no rush november

76661233_592798588210581_7744579200153026560_nNovember: Die Insel leert sich zusehends, alle Events des laufenden Jahres passen auf eine der großen Anzeigetafeln, Himmel und Meer bilden eine graue Einheit, auch in diesem Moment regnet es; erst um 21 Uhr soll der andauernde Nieselregen kurz aufhören. Die Strandkörbe sind schon längst im Winterschlaf, in Hotels wird renoviert, was das Zeug hält und die Gastronomen können sich nach Monaten des Durcharbeitens endlich mal ein bis zwei freie Tage in der Woche erlauben oder überwintern direkt an einem sonnigeren Ort. Selbst am sonst so belebten Nordstrand kann man zuweilen allein unterwegs sein.
Auch für mich stehen deutlich weniger Veranstaltungen an als noch im September und Oktobert – in meine Wochen schleicht sich langsam so etwas wie Routine; Alltag.

 


74847193_2124336204334230_4597394823987593216_nSeit dem 1.11 gehe ich täglich mit einer Freundin ins Meer; schwimmen bei Temperaturen, die wenig Spaß, aber dafür umso mehr Gänsehaut machen. Das war ihre Idee – und ich reibe es ihr an besonders ungemütlichen Tagen gerne unter die Nase. Sie hat mir versprochen, dass ich am Ende des Winters nicht mehr wissen werde, was Cellulite überhaupt ist, die Idee hat mich also schnell überzeugt. Bis auf die vier Tage, an denen ich auf dem Festland war, quälen wir uns also – meist morgens – ins kalte Nass; und erzählen jedem Strandspaziergänger, dass es gar nicht so schlimm sei und man sich an alles gewöhnen würde. Stimmt auch; trotzdem meckern wir jeden Tag auf den ersten Metern vor uns hin und freuen uns stets auf die warme Dusche im Anschluss.

 


76654205_522484778592700_890575427469312000_nEine Unterbrechung meiner Einkaufen-Meer-Chor-Sport-Badehaus-Routine: Vier Tage Köln und Heimatbesuch, um meine Wohnung aufzulösen, Möbel zu schleppen und zu verkaufen, noch einmal Stand-Up-Bühnenluft zu schnuppern und: Bis um 12 einkaufen zu gehen; was für ein Leben. Auf der Fahrt von meiner Weserbergland-Heimat zurück nach Norderney verschwinden erst alle herbstlich-bunt-gefärbten Hügel, dann setzt Regen ein, die Landschaft vor mir ähnelt einem Pfannkuchen; nicht geschmacklick oder farblich, sie ist nur einfach sehr platt; Windräder über Windräder tun sich am Horizont auf. Aber dann, angekommen in Norddeich: Ein wunderschöner Sonnenuntergang überm Meer – zurück geht’s in die neue Heimat.


75464096_422387608696497_8092157726458642432_n(1)Anfang November war ich beim Song Ping Pong im Wohnzimmer des Insellofts. Und es hat wieder alles gepasst: Von der lauschig-gemütlichen Atmosphäre in kleiner Runde mit Sitzkissen, Kaminfeuer und Wein, über das gesamte Team des Insellofts, das wie immer superfreundlich war, hin zu großartiger musikalischer Unterhaltung von Neil Hickethier und Lennart Salomon. Entspannte Stimmung, Gitarre und Gesang und kleine Anekdoten aus dem Leben der Musiker: Das Wohnzimmerkonzert; ein Wohlfühlabend wie unter Freunden.


