Bitte mit Maske!

In den letzten Wochen öffneten nach und nach Restaurants und Cafés endlich wieder ihre Türen – es galt aber auch direkt, schnell zu sein: Immerhin durften relativ zeitgleich auch Urlauber wieder auf die Insel. Die begehrten Plätze mit Blick aufs Wasser, in der Sonne vor der Kaffeegeniesserei oder im Kaminzimmer des Surfcafés waren also in Gefahr, von anderen ergattert zu werden. Auch, weil die Tischanzahl in den meisten Restaurants reduziert wurde, ist gerade am Wochenende häufig kaum mehr ein Tisch zu bekommen – bisher hatte ich aber doch meist noch Glück.

101609171_620321355235877_752667562352836608_nDinos Bistro
Allen, die gute Pizza mögen oder spät abends schon einmal auf der Suche nach Pizza waren, ist Dinos ein Begriff. Nicht nur Dino’s Osteria in der Friedrichstraße, auch der kleine Stehimbiss Dino’s Pizza in der Jann-Berghaus-Straße ist stets gut besucht. Da aller guten Dinge drei sind, gibt es nun einen weiteren Laden auf Norderney: Dino’s Bistro in der Knyphausenstraße, im ehemaligen Restaurant „Olive am Meer“. Einen ungünstigereren Zeitpunkt zum Umbau hätte es wahrscheinlich kaum geben können; Corona sei Dank blieb der Laden erst einmal geschlossen. Dafür ging es aber wahrscheinlich vielen Norderneyern wie mir, die wochenlang am fertigen Restaurant vorbeilaufen und Essen-Geh-Pläne ab Eröffnung schmieden konnten. Mit etwas Glück bekamen wir am Pfingstwochenende noch einen Platz auf der Terrasse des Bistros und konnten einen der ersten lauen Abende auf Norderney genießen. Der Blick in die Karte überfordert uns für einen Moment: Innerlich schon vorm Setzen auf Pizza festgelegt, müssen wir nun feststellen, dass es die im dritten Dino’s gar nicht gibt. Wir bestellen Lasagne und Cannelloni – beides hätte für unseren Geschmack etwas mehr gewürzt sein können. Super freundliches Servicepersonal und die gemütliche Atmosphäre entschädigten das aber. Wer nicht auf Pizza besteht, ist hier also gut aufgehoben!

 

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Das Frøsinn auf der Jann-Berghaus-Straße hat endlich wieder geöffnet – theoretisch warte ich seit meiner Ankunft auf der Insel darauf. Schon des Wortspiels wegen hatte mich der Frozen-Yogurt-Laden auf seiner Seite, dafür gabs also vorab bereits einen Pluspunkt. Im Frøsinn kann man zwischen drei verschiedenen Größen Softeis oder Frozen Yogurt wählen- und anschließend mit Saucen, Obst oder diversen Süigkeiten garnieren lassen. Die Toppings kosten zwar extra, dafür wird man aber nicht, wie in anderen Frozen-Yogurt-Läden, in denen man die Toppings selbst aufs Eis macht, am Ende von der Waage und dem Preis an der Kasse überrascht. Dadurch, dass hier Service statt Selbstbedienung gilt, ist das Konzept auch coronatauglich. Das Eis? Super lecker, super frisch!

102300511_246176496802112_6635536623335374848_nFritsching’s
Das Fritsching’s im Gewerbegelände habe ich nie so wirklich als Restaurant wahrgenommen; die Lage außerhalb der Stadt und das etwas unscheinbare Gebäude haben mich glauben lassen, dass es lediglich ein Imbiss ist. Gut, letztlich habe ich mir auch ein Imbissgericht geholt, dennoch hatte ich zuvor von einigen gehört, dass es hier den besten Fisch auf der Insel geben soll: Vorbeischauen lohnt sich also mit Sicherheit. Fernab der Massen ist es hier im Sommer bestimmt umso schöner. Ich holte mir einen Döner und war vorerst etwas skeptisch: Statt Fleisch war Salami im Döner. Aber: Brot, Sauce, der gesamte „Döner“: Sehr lecker!


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Das strahlend-weiße Restaurant am Weststrand lockt, sobald es draußen wärmer wird, viele Urlauber auf die Sonnenterrasse und lädt dazu ein, etwas länger bei einem Glas Wein dort zu verweilen. Am Wochenende war die Giftbude bei gutem Wetter derart beliebt, dass wir in der Warteschlange Platz nehmen mussten. Schon in der Warteschlange wurde aufmerksam nach Getränkewünschen gefragt, besonders lange warten mussten wir aber zum Glück ohnehin nicht. Die Karte wurde corona-konform auf einem großen Brett zum Tisch gerollt, statt an den Tisch gereicht, Getränke und Essen ließen nicht lange auf sich warten. Normalerweise würze ich fast immer nach, in der Giftbude konnte ich Salz- und Pfefferstreuer stehen lassen: Meine Spaghetti Manfredo waren perfekt gewürzt!


102305059_559181644779452_7280517385503637504_nOsteria Amici
Das Amici am Ende der Jann-Berghaus-Straße war das erste Restaurant, das ich nach Wiedereröffnung der Gastronomie aufsuchte. Ich weiß nicht, ob die Karte nach wie vor etwas kleiner als vor Corona ausfällt; bei unserem Besuch war sie zumindest etwas abgespeckt. „Klein, aber fein“ – jeder von uns fand dennoch eine leckere Vor- und Hauptspeise. Das Essen war sehr gut, der Service noch besser, die Atmosphäre sehr gemütlich – gerne wieder!

 


Gran Café Florian
Das Gran Café Florian auf der Ecke Jann-Berghaus-Straße und Poststraße dürften die meisten kennen. Gefühlt rund um die Uhr lockt das Eiscafé/Restaurant Gäste mit der umfangreichen Speisekarte – ob salzig oder süß, deftig oder frisch: Im Gran Café Florian ist etwas für jeden Geschmack dabei. Ich habe dort bisher lediglich einen Erdbeer-Eisbecher gegessen – lecker, freundlich, schnell: sehr gut!

Waffelbäckerei
Der Geruch der Waffelbäckerei inmitten der Innenstadt hat mir schon oft das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen – bis heute konnte ich der Versuchung jedoch immer widerstehen. Eine warme Waffel mit Kirschen und Sahne, dazu ein Platz in der Sonne: So könnte meinetwegen jeder Mittwochmittag aussehen.


Rooftopbar Skyfall 102353198_264898774624309_1091843762532909056_n
Das New Wave Hotel in der Luisenstraße hat mit dem Oktopussy nicht nur ein großartiges Restaurant, sondern außerdem eine Rooftopbar mit Blick über die Dächer Norderneys. Entspannte Musik, gemütliche, aber stylishe Sitzgelegenheiten, der Sonnenuntergang überm Meer und ein kaltes Getränk in der Hand: Ein Abend auf der einzigen Rooftopbar Norderneys ist so vielversprechend, wie es klingt. Bei Wind oder Regen bleibt die Bar geschlossen, deshalb gilt es, an schönen Tagen mit dem Aufzug bis nach ganz oben zu fahren. Die Cocktails schmecken wirklich gut und sind absolut nicht 08/15.


Freizeitstress

Seit Wochen erreicht mich immer wieder die gleiche Frage aus meinem Bekanntenkreis, aber auch von Norderneyfans bei Instagram: Ist es aktuell nicht total langweilig auf der Insel?

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Langeweile? Fehlanzeige, seit ich täglich Peppa um die Insel ziehe.

Dabei gab es in den vergangenen Wochen hier die gleichen Beschäftigungsmöglichkeiten wie an allen anderen Orten: Spaziergänge, Essen, Sport, Netflix, Haushalt. Ein klein bisschen aufregender dürfte es hier vielleicht sogar gewesen sein: Strandspaziergänge auf Norderney finde ich nach wie vor spannender als Feldwegspaziergänge daheim und: Wer 3x täglich Sand in die Wohnung trägt, hat auch entsprechend mehr im Haushalt zu tun.

