich und fix unterwegs, der Mandelkuchen: lecker!
Auch die anderen Gerichte auf der Karte scheinen zu überzeugen: Der Laden ist fast immer sehr gut besucht.

Surfcafé Norderney, Café Norderney, Restaurant Norderney

Surfcafe
Der frühe Vogel fängt den Wurm – oder eben noch einen Platz im beliebten Surfcafé. Das Frühstück kann man sich ganz individuell mit Ankreuz-Zettel zusammenstellen, sowohl Essen als auch Getränke wurden schnell gebracht. Den Kaffee würde ich nicht in mein persönliches Top-10-Kaffee-Ranking einfügen, das Frühstück hat aber sehr gut – und mit Blick aufs Meer direkt noch besser geschmeckt.

Marienhöhe Norderney, Café Norderney

Marienhöhe
Mit der schönste Ausblick bei Kaffee&Kuchen, Frühstück oder Abendessen kann auf Norderney wohl von der Marienhöhe aus genossen werden. Wer einen Platz auf der Terrasse oder am Fenster ergattert, dürfte es in der Regel nicht besonders eilig haben, das Restaurant wieder zu verlassen. Zuvorkommender Service, richtig leckerer Kaffee und ein großartiges Angebot runden einen Besuch in der Marienhöhe ab!

Dinos Pizza, Pizza Norderney, Pizzeria Norderney

Dinos Pizza
Die kleine Pizzeria mitten in der Stadt war nicht nur mein Ziel, als ich noch spät auf Essenssuche war, sondern auch das vieler Partygänger, die entweder eine Stärkung für zwischendurch oder einen Snack für den Nachhauseweg brauchten.
Die Jungs hinterm Tresen sorgten nebst Verpflegung dafür, dass andere Gäste nicht unfreiwillig in den Genuss von Schlagergesängen kommen – das alles freundlich und mit Witz. Die Pizza war lecker und preiswert – und ich zu hungrig, als dass ich schon vorm Essen ein Foto hätte machen können.

Fischwerk Norderney, Restaurant Norderney, Fisch Norderney, Fischrestaurant

Fischwerk
Das Restaurant und Bistro in der Bäckerstraße überzeugt durch schöne, gemütliche Einrichtung sowie den Anspruch, möglichst viele regionale und saisonale Produkte zu verarbeiten. Aufmerksamkeit und Freundlichkeit habe ich im Service etwas vermisst; das Essen war zwar völlig in Ordnung, ich hatte aber angesichts des Preises und der Bewertungen online noch deutlich „mehr“ erwartet.


ich geh mit mir, wohin ich will

Auch bis ans Ende dieser Welt
Am Meer, am Strand wo Sonne scheint es nieselt
Will ich mit mir alleine sein

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Nach 1,5 Wochen endlich das, was ich schon ab Tag 1 machen wollte: Eine Wanderung zum Ostende. Extra früh aufgestanden, um zeitig loszukönnen, Regenradar gecheckt –  sieht in Ordnung aus. Rucksack aufgesetzt und: Es regnet.
Da kann ich natürlich nicht raus – das geht de facto einfach nicht, wenn man aus Zucker ist.  Natürlich gehört theoretisch Schietwetter zum Nordsee-Erlebnis dazu, aber praktisch ist es mir doch lieber, wenn ich erst am Ende durchgenässt bin als schon nach den ersten zwanzig Metern.
Also brachte ich meinen Balg noch einmal kurz in die Waagerechte und unter meine Kuscheldecke; aufwärmen soll ja wichtig sein vorm Sport.

Deich, Norderney,

Mit dem Rad ging es größtenteils auf dem Deich bis zum letzten Parkplatz der Insel – ab dort gilt dann absolutes Drahteselverbot. Vor Ort steht eine Schutzhütte, an der man sich mit Infomaterial und Karten zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer eindecken – oder eben Schutz vor Wetter suchen kann. An der Hütte waren zwar anfangs noch einige andere Wanderer, da wir aber unterschiedliche Wege einschlugen, war ich fast die ganze Zeit über allein. Ruhe, Natur und fast freundliches Wetter – besser geht’s kaum.

