Up Weddersehen!

Nicht ganz 365 Tage war ich auf Norderney – meinen Umzug nach Köln habe ich zwei Tage nach vorne gezogen und hin und wieder besuchte ich meine Heimat. Dennoch: Das Inselblogger-Jahr habe ich weitestgehend oben im Norden, auf eurer Lieblingsinsel verbracht.

Das Jahr ist dahingerast – und hat sich gleichzeitig gezogen. Und war in vielerlei Hinsicht ganz anders als erwartet. War es zu Beginn weniger langweilig, als mir Freunde prognostiziert hatten, wurde der Sommer deutlich ruhiger, als es in anderen Jahren üblich ist.

Selten hat ein Wohnort so viele – und so kontroverse Emotionen in mir hervorgerufen wie Norderney. Noch nie habe ich einen Ort so geliebt und gehasst wie die ostfriesische Insel. Vielleicht einfach, weil ich durch mein geringes Arbeitspensum viel Zeit hatte für Gefühle, oder eben, weil das Leben hier oft so ganz anders ist, als an anderen Orten.
An manchen Tagen habe ich mein Herz an Norderney verloren – an die Sonne, das Meer, den Strand, gute Freunde und Zeit mit Peppa. An das Miteinander und das dörfliche Jeder-kennt-Jeden, an den leckeren Kaffee mit Ausblick, an die guten Gespräche bei Wein im Strandkorb. Und an anderen Tagen? Da nervte mich das Grau in Grau, das 80% aller möglichen Aktivitäten ausscheiden lässt, die ewigen Warteschlangen im Supermarkt und Restaurants, die Leere im Winter und die zu vollen Straßen im Sommer. Dann bereute ich meine zuvor verfassten Liebeserklärungen und frage mich, was ich kürzlich noch so toll fand, an diesem kleinen Sandhaufen: Dann verachtete ich, dass ein Jeder-kennt-Jeden schnell zu Jeder-Weiß-Alles-Über-Jeden werden kann und Nicht-Gönnen-Können, Spießigkeit und Almantum die Oberhand gewinnen.
Gegen schlechtes Wetter (das es hier angeblich nicht geben soll) halfen gute Freunde und Heißgetränke, gegen anstrengende Spießigkeit Gleichgesinnte und Humor. So oft ich mich auch über die Eigenheiten der Insel und der Menschen darauf ärgerte: Am Ende des Jahres kann ich sagen, dass die Momente des Glücks und die schönen Tage ganz eindeutig überwiegt haben.

Was nehme ich aus dem Jahr mit?
Ein klein bisschen lebensunfähig hat es mich gemacht, das Jahr auf Norderney. Lärm, S-Bahnen, allgemein Straßenverkehr und Anhäufungen von Menschen – das alles schien ich bei meinem letzten Besuch in Köln nicht mehr gewohnt zu sein. Auch an die kurzen Wege auf der Insel habe ich mich allzu schnell gewöhnt. In der Stadt werde ich erst wieder lernen müssen, dass es nicht ausreicht, fünf Minuten vor einer Verabredung das Haus zu verlassen. Und dass 10 gefahrene Radkilometer, die einen hier bis ans Inselende führen, in der Stadt nicht für besonders viel Veränderung sorgen.
An positiven Aspekten nehme ich einiges mit: Dass nicht immer alles verfügbar ist und die Öffnungszeiten kürzer sind, hat mich anfangs noch gestört – nun merke ich, es macht auch genügsamer und entspannter. Die Klamotten, die ich in diesem Jahr nicht gekauft habe, weil ich auf der Insel nicht fündig wurde? Vermisse ich bisher nicht; gerade beim Packen der Umzugskartons bin um jedes Teil weniger froh. Die Möbel, die ich anfangs zu brauchen glaubte? In der Wohnung hat es mir das Jahr über an nichts gefehlt.

Ansonsten nehme ich Momente mit, an die ich mich noch lange erinnern werde: Als ich mir Peppa zulegte und sie mit auf die Fähre in ihre neue Heimat nahm, Sonnenuntergänge mit Freunden, das tägliche Eisbad im Meer während des Winters, das Nacht-Bad im Meer, als Meeresleuchten und Sternschnuppennacht zugleich war.

Zu guter Letzt möchte ich euch, den Lesern meines Blogs, danken. Schön, dass ihr mich während meines Insel-Jahres begleitet habt, danke für all eure lieben Nachrichten. Ich hoffe, dass meine Texte Anregung und Inspiration für den nächsten Urlaub waren – oder aber das Meerweh zwischen den Inselbesuchen stillen konnten. Ich wünsche euch noch zahlreiche wunderschöne Urlaube und unzählige Glücksmomente auf eurer Insel!

Wir sehen uns auf Norderney!

Eure Hanna


Spätsommer

118878691_3323746344517769_2835683590884247771_nMeine verbleibenden Tage auf Norderney sind nun im einstelligen Bereich angekommen – Job und Wohnung in Köln sind fix, die Umzugskartons füllen sich langsam und es gibt noch einiges zu planen und zu regeln. Eigentlich schade, da ich die letzten Tage auf der Insel noch möglichst intensiv auskosten und genießen möchte. Das Wetter kann sich derzeit nicht recht entscheiden, ob es mir den Abschied von der Insel leicht oder schwer machen will: Zwischen viele graue, nasse Tage schieben sich immer wieder wunderschöne Spätsommertage mit leuchtend blauem Himmel. Zum Glück gab es auch in den letzten Wochen noch einige Highlights, die ich auf der Insel erleben durfte; auch, wenn einigen aufmerksamen Lesern auffallen dürfte, dass ich nicht alles von meiner ursprünglichen Insel-To-Liste abhaken konnte – der Skydive, ein Inselrundflug, Segwaypolo und ein Ausflug auf die Nachbarinseln stehen noch aus; ich werde also noch einmal zurückkehren müssen, auf „meine“ Insel.


Überraschungsmenü im Strandpieper 118793118_2751129075164514_2865207436849016094_n
Im Strandpieper am Oase-Strand ist Abendessen ein bisschen anders, als man es gewohnt ist. Statt das Gericht einfach von der Karte auszuwählen, gibt es ein Überraschungsmenü – man gibt einfach an, ob beim 3-Gänge-Menü Fisch, Fleisch, Vegetarisch oder die vegane Option bevorzugt wird und dann kann man sich schon zurücklehnen und vom Team des Strandpiepers überraschen lassen.
Ich finde, dass schon der Weg zum Strandpieper zu einem gelungenen Abend beiträgt – immerhin muss man erst einmal die Stadt verlassen und bis zum Ende des befahrbaren Teils der Insel kommen. Ich nehme das Fahrrad, man kann aber natürlich auch zu Fuß, mit dem Taxi, Bus, der Bimmelbahn oder dem eigenen Auto bis zum Oase-Strand kommen.
Auf dem Weg erwische ich gleich zwei Regenschauer; aber pünktlich zu meiner Ankunft im Strandpieper kommt die Sonne raus und ich kann auf der großzügigen Terrasse Platz nehmen. Die weißen Sonnensegel des Restaurants sieht man schon aus großer Distanz zwischen den Dünen aufleuchten; kaum, dass man die magische Touristen-Grenze, die sich entlang der Weissen Düne zieht, überschritten hat.

Das Restaurant ist zwar schick, aber keineswegs so, dass man sich in Alltagskleidung unwohl fühlen müsste. Man kann also kommen, wie man sich wohlfühlt – solange das nicht bedeutet, dass man die FKK-Regelung vom rechten Teil des Oase-Strand ins Restaurant überträgt.

118768367_309508020304826_5906720581329053844_nIch lege mich auf keine der Optionen für das Drei-Gänge-Menü fest und lasse dem Küchenteam freie Hand. Vorweg bekomme ich einen Gruß aus der Küche – Currywurst mit hausgemachten Ingwer-Curry-Ketchup. Als Vorspeise gab es getrüffelte Spaghettini in einem Parmesannest. Als Hauptgang gab es das Filet vom Steinbutt mit grünem Spargel, getrüffelten Kartoffelpüree und einem Bouillabaissefond. Zum Dessert wurde eine Nougat-Creme-Brûlée mit einer Kugel Vanilleeis serviert, gekrönt von Engelshaar. Was alle Gänge miteinander gemein haben: Sie sind fast zu schön angerichtet, um sie zu essen – aber letztlich zu köstlich, als dass man sie auf dem Teller lassen könnte.
Meiner Meinung nach stimmt hier einfach alles: Das Team des Strandpiepers ist super aufmerksam und bemüht, jedem Gast eine besonders schöne Zeit zu ermöglichen; die Qualität des Essens ist großartig und meinen Befürchtungen zum Trotz sind die Portionen keinesfalls zu klein, sondern völlig angemessen. Qualität, Kreativität und Präsentation der Speisen in einer Form, der man auf der Insel sonst nicht oft begegnet.