Wenn ich auf mein Handy schaue, dann werden mir folgende Zahlen angezeigt: 247 und 118. Zweihundertsiebenundvierzig Tage bin ich schon auf der Insel, einhundertachtzehn habe ich nur noch vor mir – keine vier Monate mehr.
Auch wenn dieses Jahr alle Großveranstaltungen wie White Sands, Filmfestival, Summertime etc für mich ausfallen werden: Ich habe noch ziemlich viel vor und frage mich jetzt schon, wie ich das alles schaffen – und dann auch noch so etwas wie Zukunftsplanung betreiben soll. Wenn man eine gute Zeit hat und viel Schönes genießt, dann fällt es schwer, sich damit zu beschäftigen, welcher „richtige“ Job ab dem Herbst ausgeübt werden soll.

Bis ich die Insel verlasse stehen noch einige Besuche von Freunden und Familie an, außerdem will ich am liebsten Kitesurfen, Windsurfen und Wingfoilen lernen, einen der Ausflüge zu den Nachbarinseln machen, ich überlege, mir ein StandUp-Paddleboard zu kaufen und habe gerade wieder begonnen, Tennis zu spielen.  Ich will einmal bei Sonnenuntergang am Strand entlangreiten, eine Bootstour machen, endlich einmal auf den Leuchtturm gehen (der seit meiner Ankunft geschlossen ist), am liebsten auch einmal Norderney aus der Luft sehen und eigentlich stehen auch noch ziemlich viele Restaurants auf meiner „To-Eat-Liste“. Im September, also zu Beginn meines Inselbloggerjahres, dachte ich noch, dass ich alles, was es auf der Insel zu tun gibt im Nu abgehakt haben werde – und dann den Rest des Jahres wenig zu tun haben würde. Jetzt sehe ich etwas die Zeit davonrennen und merke: Die Möglichkeiten, sich seine Zeit auf Norderney zu vertreiben, sind mit Sicherheit nicht unbegrenzt – aber doch nicht direkt überschaubar.

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Auch die Surfschule hat endlich wieder geöffnet!

Ich leide aktuell also etwas unter dem Luxusproblem Freizeitstress – und ganz nebenbei geht es es aktuell wieder ordentlich los auf der Insel. Straßen und Strände füllen sich, Restaurants und Cafés haben wieder geöffnet, es ist wieder Leben auf Norderney! Die immer wiederkehrende Frage kann ich also in jeglicher Hinsicht verneinen: Nein, langweilig ist es auf Norderney nicht.


To Go

In der Restaurant-Rubrik ist es etwas ruhig geworden – immerhin konnte ich nun auch fast zwei Monate lang nicht essen gehen. Ich musste allerdings nicht nur auf meine eigenen Kochkünste zurückgreifen: Viele Restaurants auf Norderney haben einen Lieferservice gestartet oder Essen zum Abholen angeboten. Selbst ein Cocktail-Taxi gibt es nun auf der Insel – mit dem Segway werden einem kühle Drinks dorthin gebracht, wo man sie am liebsten trinken möchte; ob am Strand, auf der heimischen Terrasse oder am Hafen.

Sechs Mal habe ich seit Corona Essen bestellt – und finde es schwierig, eine richtige Kritik abzugeben. Immerhin habe ich mich sonst auch immer an der Freundlichkeit der Kellner orientiert, an der Gemütlichkeit des Restaurants und daran, wie das Essen angerichtet ist. Diese Kriterien fallen weg – klar, das Essen kann immer noch mehr oder weniger schön verpackt sein. Aber am Ende des Tages sieht nichts, was in Plastikschalen 5-10 Minuten an meinem Fahrradlenker gebaumelt hat, besonders ansehnlich ist. Deshalb gibt’s in diesem Post auch keine Fotos vom Essen.

Unter meinen Bestellungen waren drei Restaurants, bei denen ich bereits vor Ort gegessen habe und drei neue Versuche. Was alle Bestellungen gemein hatten: Es ging ziemlich schnell – gerade einmal 15 Minuten musste ich in der Regel warten, bis das Essen fertig war.

Im Restaurant Bambusgarten im ehemaligen Haus der Schifffahrt (jetzt HS2 Passage) wollte ich schon lange einmal essen gehen. Dann kamen Winterpause, Betriebsferien und Corona dazwischen. Das bestellte Essen war so eingepackt, dass zwar mittelgroße Müllberge entstanden sind (generell ein absoluter Minuspunkt bei Lieferservice-Essen), aber zumindest auch keine Sauereien entstehen oder das Essen sich miteinander vermischen konnte. Die Portionen waren riesig – so, dass selbst ich kämpfen und ganz am Ende aufgeben musste. Mein Reis-Hühnchen-Erdnusssoße war zwar lecker, ich habs mir aber ein wenig selbst versaut – dadurch, dass ich die Portion unbedingt schaffen wollte.

Das Café am Meer dürften viele Urlauber gar nicht kennen – es liegt etwas hinten raus in der Lippestraße, direkt neben dem Krankenhaus. Oder anders gesagt: Kurz, bevor der Zuckerpad beginnt. Ich selber dachte lange Zeit, dass das Café am Meer zur Krankenhausgastronomie gehört, einfach, weil es so nah ist. Auf die Frage hin, was es dort zu essen gibt, wurde mir gesagt: Bestell einfach, was du haben willst – das bekommst du dann auch. Auf der Karte stehen sonst Pizza, Currywurst & Pommes, Schnitzel und klar, Kuchen. Das Café am Meer bietet sogar einen Lieferservice an – angenehm, wenn man sich auf einer derart kleinen Insel nicht einmal mehr zum Essen hinbewegen muss. Wir bestellten einen Dönerteller und kämpften uns erneut durch Essensberge. Salat und Pommes waren sehr lecker, Fleisch für meinen Geschmack etwas trocken, dennoch: Das perfekte Essen für einen Katertag.

Auf griechisches Essen hatte ich seit meiner Ankunft tatsächlich noch nie Lust. Vielleicht, weil ich vor Norderney erst zwei Monate in Griechenland war und gefühlt Tsatsiki durch meine Adern floss. Corona ändert einiges – und so bestellt ich direkt am ersten Tag, an dem das Restaurant Athen im Gewerbegebiet die Türen wieder öffnete, Souvlaki mit Reis und Tsatsiki.  Vielleicht war ich durch meine vorherigen Bestellungen zu viel gewöhnt, vielleicht war die Portion aber auch einfach recht überschaubar. Lecker war es, für meinen Geschmack hätte es aber noch mehr gewürzt sein können. Am ersten Tag nach Wiedereröffnung kann man aber auch ein bis zwei Augen zudrücken und dem Restaurant noch eine Chance geben – finde ich.


Gefangen im Paradies

Ich habe mich verliebt. Liebe auf den ersten Blick war es keineswegs, eher ein langsames Aneinander-Herantasten, ein vorerst argwöhnisches, gegenseitiges Umkreisen. Ich weiß nicht, wie es um die Gefühlswelt einer Insel steht, aber ich für meinen Teil war anfangs eher skeptisch: Zu klein, zu wenig Anonymität, begrenzte Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.
Und dann ist es passiert – so richtig gemerkt habe ich es, als ich Ende März von einem kurzen Urlaub bei meinen Eltern auf die Insel zurückkehrte. Ich setzte mich an Deck der Fähre und freute mich: Auf nach Norderney!

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Ich weiß nicht, wann es passiert ist – vielleicht, als ich mir Peppa zulegte und mit dem neuen „Familienmitglied“ eine Art Nestbau begann. Vielleicht, als ich immer mehr Kontakte knüpfte und mittlerweile einige tolle Menschen meine Freunde nennen kann. Vielleicht, als endlich der Frühling begann, die Insel aufblühte und ich das erste Mal in kurzen Hosen nach draußen gehen konnte. Vielleicht passierte es aber auch, als Corona zum Thema wurde.

Denn seien wir ehrlich – es gibt wahrscheinlich kaum einen besseren Ort, um diese außergewöhnliche, herausfordernde Zeit zu erleben. Shoppen, ins Kino gehen, in Cafés sitzen, Konzerte besuchen – das alles ist auch an anderen Orten aktuell nicht möglich. Ausgedehnte Spaziergänge in Großstädten gestalten sich schwierig: Wenn jeder vor die Tür geht, sind die Straßen und Parks voll. Gingen alle Norderneyer vor die Tür – die Insel bliebe immer noch angenehm leer.