Nationalpark Wattenmeer, Wanderweg

Dem Wetter der vorherigen Tage geschuldet musste ich immer wieder über kleinere und größere Pfützen springen und verschätzte mich – trotz des Versuchs, vorab die Sprungkurve berechnen – immer wieder; meine Schuhe befinden sich noch immer im Trockenprozess.
Die Orientierung im Nationalpark ist dank zahlreicher Schilder und bunt-markierter Holzpfosten mehr als einfach. Ich hätte mir aber zumindest an den Wegweisern Angaben zur ungefähren Gehzeit gewünscht. Meiner Selbstüberschätzung und Streckenunterschätzung geschuldet brauchte ich deutlich länger als gedacht: Aus „in zwei Stunden bin ich durch mit dem Ding“ wurde „Ah, ich bin immer noch nicht da“. Insgesamt habe ich etwa 3,5 Stunden gebraucht.

ostende norderney

Aber: Es lohnt sich. Also nicht nur für das Ziel, sondern auch für den Weg. Klingt wie ein Wandtattoo-Spruch, ist aber wahr. Die Pflanzen, der Untergrund und die Ausblicke verändern sich immer wieder, was ich bei der Größe des Nationalparks nicht zwingend erwartet hätte. Es gibt auch eine Bake, von der man eine gute Aussicht genießen kann.

Wrack Ostende, Wrack Norderney, Schiffswrack

Am Wrack angekommen war ich immer noch völlig allein unterwegs – friedlicher kann ein Strand kaum sein.
Zurück zum Parkplatz ging es dann auch immer der Nase nach am Strand entlang. Oma sagt immer, dass ein Strandspaziergang das wohl Schönste und Beste ist, was es so gibt. Ich kann ihr nur bedingt zustimmen; ich finde Strandspaziergänge in erster Linie anstrengend. Schön ist auch nur das Gefühl, nicht die Art der Fortbewegung. Zwei Stunden lang schien eine Verwandtschaft zu Pinguinen nicht unwahrscheinlich.

Strand Norderney, Nationalpark

Was ich auf dem Rückweg verfluche: Den Leuchtturm. Sobald ich ihn sehen konnte, wähnte ich nämlich das Ende des Spaziergangs in unmittelbarer Nähe. Aber das eben 1,5 Stunden lang.
Gut, mein Fehler. Denn schließlich ist das der Witz an Leuchttürmen – dass man sie von weitem sehen kann.
Die Tour werde ich auf jeden Fall noch einige Male machen; das nächste Mal dann gern bei Sonne und mit Snacks im Rucksack.


Willkommen! Bienvenue! Welcome!

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Theater. Ich glaube, dass ich zuletzt in einem war, ist schon einige Jahre her.
Auf Norderney war es mit heute Abend nun schon mein zweiter Besuch im Kurtheater – auch das kulturelle Leben auf der Insel ist vor mir nicht mehr sicher.

Als „schönstes Kino Norddeutschlands“ wird das Kurtheater, das Theater und Kinosaal vereint, auch betitelt – und das völlig zurecht. Rote Sitze, Kronleuchter, eine mit Stuck verzierte Decke.
Die atelier ART&BAR  im Foyer lädt zu einem gemütlichen Drink vor Veranstaltungsbeginn oder zu einer Erfrischung in der Pause ein.

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Bei meinem ersten Besuch im Kurtheater schaute ich mir Quentin Tarantino’s neuen Thriller „Once upon a Time…in Hollywood“ an, heute tauchte ich ein in die Welt der goldenen Zwanziger: Deutschland, Berlin, Kit-Kat-Club.

Das Musical „Cabaret“ wurde aufgeführt von der Landesbühne Niedersachsen Nord, die – finde ich – ihren Job großartig gemacht hat.

Auch wenn ich das Stück schon einmal gesehen habe und wahrscheinlich jedem die Story (weltoffenes, vergnügungssüchtiges Berlin trifft auf erstarkenden Nationalsozialismus) bekannt sein dürfte, hat mich die Darstellung doch wieder in ihren Bann – und gefühlt mit in den Nachtclub Berlins – gezogen.