Wem die wunderschöne Natur Richtung Ostende nicht genügt, für den dürfte jetzt ein Besuch im Strandpieper-Restaurant ein neuer Grund sein, einmal in den Osten der Insel zu fahren. Auch tagsüber lohnt sich das Restaurant und der dazugehörige Kiosk am Strand für Kaffee und Kuchen, einen Imbiss oder ein kühles Erfrischungsgetränk. Und falls das Wetter einmal nicht mitspielen sollte: Auch der Innenbereich des Restaurants ist sehr gemütlich und lädt zum Verweilen ein.
  
Am Leuchtturm 12 , Ruhetag: Mittwoch


Golfplatz Norderney
118787286_932571753930948_8816757958559831431_nJeder, der schon einmal Richtung Leuchtturm gefahren ist, kennt sie; die Schilder, die einen unweigerlich den Kopf einziehen und nach umherfliegenden Bällen Ausschau halten lassen: „Golfplatz|Vorsicht!|Fliegende Golfbälle|Gelände bitte nicht betreten|Golfclub Norderney e.V.“.
Vor kurzem durfte ich endlich Teil des Grunds werden, weshalb Radfahrer auf Höhe des Golfhotels ängstlich werden. Ich treffe mich mit Jan-Jorgen de Vries, Golflehrer auf dem Golfplatz Norderney; dem ältesten Dünengolfplatz Deutschlands.
Zunächst zeigt mir Jan-Jorgen den Golfplatz und erklärt mir währenddessen die Besonderheiten eines Links-Course bzw Links-Golfplatz, erzählt mir etwas über die Geschichte des Golfsports und die grundlegenden Regeln beim Spiel. Ich könnte ihm ewig zuhören; nicht nur, weil er gut erzählen kann und immer mal wieder Witze in seine Erzählungen einbaut, sondern auch, weil er ursprünglich aus Den Haag kommt. Würde ich Hörbücher hören – dann nur welche, die von Holländern eingesprochen wurden.

118767752_904787906924519_697682573730841780_nDer Golfplatz auf Norderney ist wunderschön, naturbelassen und bietet ganz besondere Ausblicke – und hat recht wenig gemein mit den saftig-grünen, exakt angelegten Golfplätzen, wie man sie von manchen Hotelanlagen kennt. Und genau das ist auch die Besonderheit eines Links-Course: Das hat nämlich nichts mit der Richtung zu tun, wie Golf-Laien wie ich vermuten dürften, sondern bezeichnet die Art von Golfplatz, die meist auf Küstenabschnitten zu finden und besonders naturbelassen sind. Dünenlandschaften und sandiger Boden sowie häufig wechselnde Wind- und Wetterverhältnisse prägen das Spiel auf einem Links-Golfplatz.

Nach dem Gespräch und einem Rundgang über den Golfplatz darf auch ich ein paar Bälle schlagen. Dazu gehen wir auf die Driving Range – und ich stelle fest, dass ich beim Golfen Linkshänder zu sein scheine. Zumindest einige gute Abschläge schaffe ich, nachdem Jan-Jorgen mir einige Tipps zu Körper- und Schlägerhaltung gibt.
Nachdem ich (trotz der Golfball-Warnschilder) den Golfsport auf der Insel lange nicht wirklich wahrgenommen habe, hat mir der Nachmittag auf dem Golfplatz wirklich viel Spaß gemacht. Ob Golfen auf eigene Faust oder ein Golfkurs allein oder in der Gruppe: Als Abwechslung zu Strandspaziergängen und Restaurantbesuchen kann ich den Golfplatz Norderney nur empfehlen!


Hinter den Kulissen vom Badehaus  118790218_755764728609626_7931897999166815272_n
Im Badehaus war ich natürlich schon oft – ob zum Baden auf der Wassereben, zum Entspannen in der Sauna oder beim ganz besonderen, monatlich stattfindenden Event „Meeresleuchten“.
Hinter den Kulissen war ich nun zum Ende meines Inselbloggerjahres hin das erste Mal.
Ich treffe mich mit Herrn Wenzig, dem Geschäftsführer des Badehauses, und habe zunächst einige Fragen, die wenig mit der Aufbereitung des Wassers und den technischen Hintergründen zu tun haben. Denn: Mir sind die vielen Schilder im Badebereich sowie wartende Gäste im Eingangsbereich aufgefallen. Herr Wenzig erzählt mir, welche Auflagen das Badehaus wegen Corona zu erfüllen hat. So gibt es eine Maximalanzahl für jede Ebene im Badehaus, für jedes Schwimmbecken und jede Sauna. Auf der Wassereben weisen Infoschilder die Gäste darauf hin, wie viele Schwimmer sich in einem Becken aufhalten dürfen, auf der Feuerebene wird die Auslastung der Saunen durch Kopfstützen geregelt: sind alle Kopfstützen vergriffen, ist die Sauna voll belegt. Bis zu den Umkleiden müssen Masken getragen werden, die öffentlichen Bereiche noch häufiger gesäubert werden.

Eine Menge zusätzliche Arbeit also für das Team vom Badehaus, das nun nur noch etwa die Hälfte an Badegästen begrüßen kann. Ohnehin gibt es immer viel zu tun, im größten Thalassohaus Europas, das sich über 8.000 qm erstreckt. Herr Wenzig führt mich in den Keller des Badehauses, einen Bereich, in dem viel passiert, um den Gästen einen wohltuenden Aufenthalt zu ermöglichen; einen Bereich, an den wohl kaum ein Gast denkt, während er im warmen, sprudelnden Salzwasser entspannt. Auch im Keller des Badehauses ist es warm, immerhin laufen hier zig Filter, Pumpen und Wellenanlagen auf Hochtouren, damit der Betrieb im Badehaus reibungslos abäuft. Eine Menge Rohre verlaufen unter der Decke; Herr Wenzig kann über gefühlt jedes Rohr und jede Pumpe sagen, zu welchem Becken es gehört und welchen Zweck es erfüllt.
118790513_3260105117358516_6942861923768514246_nDas Wasser bezieht das Badehaus aus der Nordsee, am Weststrand ganz in der Nähe des Badehauses. Da einige Becken einen Salzgehalt wie das tote Meer aufweisen, wird zusätzlich Sole aus Süddeutschland bezogen; anders als in vielen anderen Thermen, in denen einfacher Salzzusatz verwendet wird. Auch der heilsame Norderneyer Schlick kommt direkt aus der Norderneyer Natur: Einmal jährlich werden mehrere Tonnen Schlick entnommen und dann im Badehaus aufbereitet. Die Schlickmühle, die Herr Wenzig mir zeigt, erinnert etwas an einen Betonmischer – und der Geruch erinnert mich ganz deutlich an meine Wattführung im Norderneyer Wattenmeer.
Nach der Führung durch die Kellerräume des Badehauses darf ich noch eine Anwendung testen. Das Badehaus bietet zahlreiche Thalasso-Anwendungen wie Schlick-Packungen, Massagen, Bäder oder Peelings an. Ich erhalte ein Fußpeeling mit Original Norderneyer Schlick und eine Fußmassage – obwohl ich anfangs doch recht kitzlig bin, finde ich die Massage extrem entspannend und den wärmenden Schlick sehr angenehm auf der Haut. Dem Norderneyer Schlick werden durch seine entzündungshemmenden und stoffwechselfördernden Inhaltsstoffe viele positive Auswirkungen auf den Körper zugeschrieben. Nachdem der Schlick auf meine Füße aufgetragen wurde, werde ich bei sanften Klängen klassischer Musik und mit einer Wärmflasche kurz allein gelassen; fast döse ich ein, so entspannt bin ich. Nach einer Weile wird der Schlick wieder abgewaschen und ich bekomme noch eine Massage; draußen höre ich den Wind pfeifen und die Regentropfen gegen das Fenster prasseln; ich könnte noch ewig dort bleiben.