Ich glaube so wie mir geht es aktuell vielen Insulanern. Nachdem der anfängliche Schock über fehlende Gäste und somit ausbleibendes Geld verdaut war und alle merkten: Wir sitzen in einem Boot; meinem Nachbarn geht es genauso wie mir, begannen viele, die Insel und ihre Liebe zu Norderney neu zu entdecken. Die meisten Norderneyer haben schließlich nur während der Wintermonate Zeit, durchzuatmen und ein bisschen mehr Platz auf der Insel zu genießen. Die „Zwangspause“ hat viele vielleicht zunächst gelähmt, sorgt nun aber für neue Energie. Tagestrips zum Wrack am Ostende, für die sonst die Zeit fehlen würde, Golfen am Strand, wobei man normalerweise zahlreiche Urlauber verletzen würde, Sundowner im Strandkorb an der Promenade, wo zu Ostern eigentlich niemals ein Platz zu finden wäre.

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© Birgit Voigts

Während die Straßen und Strände auf der Insel in den ersten Tagen nach meiner Rückkehr menschenleer waren, haben spätestens die ersten Sonnenstrahlen die Norderneyer vor die Tür gelockt – und dafür gesorgt, dass allen bewusst wird, was für ein Privileg es ist, hier leben zu dürfen. Auch Enten, Hasen und das Damwild haben gemerkt, dass sich etwas verändert hat: Teilweise legen Entenfamilien den Verkehr lahm, da sie wegen des verringerten Verkehrsaufkommens kurzerhand beschließen, es sich auf der Straße gemütlich zu machen.
Etwas schade finde ich, dass auch momentan immer wieder Flaschen, Verpackungen, Hundehaufen oder Hundekotbeutel an den Stränden und in den Parks herumliegen. Tatsächlich hatte ich Vergehen dieser Art bisher stets auf die Urlauber geschoben und war davon ausgegangen, dass Insulanern die Sauberkeit ihrer Insel am Herzen liegt. Es tut mir also Leid, liebe Touristen, dass ich euch für die Allein-Schuldigen gehalten habe.

Natürlich ist aktuell nicht nur eitel Sonnenschein. Insbesondere Selbstständige, die sonst rund um die Uhr für ihr Geschäft im Einsatz sind, werden nebst finanziellen Sorgen vor allem auch von Langeweile geplagt. Einige konnten in den letzten Wochen bereits auf Lieferservices oder Online-Shops ausweichen; Hotels oder Bars beispielsweise bleibt aber kaum eine andere Möglichkeit, als einfach abzuwarten.
Für mich persönlich verändert sich wenig – ich kann zwar nicht mehr von Events berichten, aber mit viel Freizeit und arbeiten im Homeoffice war ich schon vorher vertraut – und auch vor Corona habe ich teilweise eine ganze Woche lang keine „anständige“ Hose getragen. Auch finanziell hat sich nichts geändert; wahrscheinlich habe ich sogar eher mehr denn weniger Geld zur Verfügung, nun, da ich mein Gehalt nicht mehr direkt in Restaurants und Cafés tragen kann.

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© Birgit Voigts

Auch in meinem Freundeskreis haben viele nun deutlich mehr Zeit als noch vor wenigen Wochen. Ein bisschen wurde also jedem eine Zuständigkeit zugeteilt: Eine Freundin fürs Zirkeltraining, eine Freundin für den Sprung ins Meer, eine Freundin für Spaziergänge mit Peppa, eine Freundin für Wein am Strand, eine Freundin für die gegenseitige Versorgung mit frisch gebackenem Kuchen, eine Freundin für gegenseitige Einladungen zum Abendessen.

Ich hoffe, dass es euch allen – den Umständen entsprechend – gut geht und dass euch Meer- und Fernweh noch nicht zu sehr plagt. Bleibt gesund –  und auch wenn es in meinem Text vielleicht so klingt, als wäre das Leben auf Norderney ohne Urlauber schöner: Wir alle freuen uns, wenn bald wieder mehr Leben auf der Insel ist und sich noch mehr Menschen an der Schönheit Norderneys erfreuen können!

Für die NWZ habe ich ebenfalls etwas über die aktuelle Situation auf Norderney geschrieben: Heute fährt die Fähre bis nach Alcatraz.


März

89833594_200705954534468_2399085671173062656_nEndlich Frühling! Langsam mischen sich wenige graue Tage unter viele blaue Tage denn andersherum, ich konnte schon einige Male draußen auf der Terrasse frühstücken und mit Freunden und Peppa die Sonne genießen. Ohne Jacke nach draußen gehen können und bemerken, dass man gar kein schlecht gelaunter Mensch, sondern bei besserem Wetter tatsächlich ziemlich gut drauf ist: Der Frühling bringt eine echte Verbesserung der Laune und der gesamten Lebensqualität mit – und macht richtig Lust auf den Insel-Sommer.

Gut, eine gar nicht mal so kleine Einschränkung gibt es aktuell (und ich wette, jeder von euch kann das C-Wort schon nicht mehr so wirklich hören): Corona. Besonders ausgiebig möchte ich mich dem Thema aktuell auch nicht widmen – mein Blog bleibt also vorerst corona-freie Zone. Irgendwann erzähle ich bestimmt, wie ich die Zeit hier wahrgenommen habe, aber vorerst reicht es mir persönlich, Expertenmeinungen zu dem Thema zu lesen. Ich denke für uns alle bleibt die nächste Zeit spannend, ich zum Beispiel hätte noch letzte Woche nicht für möglich gehalten, dass Norderney tatsächlich „abgeriegelt“ wird.

Bleibt ruhig, besonnen, hört auf Experten, glaubt keinen Fake-News, passt aufeinander auf, bleibt gesund, seid lieb zueinander und handelt nicht egoistisch. Und für alle, die sich ärgern, weil der geplante Norderneyurlaub ins Wasser fällt: Es gibt so viel größeres Leid – und bald ist „eure Insel“ auch wieder für euch da! 🙂

Happy Kreativ

89863963_567969830596129_5330716135652327424_nDonnerstagabend, 19.30 Uhr, es hat seit Stunden nicht mehr wirklich aufgehört zu regnen und kalt ist es irgendwie auch – gut, dass mein nächster Termin im Trockenen stattfindet und zudem die Stimmung aufzuhellen verspricht: „Happy Kreativ“, ein Kreativkurs   unter Leitung von Sabine Ehrenberg.  Zur gemütlichen Stimmung in der wunderschönen Norderneyer Bibliothek passt auch die Teilnehmerzahl: Gerade einmal drei Leute werden an diesem Abend Karten mit maritimen Motiven gestalten. In anderen Monaten, wenn mehr los ist auf der Insel, seien auch die Kurse entsprechend voller, sagt mir Sabine Ehrenberg. Zu Beginn des Abends erklärt sie, mit welchen Materialien und Werkzeugen wir arbeiten können und zeigt, wie Wassertankpinsel anzuwenden sind und mit welcher Technik bestimmte Effekte entstehen können. Die beiden anderen Kursteilnehmer sind – was künstlerische Gestaltung angeht – deutlich erfahrener als ich und legen mit eigenen Ideen und einer Menge Know-How direkt los. Gut für Sabine Ehrenberg; schließlich fordert meine mangelnde Begabung nahezu Eins-zu-Eins-Betreung. Gefühlt habe ich zuletzt in der Schule mit bunten Stiften und Kleber gearbeitet.
89292971_2480643488915346_6321523391002050560_nNach einigen Hilfestellungen, weiteren Erklärungen (bei denen sie innerlich vielleicht die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat, es sich aber nie hat anmerken lassen) und einigen Neustarts, nimmt auch meine Karte langsam Gestalt an und wir vertiefen uns in kleiner Runde nicht mehr nur in die Bastelarbeit sondern auch in Gespräche über die Insel, unsere Heimatorte (die gar nicht so weit auseinander liegen) und anstehende Pläne für die nächsten Tage. Die Zeit vergeht wie im Flug; auch wenn ich nicht wie die anderen Teilnehmer von mir behaupten kann, dass ich bei Bastelarbeiten gut entspannen könnte – zu groß sind noch die „Versagensängste“. Am Ende bin ich dann aber doch ganz zufrieden mit den beiden Karten, die ich gestaltet habe – der Kurs ist aber schließlich auch „für jedes Level geeignet“. Weitere Kreativ-Kurs-Angebote sind unter anderem Handlettering, Malen mit Acryl oder Kreative Handyfotografie. Ich habe definitiv Lust bekommen, noch an weiteren Kursen teilzunehmen und kann euch die Kurse nur ans Herz legen – nicht nur bei schlechtem Wetter. Vielleicht entdeckt ihr ja eine neue Leidenschaft oder einen neuen Lieblings-Zeitvertreib.