Die Schauspielerin der Sally Bowles hat mich nicht nur mit ihrer großartigen Stimme begeistert, sie sah auch so gut mit kurzen Haaren aus, dass ich wieder kurz davon überzeugt war, dass ich mir auch einen Kurzhaarschnitt verpassen lassen sollte. Zum Glück habe ich für diese Momente immer ein Foto auf Abruf; ich weiß, wie ich dann wieder aussehen würde. ⇚

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Mit tausend Serien und Filme nur einen Mausklick entfernt vergesse ich oft, wie schön es sein kann, hautnah zu erleben, wie Menschen mit Herzblut bei der Sache sind und schauspielern, als wäre es eher Berufung denn Beruf.
Da war es auch nicht mehr schlimm, dass ich an dem Tag sonst keinen Sport getrieben habe – der andauernde Applaus am Ende war Workout genug für meine Arme. In diesem Sinne: Chapeau! an alle Schauspieler.

Ob für einen Kinofilm oder eine Theateraufführung: Ich kann einen Abend im Kurtheater nur wärmstens empfehlen – und sei es nur, um das besondere Ambiente zu genießen.


wer isst, ist.

Und weil ich sein will, habe ich direkt in der ersten Woche einige Lokalitäten getestet.

IMG_20190921_122049Frieseneis
Als „Der kleine Urlaub in Bechern“ wird das Frieseneis betitelt. Ja, das Eis schmeckt sehr gut – und ja, Urlaub ist das in der Regel auch. Also passt das schon irgendwie. Die Bedienung ist freundlich, die Auswahl an der Eistheke fällt fast etwas zu schwer – aber das Karamelleis mit Pflaumenmus und Keksbröseln war definitiv eine gute Entscheidung! Mit 2,80€ scheint die Kugel Eis auf den ersten Blick etwas teuer, die Kugeln sind dafür aber auch deutlich größer als „normale“ Portionen.

CorneliusRestaurants Norderney, Café Norderney, Cornelius Norderney
Das Restaurant Cornelius am Nordstrand bietet eine große Auswahl an Pasta, Fleischgerichten, Eis und Kuchen, hat aber überwiegend mediterrante Gerichte im Angebot. Ich war vor allem wegen der Sitzplätze im Freien mit Blick aufs Meer dort und entschied mich für einen Pflaumenkuchen und einen Kaffee. Das Personal war freundlich, der Kuchen lecker, aber nicht großartig. Günstig ist das Restaurant nicht; der Ausblick und ein Platz in der Sonne ist aber auch einiges wert.

Ristorante Roma, Pizza Norderney, Italiener Norderney, Restaurants NorderneyRistorante Pizzeria Roma
Ein kleines, schönes Restaurant, das meist ziemlich gut besucht ist. Es lohnt sich, vorab zu reservieren. Das Servicepersonal war freundlich, schnell und aufmerksam. Die Preise gehen meiner Meinung nach völlig in Ordnung. Meine Pizza mit Spinat und Gorgonzola: S-U-P-E-R-Lecker!


events, woche eins

Im Strandkorb Weinschorle trinken, in der Sonne liegen und Schlammmasken aufs Gesicht auftragen – weit gefehlt! Auf Norderney gibt es viel zu viele Events, als dass man als Inselblogger nur auf der faulen Haut liegen könnte.

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Präsentation am Kurplatz

Norderneyer Jagdwoche

Die 60. Norderneyer Jagdwoche  im Rahmen der Beachside-Classics konnte mich gleich zu drei Programmpunkten locken: Samstagfrüh fand vor dem Conversationshaus die Präsentation der Kutschgespanne statt. Gut, ich kenne mich mit Kutschen nicht aus, aber selbst als Laie möchte ich behaupten: Die Kutschen waren nicht von schlechten Eltern. Viele Norderneyer kamen zur Veranstaltung, die guten Fotospots waren hart umkämpft. Der – nennen wir ihn Moderator – kündigte die verschiedenen Gespanne an und erzählte jeweils etwas zu den Pferden sowie der Geschichte und dem Stil der Kutschen.
Abgesehen von den beeindruckenden Kutschgespannen machte vor allem die charmante, unterhaltsame und informative Präsentation das Event zu einer runden Sache.

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Dieke & ich

Der Jubiläumsabend der Jagdwoche am gleichen Abend dürfte mich für mein anstehendes Jahr auf Norderney etwas sehr verwöhnt haben: Ich könnte mich ziemlich gut an ein allabendliches Buffet bei Kerzenschein und Live-Musik gewöhnen.

Das Highlight der Jagdwoche, die Hauptjagd, stand am nächsten Morgen an: Zu meiner Überraschung sahen die Teilnehmer trotz der Party am Abend zuvor ziemlich frisch aus.