Endspurt

Heute sind es noch 38 Tage, die mir auf der Insel bleiben – und wenn man meine Pläne für die verbleibende Zeit betrachtet, könnte man meinen, dass ich schon jetzt möglichst weit von Norderney entfernt sein will: Ein Inselrundflug, ein Fallschrimsprung und ein Ausflug nach Juist stehen auf meiner Wunschliste – also gar nicht mal so norderney-lastig, die letzten Wochen. Ansonsten steht viel Besuch an; Norderneyurlaub für Freunde auf den letzten Drücker sozusagen.

In den letzten Tagen konnte ich noch einige neue Dinge auf Norderney erleben – und das nach über 10 Monaten Inselzeit.



117128765_293155275283263_4997932724097901859_nEin bisschen belächelt habe ich die Segway-Gruppen immer, wenn sie mir auf der Insel begegneten – schließlich sieht die Fortbewegung mit dem einst als Mikromobilitäts-Pionier gefeierten Gefährt doch etwas seltsam aus. Umso gespannter war ich, als ich zu einer Segwaytour eingeladen wurde. Auch, weil ich gerade erst gelesen hatte, dass die Produktion des „Segway Personal Transporters“ zum 15.Juli eingestellt worden war.
Tourguide Michael von LandTours Norderney konnte die Gruppe aber beruhigen:  Zumindest auf Norderney sollten Segwaytouren auch in zwanzig Jahren noch möglich sein, so gut ausgestattet ist das LandTours-Team.

Hinter den Segwaytouren stehen Jana und Michael Glabisch – eine Familie, die viele Ideen und frischen Wind auf die Insel brachte. Nicht nur die Segwaytouren, sondern auch Segwaypolo, der Escape Room am Golfhotel und das Cocktailtaxi, das Durstige überall auf der Insel mit frischen Drinks versorgt, wurden von den beiden ins Leben gerufen.

Wir treffen uns um 10 Uhr hinterm Cornelius am Nordstrand; neben meiner Freundin Rahel und mir wollen sich noch acht weitere Leute aufs Segway wagen – bis auf einen alle das erste Mal.  Tatsächlich ist das auch die maximale Gruppengröße, mit der Guide Michael die Touren macht – schließlich will er sich bestmöglich um jeden Teilnehmer kümmern können.  Nur bei großen Gruppenbuchungen wie zum Beispiel von Firmen oder Geburtstagen macht er eine Ausnahme.
117109226_337773080570567_6192773580857650404_nDass er sich gut um jeden Gast kümmert, wird gleich zu Beginn klar. Zwar sind die Einweisungen mit Witzen und lockeren Sprüchen gespickt, aber trotzdem merkt man, dass ihm die Sicherheit der Teilnehmer besonders wichtig ist; und so gibt es kleine Probefahrten für jeden in der Gruppe. Ich frage trotzdem noch einmal lieber nach, ob es schon einmal Unfälle auf den Touren gab – aber angeblich ist bisher immer alles gut gegangen. Als alle sicher auf den Segways stehen, geht es los: Vom Nordstrand durch die Nordhelmsiedlung bis hin zum Bahnhof Stelldichein, an der Weissen Düne vorbei bis zum Wasserwerk, von dort Richtung Leuchtturm und durch ein Waldstück (das selbst ich noch nicht kannte), über den Planetenweg, am Klärwerk entlang bis zum Hafenbecken und über die Promenade zurück zum Ausgangspunkt. Eine ordentliche Strecke also, die wir mit Sicherheitsabstand wie eine große Entenfamilie auf den Segways zurücklegten. Immer mal wieder gab es kleine Übungseinheiten, die Herausforderung und Spaß zugleich brachten oder Erklärungen von Michael zu den verschiedenen Orten, an denen wir uns befanden. Für mich war die dreistündige Segwaytour der perfekte Mix aus Inseltour, Information und Spaß am Fahren; ein großes Plus war mit Sicherheit auch, dass Michael ein echter Entertainer ist – und ihm am wichtigsten ist, dass am Ende alle mit einem breiten Grinsen vom Segway steigen.
Nach der Fahrt konnte die Gruppe im Cornelius bei Kaffee und Kuchen entspannen und sich über die Tour austauschen. Die Zeit ohne Segway unter den Füßen nutzte Michael außerdem dazu, die Gruppenmitglieder mit Fotos und Videos zu versorgen, die er während der Fahrt gemacht hatte.

Meine Freundin und mich lud Michael außerdem zu einem Schnuppertraining Segwaypolo ein: Wir sind gespannt und freuen uns drauf!

Die Touren finden jeden Tag statt, nur bei Sturm und Gewitter fällt der Segway-Spaß aus. Teilnehmer müssen mindestens 14 Jahre alt sein.



117116700_218779949459973_6739928594117163920_nYoga im Studio gibt es überall – das hat sich auch Julia Ristow gedacht und bietet deshalb im Sommer Yogakurse an ganz besonderen Orten auf der Insel an. Ob auf dem Dach der WattWelten, der Rooftopbar vom NewWave Hotel, am Strand oder – wie in meinem Fall – auf der Wiese neben der Weststrandbar. Ich entscheide mich für einen Kurs am Morgen – und besser hätte ich wahrscheinlich kaum in den Tag starten können. Während uns die Sonnenstrahlen den Rücken wärmen, können wir von der Yogamatte aus das Meer sehen, die Möwen schreien hören und uns den Wind um die Nase wehen lassen. Vom Yoga-Kurs bei Julia war ich schon im Winter überzeugt – und das, obwohl er da noch im Studio stattfinden „musste“. Vor traumhafter Kulisse und an der frischen Luft ist es aber noch einmal ein ganz neues Erlebnis, das ich jedem nur ans Herz legen kann.



117162569_1349767855228987_9022143983787867243_nSeien wir ehrlich: So richtig auf einem Segelboot gesehen habe ich mich eigentlich nicht. Schließlich wurde mir selbst auf dem Segway schon ein wenig übel; schaukeln, Trampolin springen, das alles ist eher kritisch für mich und meinen Magen. Aber: Was ist schon so ein Inseljahr ohne jede Menge Wasser oder Boot unter den Füßen?

Sid Behrend von der Segelschule im Yachthafen machte mir das Angebot, dass ich einmal bei ihm „mitsegeln“ kann – was bedeutet, dass man so viel und wenig helfen darf, wie man eben will.
Ursprünglich war eine Abend-Sonnenuntergangs-Tour geplant, da aber viel Regen erwartet wurde, wurde der Segeltrip spontan auf den Morgen verschoben. Wasser von unten: gern, Wasser von oben: lieber nicht. 

Wir treffen uns an der Segelschule am Yachthafen und gehen nach kurzer 117156634_327739998632134_6349767245630859907_nEinweisung zusammen zum Steg – die Yacht „Sea Scoter“ liegt für die Vierergruppe plus Segellehrer bereit. Sid erklärt viel, von dem ich mir zumindest anfangs maximal die Hälfte merken kann; am Ende des Segeltörns habe ich dann aber doch einige Begriffe drauf. Ich darf die Yacht aus dem Hafenbecken steuern und bin angesichts dieser Verantwortung kurz überfordert. Kaum habe ich fünf Minuten lang mitgeholfen, lehne ich mich schon zurück und freue mich, dass zwei Teilnehmer dabei sind, die schon oft gesegelt sind und Ahnung und Lust mit an Bord gebracht haben. Fast bis zur Weissen Düne segeln wir – und während die anderen arbeiten, genieße ich die Aussicht, die frische Luft, Gespräche mit der Gruppe, die Weite des Meeres und die Möglichkeit, zwei Seehunde aus der Nähe beobachten zu können. Gefühlt sind wir kaum losgefahren, als es schon wieder zurückgeht; dafür zieht sich für mich der Rückweg etwas: Die Wendemanöver erinnern mich kurz daran, dass ich nicht wirklich für wacklige Untergründe und rasante Bewegungen gemacht bin. Spätestens beim Einlaufen in den Hafen bin ich aber wieder fit – und würde sofort wieder auf ein Boot steigen und die Ruhe auf dem Wasser genießen.

Neben den Segeltörns zum mitsegeln bietet die Segelschule auch Kurse und Prüfungen für Bootsführerscheine an.