Escape Room

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„Ahoi und Herzlich Willkommen im Piratennest! Eine Stunde habt ihr Zeit, um alle Rätsel zu lösen, den sagenumwobenen Piratenschatz zu finden und wieder zu flüchten. Schafft ihr es nicht, bleibt ihr für immer gefangen..“

Norderney ist um eine großartige Attraktion reicher: Am Golfhotel Richtung Leuchtturm gibt es seit wenigen Tagen einen Escape Room. Für die, die das Prinzip eines Escape Rooms bzw. Exit Spiels noch nicht kennen: In der Regel wird ein Team in einen Raum eingeschlossen und muss in einer angegebenen Zeit durch das Untersuchen der Umgebung, Finden von Hinweisen und Lösen von Rätseln diesem Raum wieder entkommen.

Der Escape Room auf Norderney ist – passend zur Insel – im Piratenstil eingerichtet und auch die dem Spiel zugrunde liegende Geschichte ist eine Piratengeschichte. Mitte dieser Woche testete ich mit drei Freunden „Das Piratennest“ und: Wir sind begeistert. Das Problem, an einem Bericht über einen Escape Room: Man darf und kann nicht besonders viel erzählen oder viele Fotos von den Räumlichkeiten hochladen – schließlich kann jeder Gegenstand im Raum ein Hinweis sein, der beim Lösen der Rätsel hilft.

89352151_1108805982806406_7529529586346885120_nSo viel sei verraten: Wir haben alle Rätsel gelöst (weshalb ich diesen Text nun von zuhause aus verfassen kann), wenn auch mit einigen Hilfestellungen und etwas mehr Zeit, als wir uns eigentlich vorgenommen hatten. Die Räumlichkeiten sind wirklich toll und authentisch gestaltet, die Spielregeln werden super erklärt und das Gehirn ordentlich gefordert. Wir hatten eine Menge Spaß und sind der Meinung, dass genau so etwas der Insel noch gefehlt hat: Eine super Möglichkeit zur Freizeitgestaltung, auch wenn das Wetter mal nicht so mitspielt.
Außerdem: Gute Nachrichten für alle, die unter Platzangst leiden: In den Escape Room auf Norderney wird man tatsächlich nicht eingeschlossen, man kann den Raum also jederzeit verlassen. Teilnehmen können alle ab 12 Jahren, eine Teilnehmerzahl von 2 bis 8 Personen wird empfohlen. Das Escape-Room-Erlebnis kann in Kombination mit einer Segway-Tour gebucht werden: www.landtours-norderney.de

Strand- und Dünenwanderung

89830925_621321938600397_8781534272780500992_nObwohl das schöne, gelbe Gebäude mitten im Stadtkern liegt, ist mir das Inselhotel Bruns noch nie wirklich aufgefallen. Gut, wahrscheinlich achtet man als Einwohner auch einfach nicht besonders auf Hotels – schließlich hat man eine Wohnung und ist deshalb nicht auf Hotelzimmer angewiesen. Letzte Woche wurde mir dann angeboten, einmal bei der geführten Strand- und Dünenwanderung des Inselhotels mitzugehen. Ein in meinen Augen perfekter Programmpunkt: Ich durfte Peppa mitnehmen, das absolut traumhafte Wetter genießen und das Ganze dann letztlich unter Arbeit verbuchen.
Am Treffpunkt vor dem Hotel in der Langestraße versammelten sich deutlich mehr Menschen, als ich erwartet hatte; mit gut 30 Mann starteten wir vorbei am Kaiser Wilhelm Denkmal, das vielen auch als „Klamottendenkmal“ bekannt sein dürfte, Richtung Strand. Auf der Promenade und am Strand entlang wanderten wir bis zur Thalassoplattform, nicht ohne immer mal wieder für eine kurze Anekdote oder Wissenswertes stehen zu bleiben. Von der Plattform aus ging es durch die Nordhelmsiedlung in den Wald, zum Kap und von dort aus durch den Kurpark Richtung Kurplatz.
Nach sechs Monaten ging ich wieder einmal davon aus, schon alles zu kennen und zu wissen – und tatsächlich kannte ich zumindest alle Straßen und Wege, auf denen wir unterwegs waren. Viele interessante Informationen zu Bauwerken und Denkmälern oder beispielsweise die Erklärung, woran man erkennt, ob man sich in der Zeitspanne ablaufenden oder auflaufenden Wassers befindet, waren mir hingegen neu.
89898075_646721989463559_7748554845220503552_nIch hatte mir wirklich einen guten Tag ausgesucht, um bei der Wanderung mitzugehen: Das Wetter war großartig, im Wald lief – fast wie bestellt – das Damwild umher und die Gruppe war – obwohl ich normalerweise Spaziergänge in großen Gruppen meide – sehr angenehm.
Am Conversationshaus vor strahlend blauem Himmel endete die Strand- und Dünenwanderung – ganz nebenbei hatte man also nicht nur viel gelernt und die Natur genossen, sondern auch einen ordentlichen Weg zurückgelegt. Die Strand- und Dünenwanderung ist Teil des Angebots „4 Tage Meer Urlaub“, in dem außerdem auch eine Inselradtour und ein deftiges Eintopfessen enthalten ist. Den Gästen wird bei Buchung des Arrangements also nicht nur Kost & Logis geboten, sondern auch ermöglicht, an einigen tollen Programmpunkten teilzunehmen.


¡Buen provecho!

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Kürzlich war ich bei dem einzigen Spanier auf der Insel essen: Pesto Pesto in der „Innenstadt“. Das eher kleine, gemütliche Restaurant lockt Gäste mit Tapas, richtigen Hauptgerichten und einer großen Weinkarte. Für große Gruppen ist das Restaurant nicht gemacht, das würde die ruhige, entspannte Atmosphäre aber wahrscheinlich auch stören. Etwas Zeit muss man mitbringen, wenn man im Pesto Pesto essen geht – bei einem Glas Wein geht aber auch die Wartezeit auf das Essen schnell um. Die Bedienung war sehr freundlich und aufmerksam, das Essen wirklich gut. Ich hatte eine Tapasplatte: Möglichst viele verschiedene Dinge zu probieren – dieses Konzept der spanischen Küche mag ich einfach am liebsten. Mein absoluter Favorit: Datteln im Speckmantel, deshalb bestellte ich mir diese noch einmal extra dazu. Auch wenn das Pesto Pesto nicht gerade günstig ist; ich werde dort definitiv noch einmal essen.

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Irgendwie hatte ich immer Vorbehalte Gosch gegenüber. Vielleicht, weil es eine Kette ist. Vielleicht, weil das Restaurant für mich zu sehr „Sylt“ ruft. Vielleicht, weil auch die Gäste, die häufig im Zelt vorm Gosch sitzen gefühlt laut „Sylt“ rufen. In der Mittagspause einer Freundin landeten wir dann aber doch irgendwann am Kurplatz – und letztlich im Gosch. Ich war überrascht von der Auswahl, weil ich erwartet hatte, tatsächlich nur Fischgerichte auf der Karte vorzufinden. In einem Restaurant mit Bedienung an der Theke ist die Freundlichkeit des Personals zwar nicht unbedingt ausschlaggebend, dennoch waren alle sehr freundlich. Mein gewähltes Essen war fern von gesund und nahrhaft – Fish & Chips – aber genau das richtige an einem Schlecht-Wetter-und-Laune-Tag. Meine Vorbehalte gegenüber Gosch habe ich also weitestgehend abgelegt, mein persönlicher Place-To-Be wird es aber nicht – dafür ist mir das Publikum doch etwas zu goschig ;).