Ich hatte als Kind zwei Ponys und habe einmal bei einem Dorffest die goldene Anstecknadel im Armbrustschießen gewonnen. Man könnte also sagen, dass wir sowas wie Kollegen sind, die Reiter und ich.
Da man bekanntlich nie auslernt, konnte ich auch neues Wissen zu meinen Jägerkenntnissen hinzufügen: Nur weil etwas „Jagd“ heißt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch Tiere gejagt und niedergestreckt werden. Stattdessen wurde bei der Jagd eine künstliche Fährte gelegt, der die Hunde und Pferde samt Reiter dann gefolgt sind. Die Veranstaltung war also deutlich friedlicher als erwartet – mit zahlreichen Sprüngen über Naturhindernisse und Streckenabschnitten am Strand dazu auch außergewöhnlich schön.



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Selbstgebastelte Plakate

Fridays For Future

Auch Norderneys Schüler engagieren sich – und am globalen Klimastreiktag (20.09) wurden sie bei der Fahrrad-Demo von Erwachsenen unterstützt. An verschiedenen Stationen holte der Fahrradkorso immer mehr Teilnehmer ab; Ziel war das Watt-Welten am Hafen, das einen Klima-Informationstag veranstaltete.  Bunte Schilder, Tröten, Fahrradklingeln und genügend Teilnehmer, um die Fahrradkette nicht nur lang, sondern auch laut zu machen: Für die Größe Norderneys mit Sicherheit eine zufriedenstellende Anzahl an Demonstranten; angesichts der Tatsache, dass Inseln vom Klimawandel besonders stark betroffen sein werden, hätten meiner Meinung nach noch deutlich mehr Leute auf Rädern unterwegs sein können.



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💪 💪 💪

Strandfitness

Für alle Inhaber der Norderney-Card gibt es während der Saison kostenfreie Fitness-Angebote am Strand. Das Angebot finde ich super – und wenigstens zu einem Kurs habe ich es geschafft. Klar, am Strand Sport zu machen, ist deutlich schöner als im Fitnessstudio in der Stadt. Das Durchschnittsalter der Gruppe habe ich deutlich gesenkt, entsprechend war auch das Programm nicht besonders fordernd. Andere Kurse sollen aber anspruchsvoller sein. Für dieses Jahr ist das Angebot erst einmal beendet, ich freue mich aber auf weitere Testläufe im nächsten Jahr.


auf zu neuen ufern.

Dorf, Kleinstadt, Großstadt, Ausland und jetzt: Norderney.

Eine Insel, über die ich mich erst nach Erhalt des Jobs schlau machte – zum Beispiel über die Größe (15×2,5 km) oder die Einwohnerzahl (6.232, Stand 12/2017).
Im Vergleich zu meinem letzten Hauptwohnsitz Köln ziemlich überschaubar, andererseits bin ich auf einem Dorf mit je einer Feldlänge Abstand zu jedem Nachbarn aufgewachsen – also findet sich Norderney irgendwo in der gesunden Mitte wieder.
Obwohl Norderney sich flächenmäßig deutlich in Grenzen hält, spricht mein Orientierungssinn auch hier nur vage Vermutungen aus, wenn es darum geht, den richtigen Weg zu finden. Ganz Griechenland atmet indes erleichtert auf, weil ich den Wanderguide-Job nun nicht mehr angetreten habe.

Angereist bin ich mit dem Fahrrad – übers Wasser habe ich dann doch die Fähre als Fortbewegungsmittel vorgezogen.
Nach 165 Kilometern musste ich nicht nur meinen Bruder verletzt an einer Landstraße zurücklassen, sondern auch zwei Dinge feststellen: 1. Ich mag keinen Wind und 2. Auf Norderney wird es viel davon geben. Bekanntlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied, also kann ich nur mir selbst einen Vorwurf machen.

Apropos Rad: Auch wenn das langsame Radfahren in Oldenburg erfunden wurde (nicht wissenschaftlich bewiesen, aber meine Meinung), so scheinen sich die Norderneyer der ehrenwerten Aufgabe angenommen zu haben, diese Sportart zu ihrer Paradisziplin zu machen. Aber gut – angesichts der Inselmaße ist es einfach sinnvoller ein gemäßtiges Tempo denn einen heißen Reifen zu fahren. Ich merke schnell, dass mein aggressiver Fahrstil, der in der Großstadt erst das Überleben garantiert, hier mehr als entbehrlich ist: Man fährt gemütlich und rücksichtsvoll.