117158021_769406700540635_6221736966719842329_nVolle vier Wochen Sport vor schönster Kulisse: Das ist noch bis zum 15. August bei Sport am Meer auf der Eventfläche am Januskopf möglich.  König Event Marketing organisiert in „normalen“ Jahren bekannte Events wie das White Sands Festival oder Summertime@Norderney. Da solche Großveranstaltungen in diesem Jahr ausfallen müssen, wurde spontan die Sportveranstaltungsreihe „Sport am Meer“ ins Leben gerufen. Die vier Wochen haben verschiedene Schwerpunkte: Yoga, YAB (Höhle der Löwen: Your Active Body), Jumping Fitness und Spinning.
Ich durfte bisher an zwei Sportkursen teilnehmen und bin begeistert: Sport in der Gruppe, der Blick aufs Meer und großartige Trainer und Trainerinnen machen aus dem Fitnessangebot eine runde Sache.


117118813_824751114725860_3959356858899464151_nÜber Liebesgeschichten oder Kriminalromane, die Norderney als Spielort haben, können sich Inselfans schon seit einer Weile freuen. Nun gibt es endlich auch ein Kinderbuch, das auf der Nordseeinsel spielt: Sandkörnchens spannender Tag auf Norderney. Oona Thim und Iris Antonia Paul haben das Buch geschrieben und gestaltet – mit wunderschönen Fotos, einer tollen Geschichte und kinderfreundlichen Erklärungen für alles, was sich Kinder im Inselurlaub vielleicht schon immer gefragt haben. Ein tolles Mitbringsel aus dem Urlaub!


Norderney scheint zum Schreiben zu verleiten: Vor ein paar Tagen traf ich mich mit der Autorin Barbara Wendelken auf Kaffee und Kuchen in der Kaffeegeniesserei. Zu Recherchezwecken für ihre neue Krimiserie verbrachte die Autorin einige Tage auf der Nordseeinsel – die bei strahlendem Sonnenschein gar nicht so sehr zu düsteren Mordfällen passen wollte. Barbara Wendelken dachte trotzdem eifrig über den perfekten Mord für ihr nächstes Buch nach – und stellte mir dazu einige Frage über die Insel. Ich bin gespannt, was die ostfriesische Autorin aus unserem Gespräch macht;  und wer weiß, vielleicht finde ich ja sogar einen Platz in der Geschichte.


Sommer


In den letzten Wochen kam die Sommersaison endlich so richtig in Schwung: Teilweise zu sehr für Corona-Beschränkungen, an die sich auch die Frisia halten muss.
Mein Bruder beispielsweise musste eine weitere Stunde in Norddeich verweilen, da die Fähre keine weiteren Passagiere befördern durfte – gut, dass die Fähre zumindest wieder häufiger fährt; zu Corona-Hochzeiten hätte auf die nächste Fähre zu warten häufig bedeutet, dass auf den nächsten Tag gewartet werden muss.


IMG_20200626_210109_891Mit meinem Zwillingsbruder stand viel Sport auf dem Programm: Radtouren, Tennis, Stand-Up-Paddling (Peppa war das erste Mal mit auf dem Brett) und ein Windsurfkurs.
Der Kurs geht je nach Zeit der Teilnehmer 3 bis 5 Tage lang, enthält aber immer 10 Praxis- und 2 Theoriestunden. Am Ende des Kurses steht den Teilnehmern frei, ob sie eine Prüfung ablegen wollen oder nicht.
Wir machen den Kurs an vier Tagen und: Haben riesiges Glück mit dem Wetter. Die Sonne scheint und Wind ist an allen Tagen perfekt für Anfänger geeignet.
Die Gruppe besteht aus vier Leuten; die Surflehrerin hat also für jeden ausreichend Zeit und die Möglichkeit, sich um alle Fragen und Problemchen zu kümmern.
Nach ein paar theoretischen Einweisungen und ersten Trockenübungen an Land geht es schon am ersten Tag direkt aufs Wasser. Angeblich sind wir alle richtig gut: Keine Ahnung, ob das tatsächlich stimmt, oder ob es zum Job gehört, Teilnehmer zu loben, damit sie bei der Stange bleiben. Ich find mich auf jeden Fall ziemlich gut, also muss es wohl stimmen.
Am zweiten Tag gibt’s mehr Wind – und zusätzlich bekomme ich ein größeres Segel, also zwei neue Herausforderungen auf einmal. Nachdem wir am ersten Tag meist einfach abgestiegen sind, um die Richtung zu ändern und die langsame Wende lernten, lernten wir am zweiten Tag bereits, wie man schnell wendet und lenkt.
IMG_20200626_204939_799Am dritten Tag gab es vorm Windsurfen noch einmal eine längere theoretische Einheit, um uns auf die (freiwillige) theoretische Prüfung am nächsten Tag vorzubereiten.
Am nächsten Tag stand dann die theoretische Prüfung an; lernen ist leider nicht so meins, es klappte aber auch so. Nach bestandener Prüfung ging es  noch einmal für ein paar Stunden aufs Wasser – wir lernten eine (noch schnellere) Wende, fuhren zeitweise in der Gruppe – und waren am Ende alle ziemlich k.o. Ich nahm mir ein Andenken an den Surfkurs mit, das bis heute mein Gesicht ziert: In den letzten zehn Minuten fiel mir der Mast gegen den Kopf. Ergebnis: Blaues Auge, dickes Ei, einige Kratzer.

Der Kurs hat super viel Spaß gemacht, gerade weil wir in einer kleinen Gruppe waren und die Surflehrerin uns alles bestens erklären konnte. Besonders gut an einem Windsurfkurs auf Norderney: Wind ist eigentlich meistens da.

IMG_20200717_162336_649Auch Peppa wird endlich ein Surfer-Girl: Mittlerweile ist sie auf dem Stand-Up-Paddle-Board ziemlich entspannt und schläft fast.


Vor einigen Tagen dann ein weiteres Highlight: Ich wollte schon lange mal einen Strandritt machen – und war immer ein klein wenig neidisch, wenn ich andere Reiter am Strand entlang – und durchs Wasser reiten gesehen habe. Die Reitschule Junkmann neben der Meierei bietet ganzjährig Strandritte an und führt diese auch immer durch, sofern kein Sturm oder Gewitter ist. Wir haben zum Glück gutes Wetter – und so treffen wir uns bei schönstem Sonnenschein auf dem Hof der Reitschule. Das Team der Reitschule Junkmann kümmert sich bestens um alle Teilnehmer des Strandritts, versorgt uns mit Helmen und ordnet uns die Pferde zu.

IMG_20200717_191040_056Auf dem Ausritt sind wir mit den beiden Begleitpersonen zu zehnt: So groß sind die Gruppen allerdings nicht immer – wenn sich nur eine Person anmeldet, wird der Strandritt eben auch zu zweit durchgeführt. Die Reitschule Junkmann bietet aber auch Individualritte an – ob für Hochzeitspaare oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen; das Team versucht, auf alle Wünsche einzugehen. Ich hatte früher selber zwei Pferde, habe aber seit mindestens fünf Jahren gar nicht im Sattel gesessen, deshalb habe ich mich lieber für einen Anfängerritt angemeldet. Das ist auch das häufigste Problem bei den Gruppenritten, wie mir Arne Sauerbrey später erzählt: Dass die Teilnehmer ihr Können häufig überschätzen und dann tatsächlich weit unter dem Leistungsniveau der Gruppe liegen. Ich fühle mich zurück im Sattel zum Glück ein wenig wie beim Radfahren: Gefühlt habe ich nichts verlernt. Ich erinnere mich an alle Sätze, die sich mir vor Ewigkeiten im Reitunterricht ins Gedächtnis gebrannt haben: Schenkelschluss, Hacken nach unten, aufrecht sitzen.
Mein Pferd heißt Rolex; ein entspanntes Pferd, das seinen Job kennt und ausführt, ohne zu murren.
IMG_20200717_191040_058Durch die Dünen geht es für uns an den Nordstrand –  mal im Schritt, mal im Trab und mal im Galopp bis fast zur Weissen Düne. Als wir ins Meer gehen, merkt man, dass auch die besttrainierten Pferde eben doch nur Tiere sind: Die einen mögen das Wasser, die anderen nicht so sehr – und eins der Pferde will am liebsten gleich baden gehen. Wir schaffen es aber dennoch alle wohlbehalten zurück zum Stall. Ohnehin gibt es von den Ausritten kaum Unfälle oder Verletzungen zu vermelden, meint Arne.
Zurück auf dem Hof werden die Pferde abgesattelt, die Beine gewaschen und dann geht’s in die Box: Feierabend!