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Das Café Mumpitz hatte – seit ich auf der Insel bin – immer mal wieder für eine Weile geschlossen. Jetzt ist es aber definitiv wieder geöffnet – und macht wirklich guten Kaffee. Auf einen Kuchen bin ich bisher nie geblieben, aber sowohl drinnen als auch draußen sitzt man sehr gemütlich und kann dem Treiben auf der Jann-Berghaus-Straße zusehen. Gefühlt sitzt man fast in der Fußgängerzone – und seien wir ehrlich: Wenig ist besser, als bei 1-3 Tassen Kaffee Menschen zu beobachten, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und sich hin und wieder einen Kommentar über Skurrilitäten nicht verkneifen zu können.


Februar

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Sturm, Sonne, Schnee: Zumindest wettertechnisch hat der Februar das volle Programm geboten.

Während der Januar sich schier endlos in die Länge gezogen hatte, raste der Februar gefühlt dahin. Klar, zwei Tage weniger sind zwei Tage weniger, aber dennoch – die 29 Tage sind vergangen wie sonst eine Woche. Unter viele grau-in-grau-Tage mischten sich einige wirklich schöne Sonnentage, die ersten Frühlingsboten blühen in den Wäldern und Parks.

Dann war da noch Sturm Sabine, der einige Urlauber von der Insel fern- und andere wiederum auf Norderney festhielt. Dass keine Fähren mehr fahren konnten, bedeutete auch, dass Restaurants, Supermärkte und Geschäfte keine Ware mehr erhielten und einige Arbeitskräfte auf der falschen Seite des Wassers festsaßen.
Mich betraf das alles nicht sonderlich; die einzige Einschränkung für mich war, dass ich Peppa am Strand nicht ohne Leine laufen lassen konnte – sobald nicht alle Beine am Boden waren, flog sie mir fast davon. Wegen der Sturmflut gab es teilweise ohnehin kaum Strand – und wir verlegten unsere Gassi-Runden ins Inland.


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Entspannte Musik, eine gigantische Gin-Auswahl, leckere Cocktails und ausgelassene Stimmung: Das Atelier im Kurtheater.

Der Februar war – die Eventfülle betreffend – recht dünn; ich vertrieb mir die Zeit mit Hund, Freundinnen (die mich im Doppelpack mit Hund gefühlt noch lieber mögen), Hunde-Playdates, gutem Essen, Badehaus und Sport. Für den März stehen schon jetzt einige Veranstaltungen auf dem Plan und ich bin gespannt, was das Frühjahr mit sich bringt. Schenke ich den Worten meiner Freunde Glauben, ist mein laues Leben spätestens ab Ostern vorbei – wenn nicht nur die Insel, sondern auch mein Terminkalender sich füllen dürfte.


Zu meinem zweiten Wohnzimmer – beziehungsweise sogar ersten Wohnzimmer, da man eine Ein-Raum-Wohnung kaum in verschiedene Zimmer teilen kann, wurde im Februar das Atelier (Atelier Art&Bar im Foyer des Kurtheaters). Ob auf eine Schorle, ein Bier oder einen der vielen, kreativen Cocktails – in der supergemütlichen, rauchfreien Bar mit gigantischer Gin-Auswahl lässt sich sowohl unter der Woche als auch am Wochenende wunderbar die Zeit vertreiben. Nicht nur das Atelier hat wieder geöffnet, auch Kinofilme werden endlich wieder im historischen Kurtheater gezeigt – nachdem monatelang das Conversationshaus als Kinosaal herhalten musste.


87952334_199118104686203_8760684289617559552_nApropos Wohnzimmer – auch in diesem Monat war ich wieder bei einem Wohnzimmerkonzert im Inselloft. Und wie schon beim letzten Mal war es wieder ein wunderschöner, entspannter Abend mit Wein, guten Freunden, toller, heimeliger Atmosphäre und Musik fürs Herz von Lennart A. Salomon.


Jedes Mal, wenn ich am New Wave Hotel in der Luisenstraße vorbeifahre und durch die Fensterfronten ins zugehörige Restaurant Oktopussy schaue, bekomme ich Lust, mich in das warm erleuchtete Restaurant zu setzen und das einzigartige gemütlich-coole Ambiente zu genießen. Schon bei meinem letzten Besuch war ich nicht nur von der Einrichtung sondern vor allem vom Essen begeistert.
Im Januar veranstaltete das Restaurant zum ersten Mal eine sogenannte „Küchenparty„, bei der Gäste die Möglichkeit haben, hinter die Kulissen der Küche und in die Töpfe der Köche zu schauen. Bei der zweiten Küchenparty Ende Februar, die „einer kulinarische Reise quer durch die Speisekarte“ anmuten sollte, war ich dann auch dabei – und wurde; wie alle anderen Gäste auch, super freundlich empfangen und in den Ablauf des Abends eingeführt. Mit einem Begrüßungsgetränk in der Hand konnte es direkt zu verschiedenen Stationen im Restaurant gehen, an denen Vorspeisen und Zwischengänge serviert und teils frisch zubereitet wurden. Eine große Auswahl an Sushi, Auberginen-Bulgur-Röllchen, Kräutergarnelen auf Ananas-Chutney, Ziegenkäse-Crème-brûlée, frei zusammenstellbare Bowls, Seafood in jeglichen Variationen und weitere ausgefallene Kreationen sorgten schon vor dem Hauptgang für kulinarischen Hochgenuss. Da ich einen Platz direkt an der Bar hatte, konnte ich zudem überdurchschnittlich viele ausgefallene Cocktails probieren, die allesamt sehr lecker waren. Für den Hauptgang ging es in die offene Küche des Restaurants. Hier konnte man den Köchen direkt bei der Arbeit zu- und das eigene Gericht entstehen sehen. Obwohl das Event sehr gut besucht war, entstanden nie lange Wartezeiten – weder an den einzelnen Stationen, noch in der Küche. Generell war die Stimmung den ganzen Abend über sehr entspannt – sowohl das gesamte Oktopussy-Team, als auch die Gäste schienen den Abend zu genießen.
Auch das abschließende Dessertangebot enttäuschte nicht: Das Käsebuffet ließ ich zwar links liegen, dafür steuerte ich Trüffelpralinen, Champagnertorte und weitere Köstlichkeiten umso zielstrebiger an.
Der nächste Küchenparty-Termin steht bereits: Am 28. März könnt auch ihr die Gelegenheit nutzen, dem Team an einem durch und durch runden Abend einmal über die Schulter zu schauen und nach Lust und Laune zu schlemmen.


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Die Schüler des Wahlpflichtkurses bereiten den Dreh des Videos vor.

Ende Februar musste ich noch einmal die Schulbank drücken: Christian Mischke, Lehrer des Wahlpflichtkurses Geschichte an der Kooperativen Gesamtschule Norderney hatte mich zu einer Unterrichtsstunde eingeladen. Zu meinem Glück zu einer langschläferfreundlichen Zeit: Ich musste erst um 11.30 Uhr in der Schule sein. Als ich das Gebäude betrete, siezen mich die ersten Schüler direkt – manchmal vergesse ich, dass ich erwachsen bin; an diesem Tag wird mir klar: Für Neunt- und Zehntklässler bin ich nicht nur erwachsen, sondern vielleicht sogar alt.

Anlass für die Einladung war das aktuelle Projekt des Kurses: In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv arbeiten die Schüler an einem Erklär-Video zum Thema „Erweiterte Kinderlandverschickung„. Hierzu gibt es außerdem bis zum 3. Mai eine Sonderausstellung im Bademuseum.
In wenigen Wochen soll das Video fertiggestellt und dann sowohl in der Ausstellung als auch auf der Internetseite der KGS zu sehen sein.