Ebenfalls zu Beginn des Monats: Der Talentetreff des Norderneyer Laientheaters. Das Treffen richtete sich an alle Norderneyer von 6 bis 99 Jahren und war keineswegs nur für Schauspieler gedacht. Ob man besonders gut nähen, schminken oder organisieren kann – für jeden gibt es etwas zu tun.  Ich ging gemeinsam mit einer Freundin zum Treffen – sie ist nun festes Mitglied in der Theatergruppe. Da die Woche nur sieben Tage hat, beschloss ich, dass ich mich lieber weiterhin Bodyforming statt Bühnenperfomance widme; und so weiterhin meine wöchentliche Portion Milchreis essen kann. Ich freue mich aber schon darauf, im Frühsommer eine Aufführung des Laientheaters besuchen zu können. 


76653276_1136219463383144_4716825525048311808_nIm Oktober war ich schon einmal für Kaffee, Tee und Klatsch& Tratsch in der Tagespflege Marienresidenz. Nicht nur der Ostfriesentee scheint auf Norderney nie auszugehen, auch Klatsch & Tratsch gibt es auf einer Insel immer zur Genüge: Der erste Rat, den ich von der bunt gemischten Gruppe aus Insulanern, Zugezogenen und Rückkehrern erhielt: „Werden Sie bloß nicht die Zweitfrau von jemandem. Das spricht sich hier immer direkt rum“. Vor einigen Tagen war ich dann erneut dort, dieses Mal ging es nicht um meine Männerwahl: Die Senioren aus der Tagespflege bekamen Besuch von Junioren aus dem benachbarten Kindergarten, um gemeinsam Weihnachtsdeko zu basteln.  Über 90 Jahre Altersunterschied lagen zwischen dem jüngsten und dem ältesten Mitglied der Runde.  Von Berührungsängsten keine Spur: Kaum waren die Bastelutensilien auf den Tischen verteilt, setzten sich auch die Kinder auf die leeren Stühle zwischen die älteren Herrschaften und hielten sich nicht lang mit Smalltalk auf – es ging direkt an die Scheren und Klebestifte.
Gute Laune, gegenseitige Hilfe, mit Glitzer überladene Sterne, Weihnachtsbäume und Engel, Klebereste auf den Tischen und gemeinsamer Stolz auf die fertiggestellte Weihnachtsdeko: Der Bastelvormittag war für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis. 

 


wohl bekomm’s!

Ich muss mich gleich zu Beginn entschuldigen. Manchmal bin ich eine unfassbar schlechte Bloggerin: Oft esse ich, bevor ich daran denke, dass ich eventuell ein Foto vom Essen machen sollte.

73322857_421351228547921_3284839555470983168_nHausmanns Kost & Deli
Bei Hausmanns Kost&Deli auf der Jann-Berhaus-Straße geht es gemütlich zu: Da es in dem kleinen Restaurant nur eine begrenzte Anzahl an Tischen gibt, werden Neuankömmlinge zu Fremden an den Tisch gesetzt; ein freundliches Miteinander in großer Runde, etwas wie zuhause bei Familienzusammentreffen. Und das will Hausmanns Kost&Deli auch: Essen servieren, das traditionellen Genuss wie bei Muttern in Verbindung mit kreativem Küchenhandwerk setzt.
Die Karte ist übersichtlich, dürfte aber dennoch für jeden etwas im Angebot haben. Weil es draußen ungemütlich kalt ist, entscheide ich mich für zwei Gerichte, die in Schüsseln serviert werden, denn: An kalten, dunklen Tagen ist Schüssel-Löffel-Essen mein ganz persönliches Soul Food. Der Service ist schnell, freundlich und aufmerksam. Sowohl das Vegetarische Curry als auch der Milchreis mit Roter Grütze schmecken super lecker – auch wenn meine Mama anders kocht.

72819666_2355440898118121_9020671510586589184_n(1)Kurpalais
Ob Frühstück, Mittagessen, Kaffee & Kuchen oder ein-zehn Getränke an einem Konzertabend: Das Kurpalais im Conversationshaus versorgt Gäste den ganzen Tag über. Während mir tagsüber manchmal – der Lage geschuldet – etwas viel Betrieb ist, finde ich das Kurpalais abends umso gemütlicher. Eine wirklich schöne Bar, gemütliches Licht und Blick auf den erleuchteten Kurplatz. Egal ob für einen Kaffee, Kaiserschmarrn mit Apfelmus (große Portion und echt lecker) oder Wein – bisher hatte ich dort immer eine gute Zeit.