IMG_20200712_194000_124Am 18.07 wäre eigentlich der Insellauf gewesen; mit mehreren hundert Läufern. Coronabedingt musste dieser – wie so vieles – ausfallen. Als Entschädigung für die, die eigentlich mitgelaufen wären, als Einstimmung für den neuen Insellauftermin am 11.Oktober und einfach als kleine Inseltour für alle, die gedanklich fast immer bei ihrer Lieblingsinsel sind, wurde dennoch ein kleiner Insellauf gestartet und live auf Instagram und Facebook gestreamt.
Ich gehörte zu dem Team, das stellvertretend für alle anderen Teilnehmer an den Start ging – und meine Vorbereitung für den Lauf war..eher dürftig. Einmal plante ich, joggen zu gehen, kam mir aber schon nach wenigen Metern dämlich vor: Jeder, der mich dabei sehen dürfte, würde sich wundern – da war ich mir sicher. Ich arbeite nur 30 Stunden im Monat, wohin sollte ich es also so eilig haben, dass ich mich nicht einfach wie ein normaler Mensch in einer ganz normalen Schrittgeschwindigkeit fortbewegen könnte? Will ich langsam vorankommen, gehe ich; will ich schnell ans Ziel kommen, fahre ich Rad. Laufenderweise schnell sein zu wollen, erscheint mir einfach unsinnig. Niemand hat das Rad erfunden, nur, damit wir nach wie vor unsere Füße benutzen.
Zwei Tage vor dem Lauf ging ich dann tatsächlich einmal joggen, nur um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lang fünf Kilometer sind: Gar nicht mal so lang.
Der Insellauf startete um 20 Uhr, ich war seit 12 Uhr auf dem 30. Geburtstag einer Freundin: Wenn Bier trinken als Aufwärmprogramm gilt, dann bin ich auf jeden Fall top vorbereitet an den Start gegangen. Aber wie ich hörte, scheint das mittlerweile Inselbloggertradition zu sein, angetrunken oder verkatert zu Sportveranstaltungen zu erscheinen – zumindest hat mein Vorgänger das genauso gemacht.
In einer Gruppe von 7 Läufern und 2 Radfahrern mit Kamera ging es los – die ersten Kilometer klappte das auch ganz gut, bis sich dann die schnelleren Läufer samt Radfahrern absetzten – und samt Läufer auch die Kenntnis über die richtige Route verschwand. Zwar waren die meisten ganz gut ins Schwitzen gekommen, aber eben nicht genug, als dass ich den Weg anhand einer Geruchsfährte hätte erahnen können; auch Wegweiser gab es keine. Ins Ziel gekommen sind wir dennoch alle, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen und mit unterschiedlichen Zeiten.


IMG_20200623_133648Der Roman „Der Dünensommer“ von Sylvia Lott nimmt den Leser mit auf eine Reise nach Norderney. Das Besondere daran: Man erfährt die Insel im Buch nicht nur so, wie die meisten von uns sie jetzt kennen, sondern reist auch in die Vergangenheit. Der Roman spielt in zwei Zeiten: Im Jetzt, aber auch im Jahr 1959. Ein Buch, dass sich nicht nur für Inselfans eignet, die viele ihrer Liebslingsorte im Buch wiederentdecken können, sondern dass auch Sehnsucht bei Lesern wecken dürfte, einmal an den Handlungsort zu reisen. Ein schöner Sommerroman, der neben Handtuch und Sonnencreme in jede Strandtasche gehören sollte.

„Norderney 1959. Ulla führt ein scheinbar sorgloses Leben. Sie ist jung und gutaussehend, mit einem wohlhabenden Hamburger Verleger verheiratet und verbringt die Sommermonate im schicken Nordseeheilbad. Doch ihr Aufenthalt dort hat einen ernsten Hintergrund: nach drei Jahren Ehe sind Ulla und ihr Mann noch immer kinderlos, das maritime Klima soll Ullas Gesundheit stärken. Fernab vom stickigen Hamburg flaniert sie auf der Strandpromenade, badet, feiert und genießt das ungewöhnlich heiße Wetter. Man spricht von einem Jahrhundertsommer, und alle spielen ein bisschen verrückt. Ulla lernt den mittellosen jungen Fotografen Hans kennen, der so anders ist als ihr Gatte. Bald entstehen zarte Gefühle zwischen den beiden und als das Ende des Sommers näher rückt, muss Ulla eine schwierige Entscheidung treffen…“


Regentage


Werbung. Auch, wenn mir immer wieder gesagt wird, dass es kein schlechtes Wetter gibt: Ab Mai ist mir jeder graue Regentag zuwider. Hin und wieder ein kräftiger Regen, damit nicht alle Pflanzen vertrocknen oder ein fast romantisches Sommergewitter, bei dem man sich ins Haus verziehen und vom Trockenen aus den Naturgewalten zusehen- und hören kann: Okay. Aber wenn der graue Himmel über Tage hinweg nicht verschwinden will und man kaum so richtig wach wird – dann wünsche ich mir doch den schweißtreibenden Sommer zurück.

Da hilft, dass es neben Tee, Kaffee und Netflix auch Bücher gibt, die einem die Zeit vertreiben, einen in ihren Bann ziehen und hin und wieder in eine ganz andere Welt entführen.

Vom Klaas Jarchow Media Buchverlag GmbH& Co KG habe ich vor kurzem ein paar Bücher zugeschickt bekommen – der Verlag aus Hamburg steht für Bücher aus Norddeutschland und bietet mit seiner Auswahl an nordischen Büchern Stoff für alle Norddeutschen und die, für die der windige Teil Deutschlands zu einem Sehnsuchtsort geworden ist.


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Mona Harry: Norden und andere Richtungen
Das erste Buch ist von der Reisepoetin und Slammerin Mona Harry, die gebürtig aus Ahrensburg stammt und nun in Kiel wohnt: Ein echtes Nordlicht also. Das Buch ist sehr ansprechend mit Zeichnungen und Bildern der Slammerin gestaltet. Einige ihrer Texte ziehen sich über mehrere Seiten und werden durch die Unterbrechung von Bildern wunderbar entzerrt; lassen damit Platz für eigene Gedanken. Ich höre mir vorab einige ihrer Auftritte bei YouTube an – und habe beim anschließenden Lesen Mona Harrys Stimme, Betonung und Sprechmelodie im Kopf. Es ist fast, als würde mir der Text vorgelesen werden. Und das gefällt mir bei Texten, die ursprünglich für die Bühne gemacht sind vielleicht auch noch besser, als sie selbst zu lesen: Wenn sie mir vorgelesen werden –  und ich die Augen schließen kann.

Warum mein Herz am Norden hängt: https://www.youtube.com/watch?v=4Sum0jMW65w


Martin Stock: Meerlandschaften – Im Rhythmus der Gezeiten

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So wirklich begeistert hat mich das Wattenmeer noch nie – grau-brauner Schlick, eine scheinbar endlose Matschwüste, Vögel und eigenartige Würmer. Subjektiv betrachtet war das Weltnaturerbe immer eher langweilig – und optisch klar  im Schatten der anderen UNESCO-Weltnaturerbe stehend.
Wie man damit einen ganzen Bildband von über 150 Seiten füllen soll, war mir rätselhaft – bis ich das Buch von Nationalpark-Mitarbeiter und Autor Martin Stock in den Händen hielt. Der Bildband nimmt den Leser mittels wunderschöner Luftbaufnahmen mit auf eine Reise über das deutsche Wattenemeer – zeigt Inseln, Halligen, Formationen des Wattenmeeres und schafft es, die ganz besondere Stimmung und Ruhe einzufangen, die die einzigartige Landschafts des Wattenmeers ausstrahlt. Informative Texte zu den präsentierten Orten, persönliche Geschichten verschiedener Menschen, Erklärungen zu Besonderheiten des Wattenmeeres – der Bildband zeigt nicht nur wunderschöne Aufnahmen, die man so vielleicht nicht vom grau-braunen Wattenmeer erwarten würde, sondern bringt dem Leser den Lebensraum, der vom ewigen Rhythmus der Gezeiten geprägt ist, ein ganzes Stück näher.