Das Projekt zur erweiterten Kinderlandverschickung ist nicht das erste Projekt, mit dem Mischke es schafft, die Schüler mitzureißen und das geschichtliche Interesse nochmals zu vertiefen: 2018 beispielsweise recherchierte er mit den Schülern zum Thema „Jüdisches Leben auf Norderney“. Ziel der Recherche war die Vergabe weiterer Stolpersteine.
Für die meisten Schüler des Wahlpflichtkurses steht nach Fertigstellung des Videos ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Programm: Im Frühsommer soll es für den Kurs nach Auschwitz gehen. Vor allem für eine Generation, die ohne Großeltern mit Kriegserinnerungen aufwächst, ein wichtiger Schritt gegen das Vergessen.

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Peppa und Caruso


Januar

Der erste Monat, vor dem mich alle gewarnt hatten, ist so gut wie vorbei: Der Januar.
Noch schlimmer solle es nur im Februar werden, danach gehe es bergauf, so der Tenor.
Aber was soll ich sagen – ich mochte den Januar. Es hatten zwar ähnlich viele Restaurants geschlossen wie in den ersten Dezemberwochen, das machte mir jedoch nichts aus – den Warnungen zum Trotz war mir nämlich absolut nicht langweilig; und in meinen freien Stunden noch leere Strände und Cafés vorzufinden; das war sozusagen die Kirsche auf der Sahne.

IMG_20200101_175502_839Es mag wenig überraschend klingen: Mein Januar fing mit Silvester an.
Ich hatte fünf Freunde zu Besuch, wir kochten, spielten Boccia am Strand und „feierten“ ganz gemütlich rein. Das Feuerwerk sahen wir uns bei einem Mitternachtsspaziergang an, böllerten aber nicht selber. Uns eint die Meinung, dass gerade auf einer Insel, auf der das ganze Jahr über Naturschutz großgeschrieben wird, auch das Silvesterfeuerwerk verboten sein sollte.
Am Neujahrsmorgen gingen wir dann zum offiziellen Anbaden an den Weststrand – und wider Erwarten machten immerhin vier meiner Freunde mit und stürzten sich mit mir in die kalte Nordsee. Für den ersten Sprung ins kalte Wasser hatten die vier sich einen denkbar schlechten Tag ausgesucht: 3 Grad Lufttemperatur und dichter Nebel – da hatte ich in den letzten Monaten meist deutlich besseres Wetter. Der übriggebliebene Fünfte agierte dann als Taschenwart, hatte also zumindest eine ehrenwerte Aufgabe. Da die Insel über die Feiertage noch einmal so voll war, wie sie es sonst nur im Sommer ist, war auch beim Anbaden entsprechend viel los. Zu den hunderten Badenden gesellten sich tausende Schaulustige.


Mein Jahr hier auf Norderney soll zwar auch ein Jahr Auszeit sein, ich habe für mich aber gemerkt, dass ich die schönen Seiten der Insel, die Natur, das leckere Essen, das Meer und die Unternehmungen mit Freunden viel besser genießen kann, wenn ich sie nicht immer haben kann.
In den ersten Monaten hätte ich mich jeden Tag mehrmals aufs Rad schwingen und um die gesamte Insel fahren können. Die massig verfügbare Zeit nahm mir die Motivation, Dinge direkt zu tun – schließlich steht der Leuchtturm um 16 Uhr noch genauso wie um 12 Uhr, wieso also nicht noch warten?
Wirkliche Auszeit und dauerhaftes Nichtstun sind also nichts für mich – auch gut, wenn man das in seinem Jahr Auszeit merkt – weshalb ich mir einen Nebenjob in der Gastronomie suchte. So bin ich nun zumindest ein paar Stunden in der Woche noch beschäftigt und verdiene mir Geld für den Sommer dazu, wenn mich der Inselbloggerjob wieder mehr fordert und zahlreiche Events anstehen. Das Schöne ist, dass ich eben nicht gezwungen bin, Geld zu verdienen. Ich käme auch so gut über die Runden – und könnte jederzeit zurück zur richtigen Auszeit kehren.


83082409_2731750523605699_4972634249644474368_nAm nächsten kam ich dem Begriff Auszeit vergangene Woche in einer Yoga-Stunde in der Praxis für Gesundheitscoaching von Julia Ristow. In den Praxisräumen in der Bismarckstraße fühle ich mich direkt willkommen, während ich meine Schuhe ausziehe und in den Yogaraum gehe. Die Räume sind gemütlich gestaltet, mit vielen Bildern an den Wänden und warmen Farben. Einige Matten sind schon belegt, am Ende sind wir etwa zehn Teilnehmer. Es läuft leise Musik, Kerzen brennen, es herrscht eine gemütliche Stimmung.
Die Yoga-Kurse gibt es in verschiedenen Schwierigkeits-Leveln, Julia bietet als studierte Ernährungswissenschaftlerin aber auch Ernährungsberatung und Bewegungstherapie an, um ein gesamtheitliches Konzept zu schaffen. Im Sommer werden noch mehr Kurse angeboten, die dann auch draußen stattfinden. Yoga am Strand? Klingt nach einer perfekten Kombination, finde ich.
Julia Ristow verspricht auf ihrer Website, dass jeder Yoga machen kann – egal ob jung oder alt, körperlich fit oder eingeschränkt. Das Gefühl habe ich zunächst nicht. Jedes Mal, wenn ich es mit Yoga probiere, verfluche ich erst meine Ungelenkigkeit und meine Unfähigkeit, mich auf eine tiefe Atmung zu konzentrieren, um mir dann vorzunehmen, ab sofort wirklich daran zu arbeiten. Ich lerne dieses Mal aber auch, dass es beim Yoga darum geht, seine eigenen Grenzen zu akzeptieren, dass es keinen Leistungsdruck und Wettkampfgedanken gibt, wie es sonst bei Sport meist der Fall ist.
Zurück in den Raum: Es geht los, Neulinge und Yoga-Kenner sitzen verteilt auf den Matten im Raum, Julia führt von einer Matte in der Mitte des Raumes durch die Yoga-Stunde. Mit einer wirklich angenehmen Stimme gibt Julia Anweisungen – macht aber selber auch mit. Gut für Yoga-Anfänger wie mich, die dann immer nochmal gucken können, wie genau die Übung nun aussehen soll. Bei anspruchsvolleren Übungen geht Julia durch die Reihen und korrigiert die Haltung leicht – auf jeden Kursteilnehmer wird einzeln eingegangen.  Obwohl die Yoga-Einheit kein schweißtreibender Sport war, machen sich am Ende doch meine Muskeln bemerkbar; nach der gemeinsamen, abschließenden Entspannung fühle ich mich jedoch wieder erholt und ausgeglichen.
Die Yoga-Einheiten bei Julia kann ich nur empfehlen – ob zum Ausspannen nach einem stressigen Tag oder für einen gelungenen Start in den Morgen.


Ende Januar ging es für mich für drei Tage von der Insel: Ich war als Speakerin zur BOOT, der weltgrößten Wassersportmesse, eingeladen, um von meinem Leben als Inselbloggerin zu erzählen. Ich nutzte die freie Zeit in Düsseldorf dazu, alte Freunde zu treffen und hatte zwei wirklich schöne Abende dort. Samstag war ich fast den gesamten Tag auf der Messe- zweimal sollte ich etwa eine halbe Stunde von meinem Inselalltag erzählen, den Rest des Tages verbrachte ich damit, mir einen Eindruck von der gigantischen Messe zu verschaffen. Zwischen Luxusyachten und Segelbooten, die größer als die eigene Wohnung sind, kann man sich schon arm vorkommen.  Während die Luxus-Hallen der Messe nicht ganz meine Welt waren, hat die Surfsport-Halle noch mehr Lust auf Wellenreiten, Kitesurfen und Windsurfen gemacht und meine Vorfreude auf den Surfsaison-Start auf Norderney verfößert.
Mein Vortrag war sehr entspannt; ich hatte eine Präsentation mit Fotos von meiner Arbeit und der Insel vorbereitet, der Rest ergab sich im lockeren Gespräch mit dem Moderator.


