ordnung muss sein

74231848_391134271774778_2528125846162505728_nTheoretisch gibt es für mich aktuell keine Wochentage mehr – die Läden haben jeden Tag geöffnet und sowas wie Alltag findet bei mir auch nicht statt – dennoch hege ich eine Aversion gegen Montage.
Während ich den Sonntag noch völlig entspannt im Spa des Insellofts verbrachte, klingelte mich am Montag um 6 Uhr der Wecker aus dem Bett. Ich muss sagen: Ich fühle mich vielleicht noch nicht heimisch auf Norderney; daran, selten Termine vor 10 Uhr zu haben, habe ich mich aber schon gewöhnt. Wenn ich an anderen Tagen um 6 aufwache, lache ich kurz und drehe mich noch einmal um, gefühlt bin ich das letzte Mal um diese Uhrzeit aufgestanden, als ich noch nicht wusste, wie man die erste Stunde schwänzt. Ich zwinge mich trotzdem – dick eingepackt – nach draußen; auch, weil ich wissen will, wie die Welt eigentlich aussieht, so um vor 7. Sie ist dunkel und verregnet; zumindest auf Norderney.

Was mich so früh aus den Federn treibt? Ich will bei der Strandreinigung der Technischen Dienste Norderney mitfahren, immerhin finde auch ich saubere Strände nicht verkehrt. Damit schon die ersten Morgenspaziergänger einen sauberen Strand vorfinden, wird mit der Reinigung noch vor Sonnenaufgang begonnen.

Strandreinigung Norderney, Technische Dienste Norderney

Wie Sie sehen, sehen Sie nicht viel

Am Bauhof treffe ich auf Klaus, der mich heute im Trecker mitnehmen wird. Große Trecker fahren – das entschädigt schon ein bisschen fürs frühe Aufstehen.
Klaus ist gebürtiger Norderneyer und fährt schon seit 2006 morgens mit der Strandreinigungsmaschine raus; sonst kümmert er sich als Gerätewart um die Wartung der Gerätschaften der Feuerwehr.

Wir fahren los Richtung FKK-Strand – die Straßen sind leer, es ist stockdunkel und regnet. Man sieht nicht viel – das liegt nicht nur an den Sichtbedingungen, sondern auch daran, dass heute nicht besonders viel am Strand liegt. Je nach Windrichtung wird mehr oder weniger Seegras an den Strand gespült, heute Nacht stand der Wind günstig für die Strandreinigung. Das zum Beispiel wusste ich vorher gar nicht: Die Strandreinigung ist vor allem für die Beseitigung von Seegras im Einsatz und nicht in erster Linie für Müll. Liegt einmal grober Müll herum, der von der Maschine nicht aufgesammelt werden kann, ohne dass sie dabei Schaden nimmt, gibt Klaus Kollegen Bescheid, die den Müll dann mit dem Unimog abholen. Gereinigt werden im Auftrag der Kurverwaltung auch „nur“ die Badestrände von Weststrand bis FKK-Strand. Für den Inselosten ist die Küstenwache zuständig.

 

Strandreinigung Norderney

Plastikmüll – auch für dicke Maschinen kein Spaß

Von Ostern bis Oktober fahren die Männer von den Technischen Diensten Norderney jeden Tag raus um den Strand zu reinigen; im Winter etwas seltener und abhängig von den Wetterbedingungen.

Mit 5-7 km/h fahren wir über den Strand – ich bin etwas enttäuscht: Da hat man schon so einen großen Trecker und fährt doch kaum schneller, als Oma Annegret spazieren geht. Aber gut – mühsam nährt sich das Eichhörnchen – und hat am Ende dann doch etwa 1,5 Tonnen Strandräumgut gesammelt. Zweimal müssen wir Richtung Hafen fahren, um unsere Ladung abzukippen. Aus dem Strandräumgut werden Sand und Müll herausgesiebt, das übriggebliebene Seegras verrottet dann irgendwann. Insgesamt sind wir etwa zwei Stunden unterwegs, im Sommer ist Klaus meist etwas länger, von 6 bis halb zehn, mit der Strandreinigung beschäftigt. Vor 2006 wurde der Strand noch per Hand gereinigt, das Einsetzen der Maschine bedeutet also ein ziemliches Einsparen an Arbeitsstunden.

 

74391850_668086523715757_4062884417423540224_nWenn keine 25-Jährige neben einem sitzt und sich stundenlang unterhalten will, stelle ich mir den Job schön vor. Morgens gehört der Strand dir allein, jeder Sonnenuntergang wird miterlebt; es ist still und friedlich. Ich überlege fast, auch noch schnell einen Treckerführerschein zu machen, aber: Auf Norderney gibt es keine Fahrschule. Im Gespräch mit Klaus lerne ich nicht nur viel über die Strandreinigung, sondern erfahre auch mehr über das Leben auf einer Insel – ob Fahrschule, Möbelkauf oder Arztbesuch – hier funktioniert eben doch vieles etwas anders.

Zurück am Bauhof schwinge ich mich schnell aufs Fahrrad, bevor es ans Säubern der Maschine geht – Putzen ist und bleibt eben Männersache.

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