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Marcus Fischötter: Von oben: Norddeutschland bei Nacht,

Gerade jetzt im Sommer, da es selbst nachts kaum richtig dunkel wird, ist das Buch von Marcus Fischötter eine spannende Abwechslung. Bei manch einem dürfte es bei dem Namen klingeln:  Die filmische Reise über das nächtliche Norddeutschland lief 2019 in deutschen Kinos. In dem Bildband sieht man Norddeutschland aus einer Perspektive, die man normalerweise kaum zu sehen bekommt: Aus der Luft. Es werden nicht nur Skylines oder historische Gebäude gezeigt, die die meisten von uns kennen dürften, sondern auch einsame Orte, gigantische Parkplätze, Bohrinseln auf hoher See, Windparks oder Krabbenkutter. Und es werden Menschen vorgestellt, die zu eben dieser Zeit arbeiten, wenn die meisten von uns schlafen.
Der Bildband beginnt mit dem Sonnenuntergang und erzählt anhand spektakulärer Bilder und Geschichten die Nacht bis zum Morgengrauen; eröffnet dem Leser eine Welt, die ihm üblicherweise verborgen bleibt – weil sie überwiegend in der Dunkelheit stattfindet.


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Sven Brauer: Sprotten, Mutt und Ofenkatze

Ein Titel, der mich vorerst ratlos zurückließ: Würde auf dem Buchcover nicht der Zusatz „Heimatküche, Alte Rezepte neu entdeckt und gezeichnet“ stehen, ich hätte wahrscheinlich nicht gewusst, welche Art von Buch mich hier erwartet.
Mutt heißt übrigens Sau – für alle, die der plattdeutschen Sprache ebenso wenig mächtig sind wie ich.
„Eten und Drinken holt Lief un Seel tosamen“ – dieses norddeutsche Sprichwort hat sich der Autor Sven Brauer zu Herzen und als Grundlage für sein Kochbuch genommen. Verwandte, Marktfrauen, Bekannte, Dorfbewohner und Freunde hat der Buxtehuder nach Rezepten aus der Region gefragt; nach Rezepten, die fast vergessen sind – und Rezepten, die in Norddeutschland eine neue Heimat gefunden haben. Beim Durchlesen des Inhaltsverzeichnis weiß ich nicht immer direkt, was mich erwartet: „Graue Erbsen“ klingt zum Beispiel erst einmal nicht nach einem Gericht, das zu meiner neuen Leibspeise werden könnte, beim Studieren des Rezeptes hingegen kann ich mir durchaus vorstellen, mich einmal dafür an den Herd zu stellen. Das Buch von Sven Brauer unterscheidet sich klar von anderen Kochbüchern: Es gibt keine Fotos der Gerichte, stattdessen ist das Buch gespickt mit bunten Zeichnungen der Orte, aus denen die Rezepte stammen, von Essen, von Zutaten. Dazu gibt es unterhaltsame wie informative Geschichten zu den Gerichten, vergangenen Zeiten oder den Menschen, von denen der Autor das Rezept erhalten hat.
Außergewöhnliche Küche wird in dem Buch vergeblich gesucht; dafür dürfte die teils neu interpretierte Hausmannskost vor allem bei Norddeutschen Kindheitserinnerungen wecken und fast vergessene Gerichte zurück auf deutsche Herde bringen.


Kreative Post

Heute erreichte mich eine E-Mail eines Zuschauers der Sendung Live nach 9, in der ich als Interviewpartner zugeschaltet war. Ein kreativer Zuschauer, wie sich herausstellte – der den Kampf zweier Möwen als Inspiration zu einem Gedicht nutzte:

Unverträglich

Auf einer Insel – bei Ebbe – am Nordseestrand
eine hungrige Möwe ein Krebstier fand.                                                                            

Sie bepickte mit dem Schnabel den Leckerbissen
und hat dem Krebs ein Bein ausgerissen!

Als eine andere Möwe dies Schauspiel sah,                                                                    
da kam sie auch dem Krebstier sehr nah.
So stritten sich beide stets ununterbrochen,                                                                      

– da hat der Krebs sich im Sande verkrochen.–   
                                                                  
Im Sand, den die Flut zuvor weich gespült,
hat sich der Krebs recht wohl gefühlt.                                                                           

„Fünf Beine“ dachte das kleine Krebstier,
„genügen, denn andre die haben nur vier.
Die stolze Möwe, diese feine,
die hat, wie man sieht wohl auch nur zwei Beine!“

Die beiden Möwen, die den Tatort verlassen,
konnten das Dilemma noch gar nicht recht fassen.
Wenn Zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte,
drum lernt was daraus und vertragt euch bitte.

Heinz Ludwig Wüst

Weitere Gedichte, Anekdoten und Geschichten: www.henry.dipago.de


Bitte mit Maske!

In den letzten Wochen öffneten nach und nach Restaurants und Cafés endlich wieder ihre Türen – es galt aber auch direkt, schnell zu sein: Immerhin durften relativ zeitgleich auch Urlauber wieder auf die Insel. Die begehrten Plätze mit Blick aufs Wasser, in der Sonne vor der Kaffeegeniesserei oder im Kaminzimmer des Surfcafés waren also in Gefahr, von anderen ergattert zu werden. Auch, weil die Tischanzahl in den meisten Restaurants reduziert wurde, ist gerade am Wochenende häufig kaum mehr ein Tisch zu bekommen – bisher hatte ich aber doch meist noch Glück.

101609171_620321355235877_752667562352836608_nDinos Bistro
Allen, die gute Pizza mögen oder spät abends schon einmal auf der Suche nach Pizza waren, ist Dinos ein Begriff. Nicht nur Dino’s Osteria in der Friedrichstraße, auch der kleine Stehimbiss Dino’s Pizza in der Jann-Berghaus-Straße ist stets gut besucht. Da aller guten Dinge drei sind, gibt es nun einen weiteren Laden auf Norderney: Dino’s Bistro in der Knyphausenstraße, im ehemaligen Restaurant „Olive am Meer“. Einen ungünstigereren Zeitpunkt zum Umbau hätte es wahrscheinlich kaum geben können; Corona sei Dank blieb der Laden erst einmal geschlossen. Dafür ging es aber wahrscheinlich vielen Norderneyern wie mir, die wochenlang am fertigen Restaurant vorbeilaufen und Essen-Geh-Pläne ab Eröffnung schmieden konnten. Mit etwas Glück bekamen wir am Pfingstwochenende noch einen Platz auf der Terrasse des Bistros und konnten einen der ersten lauen Abende auf Norderney genießen. Der Blick in die Karte überfordert uns für einen Moment: Innerlich schon vorm Setzen auf Pizza festgelegt, müssen wir nun feststellen, dass es die im dritten Dino’s gar nicht gibt. Wir bestellen Lasagne und Cannelloni – beides hätte für unseren Geschmack etwas mehr gewürzt sein können. Super freundliches Servicepersonal und die gemütliche Atmosphäre entschädigten das aber. Wer nicht auf Pizza besteht, ist hier also gut aufgehoben!

 

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Das Frøsinn auf der Jann-Berghaus-Straße hat endlich wieder geöffnet – theoretisch warte ich seit meiner Ankunft auf der Insel darauf. Schon des Wortspiels wegen hatte mich der Frozen-Yogurt-Laden auf seiner Seite, dafür gabs also vorab bereits einen Pluspunkt. Im Frøsinn kann man zwischen drei verschiedenen Größen Softeis oder Frozen Yogurt wählen- und anschließend mit Saucen, Obst oder diversen Süigkeiten garnieren lassen. Die Toppings kosten zwar extra, dafür wird man aber nicht, wie in anderen Frozen-Yogurt-Läden, in denen man die Toppings selbst aufs Eis macht, am Ende von der Waage und dem Preis an der Kasse überrascht. Dadurch, dass hier Service statt Selbstbedienung gilt, ist das Konzept auch coronatauglich. Das Eis? Super lecker, super frisch!

102300511_246176496802112_6635536623335374848_nFritsching’s
Das Fritsching’s im Gewerbegelände habe ich nie so wirklich als Restaurant wahrgenommen; die Lage außerhalb der Stadt und das etwas unscheinbare Gebäude haben mich glauben lassen, dass es lediglich ein Imbiss ist. Gut, letztlich habe ich mir auch ein Imbissgericht geholt, dennoch hatte ich zuvor von einigen gehört, dass es hier den besten Fisch auf der Insel geben soll: Vorbeischauen lohnt sich also mit Sicherheit. Fernab der Massen ist es hier im Sommer bestimmt umso schöner. Ich holte mir einen Döner und war vorerst etwas skeptisch: Statt Fleisch war Salami im Döner. Aber: Brot, Sauce, der gesamte „Döner“: Sehr lecker!