83942128_526435704896433_2566190307355918336_nLast but not least habe ich im Januar die bisher beste Entscheidung meines Lebens getroffen: Seit Ewigkeiten will ich einen eigenen Hund besitzen, nun habe ich endlich einen, eine 1,5 Jahre alte Husky-Collie-Labrador-Dame. Viel Verantwortung, viel Geld, viel Zeit – aber schon nach drei Tagen Hundemama-Dasein weiß ich: Das ist es wert!  Wir beide sind schon jetzt ein echtes Team, waren zusammen in der kalten Nordsee und, was ich nicht gedacht hätte: Ich entdecke nach vier Monaten Inselleben immer noch neue Wege, seit wir zu zweit unterwegs sind. In den nächsten Blogeinträgen werdet ihr also um Berichte vom Leben mit Hund nicht herumkommen!


genusszeit

Es gibt auf Norderney zwar noch zig Restaurants, in denen ich noch nicht gegessen habe, aber irgendwie werde ich doch schon etwas gemütlich – und kehre häufig in ein und dieselben Restaurants ein. Wenn man weiß, dass es schmeckt, ist man eben auf der sicheren Seite. Zumindest ein paar neue Lokale habe ich aber in den letzten Wochen für mich entdeckt.

Strandpieper
Für die meisten Urlauber hört das gastronomische Angebot der Insel gefühlt bei der Weissen Düne auf –  das ist meist die Distanz, die sich für einen Strandspaziergang anzubieten scheint. Dabei gibt es hinter der Weissen Düne noch einige Restaurants, für die sich ein etwas weiterer Ausflug lohnt – und bei dem sich zuätzlich noch viel Neues auf der Insel entdecken lässt. Lässt man den Leuchtturm samt Café Leuchtturm und Düne13 hinter sich und fährt bzw. geht ganz bis zum Ende des befahrbaren Teil der Insel, kommt man an den FKK-Strand. Ich wollte eigentlich nur eine kleine Radtour machen und mich auf die Suche nach neuen Fotomotiven begeben; letztlich bin ich aber doch in den Strandpieper (vielen wahrscheinlich noch als „Oase“ bekannt) eingekehrt. Wenn man schon einmal im Inselosten ist, dann soll es sich auch gastronomisch und nicht nur der Natur wegen lohnen! Ich hatte bis dato nur positives von dem neuen „Gourmet-Restaurant der Spitzenklasse“ gehört und wollte mir nicht entgehen lassen, zumindest auf einen kleinen Snack dort zu bleiben. Nach viel Bewegung und noch mehr frischer Luft hat man sich das schließlich auch mehr als verdient.
Das Restaurant ist wirklich schön und hell gestaltet, das gesamte Personal  freundlich und professionell. Ich bestelle einen Ingwer-Tee, veganen Kokos-Milchreis mit Beerengrütze und muss auf beides nicht lange warten.

Der Milchreis ist dadurch, dass er mit Kokosmilch gekocht wurde, natürlich kein klassischer Milchreis, wie man ihn sonst auf der Insel serviert bekommt, mir hat er aber sehr gut geschmeckt.
Ich komme auf jeden Fall gerne noch einmal wieder und bin gespannt, wie es dort im Frühjahr und Sommer ist – dann bietet der Strandpieper zusätzlich zum Restaurantbetriebt nämlich noch einen Strandkiosk und eine eigene Räucherei. Aktuell genießt das Team vom Strandpieper die Betriebsferien, ab März kann dort aber wieder genüsslich geschlemmt werden.

Sen Restaurant
Ich bin schon mehrmals am Sen Restaurant in der Luisenstraße vorbeigelaufen und habe mir jedes Mal vorgenommen, dort „ganz bald“ essen zu gehen – es sieht einfach zu gemütlich von außen aus; vor allem, wenn es draußen dunkel ist. Anfang Januar war ich dann endlich dort – und der gemütliche Eindruck hat mich nicht getäuscht: Das Sen ist schön eingerichtet, vor allem das warme Licht der vielen Lampen erzeugt eine angenehme Stimmung.  Das Restaurant kommt im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Restaurants ganz ohne Porzellan-Kitsch, Winkekatzen und dergleichen aus – das überzeugt. Etwas irritiert waren wir anfangs von der Musik: Überaus sanfte, entspannende Klänge ließen uns beinahe auf eine Thai-Massage warten. Im Sen gibt es asiatische Klassiker, Curry, Sushi und sogar Burger nach asiatischer Art. Mein Reisgericht mit Hühnchen und Erdnusssoße war super lecker, die Portion mehr als reichlich. Einer meiner Freundinnen wurde leider das falsche Essen gebracht – und das gleich zweimal. Die Google-Bewertungen lassen darauf schließen, dass das ein relativ häufiges Problem im Sen ist. Die Bedienung entschuldigte sich zwar mehrmals und brachte dann letztlich auch das richtige Essen, das sehr lecker war, aber sowohl für die Küche als auch für die Gäste wäre es im Sinne der Lebensmittelverschwendung, des Zeitaufwands und des gemeinsamen Essens besser, wenn die Bestellung direkt richtig verstanden würde.

Norderneyer Brauhaus
Ein kleines bisschen unangenehm ist es mir ja, aber ich war bisher noch nie in der Brauhalle, dem  Alten Brauhaus oder der Weststrand Bar. Gut, letzteres hatte wetterbedingt seit meiner Ankunft auch kaum noch geöffnet, aber dennoch: Bier hätte ich mir an den anderen Adressen definitiv schon schmecken lassen können. Norderneyer Pils habe ich auf Norderney natürlich schon mehrfach getrunken – aber eben nicht an den Orten, wo es gebraut wird/wurde. Das Alte Brauhaus am Damenpfad ist super gemütlich, gleichzeitig modern, das Bier schmeckt überragend  – was will man mehr? Wer hungrig ist, bekommt dort auch kleine Snacks zum Bier serviert; eine runde Sache!


dezember

79793390_620624235412989_732057027911614464_nNoch vier Tage bis Weihnachten; noch elf, bis 2019 gebührend verabschiedet wird. Gebührend bedeutet bei mir, dass ich mit Freunden in Jogginghose, Kuschelpulli und Wollsocken zuhause sitze, koche, Bier trinke und um Mitternacht eine Wunderkerze anzünde. Die Zeiten von Silvesterpartys, Glitzeroutfits und Sekt haben wir schon vor Jahren für beendet erklärt – aber wir sind ganz zufrieden mit unserer eigenen Tradition.

So richtig in Weihnachtsstimmung bin ich noch nicht – was auch dem Wetter geschuldet sein mag. Aber ich will mich nicht beschweren; kalte Tage wird’s noch genug geben und tatsächlich freue ich mich über jeden Sonnentag und jeden Moment im zweistelligen Gradbereich.
Der lebendige Adventskalender hat mich zumindest etwas bereit für Weihnachtsbaum, Weihnachtsmarkt und Plätzchen gemacht. Das Konzept des lebendigen Adventskalenders kannte ich noch nicht, vor allem in ländlichen Gegenden ist das allabendliche Zusammentreffen aber wohl recht bekannt. Nach vielen schönen Abenden vor beleuchteten Häusern; mit Weihnachtsliedern, Glühwein/Kinderpunsch und Keksen bin ich nicht nur etwas in Weihnachtsstimmung sondern vor allem begeistert von dieser schönen Idee für die Vorweihnachtszeit.


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Love is in the air

Ich hatte es in meinem letzten Blogeintrag schon angekündigt: meinen ersten korrekten Gang ins Meer; mit Karin Rass, der Klimatherapeutin der Insel. Nach über einem Monat der unüberlegt-unvorbereiteten Sprünge ins kalte Nass sollten meine Komplizin Rahel und ich es endlich richtig lernen. Mit einigen anderen Teilnehmern trafen wir uns in der Umkleide am Weststrand; ein Komfort, den wir uns sonst nicht genehmigen.
Da mich bei Instagram immer wieder Leute fragen, wie wir ins Wasser gehen, hier die ausführliche, detaillierte Beschreibung: Zum Strand fahren, am Strand ausziehen, ins Wasser gehen, am Strand anziehen, nach Hause fahren. So kompliziert ist es also gar nicht ;).
Bei der professionellen Klimatherapie steht das eigene Empfinden, das Achten auf die Signale des Körpers im Fokus – nicht ein „Aushalten“ wie bei uns. Von der Umkleide aus ging es an den Strand, um erst einmal ein Luftbad zu nehmen. Wir bewegten uns also in der Gruppe am Strand und achteten darauf, wie wir die Kälte empfinden; während Frau Rass uns mehr zur Klimatherapie erklärte. Wenn blutige Anfänger zur Gruppe stoßen, geht es meist auch gar nicht direkt in Badekleidung an den Strand; zu Anfang werden erst bekleidete Luftbäder genommen, bis sie nach einigen Tagen dann bereit sind, ins Meer zu gehen.
Wem es zu kalt wurde, der durfte das Luftbad jederzeit abbrechen; zwei Teilnehmerinnen nahmen dieses Angebot dankend an und gingen früher in die Umkleide zurück.