Generell muss ich nach einer Woche feststellen: Die Menschen hier sind freundlich.
Während in Köln stets von der rheinischen Frohnatur geredet wird, wird Freundlichkeit hier einfach gelebt – lächele ich Menschen auf der Straße zu, erhalte ich tatsächlich ein Lächeln zurück. In jeder deutschen Großstadt würde man als Reaktion zwei Tage später eine Unterlassungsklage erhalten.

Nicht nur die Freundlichkeit, auch die frische Luft bedeutet einiges an Umstellung für Körper und Geist. Vom Smogentzug gepeinigt rebelliert mein Körper; als Trotzreaktion auf mangelnden Feinstaub in der Luft falle ich in der ersten Woche einer Erkältung zum Opfer. Statt direkt auf große Erkundungstour zu gehen, verbringe ich also viel Zeit vorm Wasserkocher. Aber gut, zumindest ist Teetrinken auch Teil ostfriesischen Kulturguts.

Entgegen meiner Erwartungen ist auf Norderney ziemlich viel los. Bei der Planung zu besuchender Veranstaltungen wird mir schnell klar, dass ich nicht nur die Anzahl, sondern auch den Schickheits-Grad der Events deutlich unterschätzt habe. Ich bin kleidungstechnisch eher für Wattwanderungen, Schaf-Scher-Wettbewerbe und Boccia-Spiele gerüstet; gewünscht ist häufig „angemessene Garderobe“ – was bei Theater, – Konzert oder Ballbesuchen wahrscheinlich kaum Wollsocken und Jogginghose bedeutet.  

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Adiletten würden hier unter „unangemessene Kleidung“ fallen

Entsprechend stand in den ersten Tagen ein Stadtbesuch auf dem Plan. Wieder lag ich mit meinen Erwartungen falsch: Es gibt ziemlich viele Geschäfte – und nicht in allen Läden zieht angesichts der Preisschilder eine Dispo-Wolkenfront auf. Heißt: Auch mit wenig Geld kann Schönes gefunden (und gekauft) werden. Meine Suche nach Schuhen verlief dennoch erfolgslos. Das Scheitern dürfte meinen zu genauen Vorstellungen geschuldet sein, die mich nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Männerwahl vor eine schwierige Aufgabe stellen. Bei Schuhen sehe ich mich noch nicht gezwungen, von meinen Ansprüchen zurückzutreten.

Nach einer Woche und dem Besuch einiger Veranstaltungen will ich behaupten: Die Menschen hier sind länger verliebt. Zumindest erweckt es den Eindruck, wenn auch in die Jahre gekommene Paare immer noch Händchen halten, Arm in Arm unterwegs sind und über Kommentare des Partners lachen, als wäre das Gegenüber unterhaltsam und liebenswürdig – und nicht nur jemand, der nie die Spülmaschine einräumt und ständig die Schlüssel verlegt.
Aber gut, vielleicht entsteht dieses andauernde Glück aus der Not heraus – Was brächte es schon, sich über seinen Partner aufzuregen, wenn doch ganz klar ist, dass unter 6.232 Einwohnern kaum viel mehr bessere Anwärter zu finden sein dürften? Und wie deprimierend ist es, wenn man im Streit wutentbrannt „Ich gehe jetzt!!“ brüllt und dann maximal 30 Minuten bis zu einer Aussichtsdüne radeln kann, statt auf der Autobahn massig Kilometer zwischen sich und den Angetrauten zu bringen?  Und: Man würde sich auch nach einer Trennung zwangsläufig ständig über den Weg laufen – da sagt man sich vielleicht lieber, dass der Frithjof doch eigentlich ein ganz feiner Kerl ist und bleibt für immer glücklich und zusammen.

Fazit: Norderney überzeugt bisher – bei Natur, Veranstaltungen und Restaurants kann man echt nicht meckern. Und auch mit den Menschen könnte es passen: Norderney ist nämlich auch, wenn rein zufällig „Leave your hat on“ von Joe Cocker gespielt wird, wenn die Polizei zwecks Ruhestörung zu einer Party kommt.