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Das strahlend-weiße Restaurant am Weststrand lockt, sobald es draußen wärmer wird, viele Urlauber auf die Sonnenterrasse und lädt dazu ein, etwas länger bei einem Glas Wein dort zu verweilen. Am Wochenende war die Giftbude bei gutem Wetter derart beliebt, dass wir in der Warteschlange Platz nehmen mussten. Schon in der Warteschlange wurde aufmerksam nach Getränkewünschen gefragt, besonders lange warten mussten wir aber zum Glück ohnehin nicht. Die Karte wurde corona-konform auf einem großen Brett zum Tisch gerollt, statt an den Tisch gereicht, Getränke und Essen ließen nicht lange auf sich warten. Normalerweise würze ich fast immer nach, in der Giftbude konnte ich Salz- und Pfefferstreuer stehen lassen: Meine Spaghetti Manfredo waren perfekt gewürzt!


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Das Amici am Ende der Jann-Berghaus-Straße war das erste Restaurant, das ich nach Wiedereröffnung der Gastronomie aufsuchte. Ich weiß nicht, ob die Karte nach wie vor etwas kleiner als vor Corona ausfällt; bei unserem Besuch war sie zumindest etwas abgespeckt. „Klein, aber fein“ – jeder von uns fand dennoch eine leckere Vor- und Hauptspeise. Das Essen war sehr gut, der Service noch besser, die Atmosphäre sehr gemütlich – gerne wieder!

 


Gran Café Florian
Das Gran Café Florian auf der Ecke Jann-Berghaus-Straße und Poststraße dürften die meisten kennen. Gefühlt rund um die Uhr lockt das Eiscafé/Restaurant Gäste mit der umfangreichen Speisekarte – ob salzig oder süß, deftig oder frisch: Im Gran Café Florian ist etwas für jeden Geschmack dabei. Ich habe dort bisher lediglich einen Erdbeer-Eisbecher gegessen – lecker, freundlich, schnell: sehr gut!

Waffelbäckerei
Der Geruch der Waffelbäckerei inmitten der Innenstadt hat mir schon oft das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen – bis heute konnte ich der Versuchung jedoch immer widerstehen. Eine warme Waffel mit Kirschen und Sahne, dazu ein Platz in der Sonne: So könnte meinetwegen jeder Mittwochmittag aussehen.


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Das New Wave Hotel in der Luisenstraße hat mit dem Oktopussy nicht nur ein großartiges Restaurant, sondern außerdem eine Rooftopbar mit Blick über die Dächer Norderneys. Entspannte Musik, gemütliche, aber stylishe Sitzgelegenheiten, der Sonnenuntergang überm Meer und ein kaltes Getränk in der Hand: Ein Abend auf der einzigen Rooftopbar Norderneys ist so vielversprechend, wie es klingt. Bei Wind oder Regen bleibt die Bar geschlossen, deshalb gilt es, an schönen Tagen mit dem Aufzug bis nach ganz oben zu fahren. Die Cocktails schmecken wirklich gut und sind absolut nicht 08/15.


Freizeitstress

Seit Wochen erreicht mich immer wieder die gleiche Frage aus meinem Bekanntenkreis, aber auch von Norderneyfans bei Instagram: Ist es aktuell nicht total langweilig auf der Insel?

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Langeweile? Fehlanzeige, seit ich täglich Peppa um die Insel ziehe.

Dabei gab es in den vergangenen Wochen hier die gleichen Beschäftigungsmöglichkeiten wie an allen anderen Orten: Spaziergänge, Essen, Sport, Netflix, Haushalt. Ein klein bisschen aufregender dürfte es hier vielleicht sogar gewesen sein: Strandspaziergänge auf Norderney finde ich nach wie vor spannender als Feldwegspaziergänge daheim und: Wer 3x täglich Sand in die Wohnung trägt, hat auch entsprechend mehr im Haushalt zu tun.

Wenn ich auf mein Handy schaue, dann werden mir folgende Zahlen angezeigt: 247 und 118. Zweihundertsiebenundvierzig Tage bin ich schon auf der Insel, einhundertachtzehn habe ich nur noch vor mir – keine vier Monate mehr.
Auch wenn dieses Jahr alle Großveranstaltungen wie White Sands, Filmfestival, Summertime etc für mich ausfallen werden: Ich habe noch ziemlich viel vor und frage mich jetzt schon, wie ich das alles schaffen – und dann auch noch so etwas wie Zukunftsplanung betreiben soll. Wenn man eine gute Zeit hat und viel Schönes genießt, dann fällt es schwer, sich damit zu beschäftigen, welcher „richtige“ Job ab dem Herbst ausgeübt werden soll.

Bis ich die Insel verlasse stehen noch einige Besuche von Freunden und Familie an, außerdem will ich am liebsten Kitesurfen, Windsurfen und Wingfoilen lernen, einen der Ausflüge zu den Nachbarinseln machen, ich überlege, mir ein StandUp-Paddleboard zu kaufen und habe gerade wieder begonnen, Tennis zu spielen.  Ich will einmal bei Sonnenuntergang am Strand entlangreiten, eine Bootstour machen, endlich einmal auf den Leuchtturm gehen (der seit meiner Ankunft geschlossen ist), am liebsten auch einmal Norderney aus der Luft sehen und eigentlich stehen auch noch ziemlich viele Restaurants auf meiner „To-Eat-Liste“. Im September, also zu Beginn meines Inselbloggerjahres, dachte ich noch, dass ich alles, was es auf der Insel zu tun gibt im Nu abgehakt haben werde – und dann den Rest des Jahres wenig zu tun haben würde. Jetzt sehe ich etwas die Zeit davonrennen und merke: Die Möglichkeiten, sich seine Zeit auf Norderney zu vertreiben, sind mit Sicherheit nicht unbegrenzt – aber doch nicht direkt überschaubar.

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Auch die Surfschule hat endlich wieder geöffnet!

Ich leide aktuell also etwas unter dem Luxusproblem Freizeitstress – und ganz nebenbei geht es es aktuell wieder ordentlich los auf der Insel. Straßen und Strände füllen sich, Restaurants und Cafés haben wieder geöffnet, es ist wieder Leben auf Norderney! Die immer wiederkehrende Frage kann ich also in jeglicher Hinsicht verneinen: Nein, langweilig ist es auf Norderney nicht.


To Go

In der Restaurant-Rubrik ist es etwas ruhig geworden – immerhin konnte ich nun auch fast zwei Monate lang nicht essen gehen. Ich musste allerdings nicht nur auf meine eigenen Kochkünste zurückgreifen: Viele Restaurants auf Norderney haben einen Lieferservice gestartet oder Essen zum Abholen angeboten. Selbst ein Cocktail-Taxi gibt es nun auf der Insel – mit dem Segway werden einem kühle Drinks dorthin gebracht, wo man sie am liebsten trinken möchte; ob am Strand, auf der heimischen Terrasse oder am Hafen.

Sechs Mal habe ich seit Corona Essen bestellt – und finde es schwierig, eine richtige Kritik abzugeben. Immerhin habe ich mich sonst auch immer an der Freundlichkeit der Kellner orientiert, an der Gemütlichkeit des Restaurants und daran, wie das Essen angerichtet ist. Diese Kriterien fallen weg – klar, das Essen kann immer noch mehr oder weniger schön verpackt sein. Aber am Ende des Tages sieht nichts, was in Plastikschalen 5-10 Minuten an meinem Fahrradlenker gebaumelt hat, besonders ansehnlich ist. Deshalb gibt’s in diesem Post auch keine Fotos vom Essen.

Unter meinen Bestellungen waren drei Restaurants, bei denen ich bereits vor Ort gegessen habe und drei neue Versuche. Was alle Bestellungen gemein hatten: Es ging ziemlich schnell – gerade einmal 15 Minuten musste ich in der Regel warten, bis das Essen fertig war.

