„Hallo und Tschüss“

Ganz so schnell war das Gespräch mit Windsurflegende Bernd Flessner zum Glück nicht vorbei. Aber bei Tee, Kaffee und Erbsensuppe auf der Terrasse vom Surfcafé erzählt Bernd mir, dass das Leben als Profisportler von Abschieden geprägt ist; man häufig schon wieder aufbricht, obwohl man gerade erst angekommen ist – und wieso er immer wieder in seine Heimat, nach Norderney, zurückkehrt.

Wasser, Wind und Wellen – Windsurfen steht wie kaum eine andere Sportart für Freiheit und den Kampf mit den Naturgewalten.
1976, mit gerade mal 7 Jahren, hat Bernd das erste Mal auf dem Board gestanden – von diesem Moment an hat ihn der Extremsport gepackt: 1990 der erste World Cup Sieg,  von 1995 bis 2011 ist er durchgehend Deutscher Meister in der Gesamtwertung, er wird dreimal Weltmeister, surfte in 4 Stunden von Norderney bis Sylt, war 12 Jahre unter den Top Ten der PBA– und der PWA-Weltrangliste und ist zusammengerechnet mit Sicherheit mehrmals um die Welt gesurft: Bernd Flessner, gebürtiger Norderneyer, ist nach wie vor der erfolgreichste deutsche Windsurfer.

Erst 1967 glitt der erste Windsurfer in den USA übers Wasser, in Deutschland sogar erst 1972 – damit gehört Bernd zur ersten Generation der Windsurfer und erlebte die goldenen Jahre des Sports. Ein absolutes Hoch hatte das Windsurfen in den 90ern – im Vergleich zu heute gab es bei Wettkämpfen mehr und bessere Konkurrenz. Auch deshalb, weil die Sportler sich dank vieler Sponsoren einzig und allein auf den Sport konzentrieren konnten. Konnten damals noch etwa 40 Surfer vom Sport leben, finanzieren sich heute gerade mal 7-8 Sportler nur durchs Surfen.

Erbsensuppe (2)

Essen für Weltmeister – Erbsensuppe im Surfcafé

Die schönsten Orte der Welt, die weitesten Strände, großartige Partys, schöne Frauen: Viele Klischees, die dem Surfsport anhaften, sind wahr. Bernd ist dankbar für die Erlebnisse, Reisen und Chancen, die ihm der Sport geboten hat; er sagt aber auch, dass ihm die Profikarriere viel abverlangte, viel Kraft gekostet hat. Täglich mehrfach trainieren, Reisen selber planen, Gepäcktransporte von bis zu 450 kg rund um die Welt organisieren: Bernd ist der Meinung, dass jeder Profisportler die Frage, ob die Karriere genau so nochmals angestrebt werden würde, verneinen würde. Dafür fließe zu viel Investition, Verzicht und Anstrengung in den Sport, zu viel anderes im Leben würde vernachlässigt werden. Dass die eigenen Ansprüche, aber auch die Erwartungshaltung von außen, mental müde machen, merke man oft erst am Ende einer Karriere, wenn man nicht mehr nur besessen ist von dem Gedanken, wieder aufs Wasser zu kommen.

Im Herbst 2013 beendete Bernd seine Karriere nach 25 Jahren als Profi; auf dem Brett steht er aber nach wie vor; mittlerweile seit 43 Jahren. Jetzt genießt er es, völlig ohne Druck aufs Wasser zu gehen; hat wieder Spaß an dem Sport gefunden. Während Windsurfen früher Passion, Besessenheit und Lebenseinstellung für Bernd war, er unentwegt Wind- und Wasserbedingungen checkte und fehlender Wind für schlechte Stimmung sorgte, geht er jetzt auch bei perfekten Bedingungen mal nicht aufs Wasser; er hat als Markenbotschafter aber auch ohnehin zu viel um die Ohren, als dass er jede gute Welle mitnehmen könnte.

Obwohl Bernd schon weltweit gesurft ist, gehören neben Kapstadt und dem Silver Sands Beach auf Barbados der Januskopf und die Weisse Düne zu seinen Lieblingssurfspots. Und während viele seine Kollegen mittlerweile nach Hawaii oder Kapstadt gezogen sind, kommt „Flessi“ immer wieder zurück nach Norderney. Auch hier ist er – wie an allen anderen Orten – selten länger als zwei Wochen am Stück. Die einzig lange zusammenhängende Zeit im Jahr, die er an einem Ort verbringt, sind 6 Wochen im Sommer auf Kos, in denen er als Windsurflehrer Kurse bei ROBINSON gibt.

Die Winter auf Norderney findet Bernd hart. Kälte, Wind und Nässe seien nicht das Problem; sondern die anhaltende Dunkelheit. 25 Jahre lang ist er deshalb der kalten Jahreszeit entflohen und überwinterte in Kapstadt. Trotzdem zog es ihn immer wieder nach Norderney zurück. Wieso genau, das kann er gar nicht so genau sagen. Wie es so oft mit der eigenen Heimat ist, betrachtet er vieles auf der Insel kritisch, findet Norderney häufig zu klein, zu unbelebt, zu eng. Aber er weiß auch, dass die Natur, das Meer, der Strand, dass das alles wunderschön ist. Und letztlich ist es eben Heimat, sein Zuhause. Da kehrt man einfach immer wieder hin zurück und denkt gar nicht so sehr über das ‚Warum‘ nach.

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