Würde ich eines Tages zu Rahel sagen, dass ich lieber doch nicht ins Wasser gehen will; ich fürchte, sie würde mich in die Wellen werfen und so lange unter Wasser drücken, bis ich aufhöre, mich anzustellen.

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Foto von @nicolebenewaah

Andersrum gilt das genauso. Wir sind nicht vernünftig und hören auf unseren Körper, wir hören lediglich auf unseren Stolz.
Während des Luftbadens warteten wir darauf, endlich ins Wasser gehen zu dürfen – heute sollten wir es aber beim Kältebad an der frischen Luft belassen und  uns (zumindest gefühlt) unverrichteter Dinge zurück in die Umkleide und unsere warmen Klamotten begeben.
Es war auf jeden Fall interessant, einmal mehr über Klimatherapie zu erfahren und mitzuerleben, wie man es eigentlich richtig angeht – aber: Wir brauchen das Wasser-Extrem mittlerweile einfach zu sehr, als dass wir uns mit einem Luftbad zufrieden geben könnten. Und so haben wir uns dann im Anschluss doch noch unseren täglichen Kaltwasser-Kick gegeben. Was wir ohnehin schon von selbst gelernt haben: Nach dem Sprung ins Wasser nicht direkt duschen zu gehen, sondern von selbst wieder warm zu werden.


Anfang Dezember traf ich mich mit einer Freundin in Wilhelmshaven; nicht der schönste Ort der Welt, aber zumindest konnte ich dort endlich auf einen Weihnachtsmarkt gehen. Da die Bahnverbindung von Norderney nach Wilhelmshaven lächerlich ist und ich auf Norderney nicht in erster Linie das Nachtleben oder die Shoppingmöglichkeiten vermisse, sondern vor allem lange Radtouren, entschied ich mich, mit dem Fahrrad nach Wilhelmshaven zu fahren.
79438179_749440338896883_3028935117528629248_nFaktoren wie eine lange Strecke gepaart mit wenig Zeit sowie eine Sturmwarnung ließen mich zu einem Angehörigen der Menschengattung werden, die ich sonst wenig ernst nehmen kann: Einem E-Bikefahrer.
Dank Sturmwarnung und Angst vor Kälte sah ich aus wie ein wahrgewordener Zwiebellook, als ich in Norddeich losradelte. Zum Glück blieb das Wetter gut; kaum Wind, viel Sonne und mäßige Temperaturen.
Auf dem Hinweg hatte ich am Ende 115 Kilometer auf dem Tacho, da ich mir vom Weg am Deich entlang schöne Ausblicke versprochen hatte – blöd nur, dass man eben immer vor/hinter/neben dem Deich ist (wie auch immer man es nun betrachtet) und gar nicht mitbekommt, dass auf der anderes Seite des Deiches das Meer und weitere Inseln zu sehen sind.
Zurück fuhr ich querfeldein und hatte so nur 85 Kilometer zu bewältigen.
Und: Mir war noch nie so langweilig beim Radfahren – dabei hab ich schon einige längere Radtouren gemacht.
1. Hat mir das E-Bike viel zu viel Arbeit abgenommen; und ganz ohne Unterstützung war mir das Damenrad einfach zu unsportlich unterwegs.
2. Die Landschaft Ostfrieslands dürfte in einem der unmotiviertesten Momente des lieben Herrgotts entstanden sein. Der spannendste Wegabschnitt war ein 30 Meter langer verschmutzter Radwegteil. Auf insgesamt 200 Kilometern ist landschaftlich so gut wie nicht passiert: Plattes Land, Windräder, hin und wieder ein kleiner Bach.
Das einzige, was mich hat wach bleiben lassen, war der Schmerz, den meine gefühlt abgefrorenen Zehen verursachten.
Bei meiner nächsten Radtour durch Ostfriesland werde ich also erstens wieder ohne Unterstützung in die Kette treten und zweitens eine Zeitung oder Strickzeug zur Unterhaltung mitnehmen.


79237657_1000695180263596_1929508581644697600_nSommer, Sonne, Strandkörbe. Damit du, ich und alle anderen Menschen an den Stränden Norderneys das volle Programm genießen können, werden ab Oktober die Strandkörbe repariert – und an Ostern wieder an die Strände zurückgebracht.
Ihr erinnert euch vielleicht: Mit den Technischen Diensten Norderney war ich schon einmal unterwegs – beim letzten Mal, um die Strandreinigung zu begleiten. Heute durfte ich gnädigerweise etwas länger schlafen als beim letzten Mal, dennoch legten auch die Jungs von der Strandkorbreparatur ziemlich früh los: Um 7 Uhr geht’s an Fitmachen der Strandkörbe, da schlafe ich sonst noch gute zwei Stunden. Dieses Mal mussten sich Friedhelm und Michael, die in der alljährlichen Berichterstattung gerne auch mal „Strandkorbdoktoren“ genannt werden, meiner annehmen; mir alles erklären und sich von meinen Fragen löchern lassen.
Über 2000 Strandkörbe lagern auf drei Etagen in der Halle im Gewerbegebiet – und jeder einzelne muss überprüft und repariert werden.
79245092_479506832770904_6900034144080756736_nDie blau-weißen Bezüge müssen erneuert, Polster ausgetauscht und Klapptischchen neu verschraubt werden, reparierte Strandkörbe nach oben geschafft und noch zu reparierende Strandkörbe nach unten gefahren werden. Wind, Wetter und Vandalismus setzen den Körben jedes Jahr ganz schön zu; manche sind irreparabel und werden komplett aussortiert. Gefahrenquelle Nummer 1 für die Strandkörbe: Gruppen betrunkener Menschen, die den gestreiften Wind- und Sonnenschutz mit einer Hüpfburg verwechseln.
Die Werkstatt ist, wie man sich eine Werkstatt in reiner Männerhand vorstellt: Von wenigen Gesprächen über NDR 1 im Radio bis hin zu den obligatorischen Frauenkalendern an der Wand. Frühstückspause wird pünktlich auf die Minute gemacht – mit Kaffee aus der Thermoskanne und geschmierten Broten setzen sich die Männer um einen großen Tisch; statt zu quatschen, ist jeder in den Norderneyer Morgen vertieft. Nur ich füge mich meiner Rolle als Störenfried und quatsche immer wieder in die Stille hinein. Nach der Mittagspause räumen wir noch ein paar dutzend Strandkörbe um, dann habe zumindest ich es schon geschafft; acht-Stunden-Tage passen einfach nicht mehr in meinen Lebensrhythmus. Der Tag bei den Jungs von TDN hat auf jeden Fall Spaß gemacht – und falls euer Strandkorb nächsten Sommer etwas wacklig sein sollte: Den habe ich repariert.


79950330_450470112293907_1135333458910904320_nMitte Dezember stand noch ein Termin auf dem Programm: Ein Team vom NDR begleitete mich in meinem Alltag als Inselbloggerin. Das Ergebnis könnt ihr am 26. Januar um 18 Uhr im Nordseereport sehen. Der Dreh hat super viel Spaß gemacht und ich bin gespannt, wie der Beitrag wird. Mit dabei ist auf jeden Fall auch der Norderneyer Ausrufer Bernd Krüger – schließlich haben wir beide ja in gewisser Weise den gleichen Job; er auf den Straßen Norderneys, ich im Internet 😉


Von mir wars das für dieses Jahr! Euch allen eine schöne Weihnachtszeit und einen aufregenden Jahreswechsel mit guten Freunden. Wir sehen und hören uns im Neuen Jahr!