Im Restaurant Bambusgarten im ehemaligen Haus der Schifffahrt (jetzt HS2 Passage) wollte ich schon lange einmal essen gehen. Dann kamen Winterpause, Betriebsferien und Corona dazwischen. Das bestellte Essen war so eingepackt, dass zwar mittelgroße Müllberge entstanden sind (generell ein absoluter Minuspunkt bei Lieferservice-Essen), aber zumindest auch keine Sauereien entstehen oder das Essen sich miteinander vermischen konnte. Die Portionen waren riesig – so, dass selbst ich kämpfen und ganz am Ende aufgeben musste. Mein Reis-Hühnchen-Erdnusssoße war zwar lecker, ich habs mir aber ein wenig selbst versaut – dadurch, dass ich die Portion unbedingt schaffen wollte.

Das Café am Meer dürften viele Urlauber gar nicht kennen – es liegt etwas hinten raus in der Lippestraße, direkt neben dem Krankenhaus. Oder anders gesagt: Kurz, bevor der Zuckerpad beginnt. Ich selber dachte lange Zeit, dass das Café am Meer zur Krankenhausgastronomie gehört, einfach, weil es so nah ist. Auf die Frage hin, was es dort zu essen gibt, wurde mir gesagt: Bestell einfach, was du haben willst – das bekommst du dann auch. Auf der Karte stehen sonst Pizza, Currywurst & Pommes, Schnitzel und klar, Kuchen. Das Café am Meer bietet sogar einen Lieferservice an – angenehm, wenn man sich auf einer derart kleinen Insel nicht einmal mehr zum Essen hinbewegen muss. Wir bestellten einen Dönerteller und kämpften uns erneut durch Essensberge. Salat und Pommes waren sehr lecker, Fleisch für meinen Geschmack etwas trocken, dennoch: Das perfekte Essen für einen Katertag.

Auf griechisches Essen hatte ich seit meiner Ankunft tatsächlich noch nie Lust. Vielleicht, weil ich vor Norderney erst zwei Monate in Griechenland war und gefühlt Tsatsiki durch meine Adern floss. Corona ändert einiges – und so bestellt ich direkt am ersten Tag, an dem das Restaurant Athen im Gewerbegebiet die Türen wieder öffnete, Souvlaki mit Reis und Tsatsiki.  Vielleicht war ich durch meine vorherigen Bestellungen zu viel gewöhnt, vielleicht war die Portion aber auch einfach recht überschaubar. Lecker war es, für meinen Geschmack hätte es aber noch mehr gewürzt sein können. Am ersten Tag nach Wiedereröffnung kann man aber auch ein bis zwei Augen zudrücken und dem Restaurant noch eine Chance geben – finde ich.


Gefangen im Paradies

Ich habe mich verliebt. Liebe auf den ersten Blick war es keineswegs, eher ein langsames Aneinander-Herantasten, ein vorerst argwöhnisches, gegenseitiges Umkreisen. Ich weiß nicht, wie es um die Gefühlswelt einer Insel steht, aber ich für meinen Teil war anfangs eher skeptisch: Zu klein, zu wenig Anonymität, begrenzte Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.
Und dann ist es passiert – so richtig gemerkt habe ich es, als ich Ende März von einem kurzen Urlaub bei meinen Eltern auf die Insel zurückkehrte. Ich setzte mich an Deck der Fähre und freute mich: Auf nach Norderney!

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Ich weiß nicht, wann es passiert ist – vielleicht, als ich mir Peppa zulegte und mit dem neuen „Familienmitglied“ eine Art Nestbau begann. Vielleicht, als ich immer mehr Kontakte knüpfte und mittlerweile einige tolle Menschen meine Freunde nennen kann. Vielleicht, als endlich der Frühling begann, die Insel aufblühte und ich das erste Mal in kurzen Hosen nach draußen gehen konnte. Vielleicht passierte es aber auch, als Corona zum Thema wurde.

Denn seien wir ehrlich – es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Ort, um diese außergewöhnliche, herausfordernde Zeit zu erleben. Shoppen, ins Kino gehen, in Cafés sitzen, Konzerte besuchen – das alles ist auch an anderen Orten aktuell nicht möglich. Ausgedehnte Spaziergänge in Großstädten gestalten sich schwierig: Wenn jeder vor die Tür geht, sind die Straßen und Parks voll. Gingen alle Norderneyer vor die Tür – die Insel bliebe immer noch angenehm leer.

Ich glaube so wie mir geht es aktuell vielen Insulanern. Nachdem der anfängliche Schock über fehlende Gäste und somit ausbleibendes Geld verdaut war und alle merkten: Wir sitzen in einem Boot; meinem Nachbarn geht es genauso wie mir, begannen viele, die Insel und ihre Liebe zu Norderney neu zu entdecken. Die meisten Norderneyer haben schließlich nur während der Wintermonate Zeit, durchzuatmen und ein bisschen mehr Platz auf der Insel zu genießen. Die „Zwangspause“ hat viele vielleicht zunächst gelähmt, sorgt nun aber für neue Energie. Tagestrips zum Wrack am Ostende, für die sonst die Zeit fehlen würde, Golfen am Strand, wobei man normalerweise zahlreiche Urlauber verletzen würde, Sundowner im Strandkorb an der Promenade, wo zu Ostern eigentlich niemals ein Platz zu finden wäre.

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© Birgit Voigts

Während die Straßen und Strände auf der Insel in den ersten Tagen nach meiner Rückkehr menschenleer waren, haben spätestens die ersten Sonnenstrahlen die Norderneyer vor die Tür gelockt – und dafür gesorgt, dass allen bewusst wird, was für ein Privileg es ist, hier leben zu dürfen. Auch Enten, Hasen und das Damwild haben gemerkt, dass sich etwas verändert hat: Teilweise legen Entenfamilien den Verkehr lahm, da sie wegen des verringerten Verkehrsaufkommens kurzerhand beschließen, es sich auf der Straße gemütlich zu machen.
Etwas schade finde ich, dass auch momentan immer wieder Flaschen, Verpackungen, Hundehaufen oder Hundekotbeutel an den Stränden und in den Parks herumliegen. Tatsächlich hatte ich Vergehen dieser Art bisher stets auf die Urlauber geschoben und war davon ausgegangen, dass Insulanern die Sauberkeit ihrer Insel am Herzen liegt. Es tut mir also Leid, liebe Touristen, dass ich euch für die Allein-Schuldigen gehalten habe.

Natürlich ist aktuell nicht nur eitel Sonnenschein. Insbesondere Selbstständige, die sonst rund um die Uhr für ihr Geschäft im Einsatz sind, werden nebst finanziellen Sorgen vor allem auch von Langeweile geplagt. Einige konnten in den letzten Wochen bereits auf Lieferservices oder Online-Shops ausweichen; Hotels oder Bars beispielsweise bleibt aber kaum eine andere Möglichkeit, als einfach abzuwarten.
Für mich persönlich verändert sich wenig – ich kann zwar nicht mehr von Events berichten, aber mit viel Freizeit und arbeiten im Homeoffice war ich schon vorher vertraut – und auch vor Corona habe ich teilweise eine ganze Woche lang keine „anständige“ Hose getragen. Auch finanziell hat sich nichts geändert; wahrscheinlich habe ich sogar eher mehr denn weniger Geld zur Verfügung, nun, da ich mein Gehalt nicht mehr direkt in Restaurants und Cafés tragen kann.

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© Birgit Voigts

Auch in meinem Freundeskreis haben viele nun deutlich mehr Zeit als noch vor wenigen Wochen. Ein bisschen wurde also jedem eine Zuständigkeit zugeteilt: Eine Freundin fürs Zirkeltraining, eine Freundin für den Sprung ins Meer, eine Freundin für Spaziergänge mit Peppa, eine Freundin für Wein am Strand, eine Freundin für die gegenseitige Versorgung mit frisch gebackenem Kuchen, eine Freundin für gegenseitige Einladungen zum Abendessen.

Ich hoffe, dass es euch allen – den Umständen entsprechend – gut geht und dass euch Meer- und Fernweh noch nicht zu sehr plagt. Bleibt gesund –  und auch wenn es in meinem Text vielleicht so klingt, als wäre das Leben auf Norderney ohne Urlauber schöner: Wir alle freuen uns, wenn bald wieder mehr Leben auf der Insel ist und sich noch mehr Menschen an der Schönheit Norderneys erfreuen können!

Für die NWZ habe ich ebenfalls etwas über die aktuelle Situation auf Norderney geschrieben: Heute fährt die Fähre bis nach Alcatraz.