74788725_427223801546192_2058842991958687744_nMr. Nice Pizza
Das Restaurant in der Winterstraße ist modern und schön eingerichtet, wäre allerdings nicht meine erste Wahl für einen gemütlichen Restaurantbesuch. Gut, dass wir ohnehin Pizzen zum Mitnehmen haben wollten. Das Angebot ist genau richtig: Nicht zu groß, nicht zu klein, kreative Namensgebungen der Pizzen (z.B. Pizza Norderney statt Pizza Hawaii). Meine Brokkoli-Pesto-Schafskäse-Pizza war super lecker; gewartet haben wir etwa 20 Minuten.

74205747_425641488114090_9196286800560128000_nRistorante Da Sergio
Am Ende der Fußgängerzone (Damenpfad) liegt das Ristorante Da Sergio. Ich war zur Mittagszeit da – entsprechend mäßig besucht war das Lokal, entsprechend schnell der Service. Bruschetta und Rotbier standen innerhalb kürzester Zeit vor mir. Das Bruschetta war knusprig, würzig, lecker und an genau den richtigen Stellen etwas durchgeweicht. Ich komme gern noch einmal für ein richtiges Essen wieder; denn gemütlich ist es dort definitiv.

74951484_418493525506249_9065345230663843840_nStrandStulle
Der Subway Norderneys: Die StrandStulle im ehemaligen Haus Schifffahrt an der Bülowallee serviert als Sandwichmanufaktur nicht nur Sandwiches, sondern auch Muffins, Getränke und Smoothie Bowls. Ein großartiger Laden auch für alle Nachteulen der Insel: Am Wochenende hat die StrandStulle bis 5 Uhr nachts geöffnet. Freundlicher Service, gute Beratung, leckerer Sub: Ich war sehr zufrieden.


es ist kompliziert.

Was vielfach als Beschreibung einer semioptimalen Beziehung herhalten muss, fasst auch in vielerlei Hinsicht das Leben auf einer Insel in Worte; das Leben auf Norderney.

Die Kompliziertheit des Insulanerdaseins, sie fängt für die Norderneyer schon mit der Geburt an: Es gibt keine Geburtenstation auf Norderney. Ich persönlich schätze meinen Gemütszustand kurz vor der Geburt so ein, dass eine Fährfahrt das Letzte sein dürfte, auf das ich Lust hätte. Aber – wat mutt, dat mutt – und so haben Norderneyer Familien wahrscheinlich mehr spannende Geburtsgeschichten zu erzählen, als die meisten Festlandfamilien.
Immerhin: Seit Januar gibt es auf Norderney mit Julia Gotschlich wieder eine Hebamme, die Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse gibt und werdenden Eltern bei Fragen oder Problemen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Kompliziert geht’s weiter: Schiel-Probleme, schlechte Sehkraft; bunte Pflaster oder Brillen bekommt nur, wer vorab auf die Fähre steigt. An sich ist die Ärzteversorgung auf Norderney zwar vergleichsweise gut, Augenärzte z.B. gibt es aber nur auf der anderen Seite des Wassers.

Auch für den Führerschein müssen Insulaner erst aufs Boot. Klingt zwar zunächst umständlich und nervig, letztlich würde ich aber auch niemandem im Straßenverkehr begegnen wollen, der mit Abschluss der Fahrprüfung als Höchstgeschwindigkeit 50 km/h verzeichnen kann, noch nie an einer Ampel gestanden und lediglich drei verschiedene Straßen befahren hat.
Die Lernerei an sich scheint mit viel Fahrerei verbunden zu sein: Wer einen höheren Schulabschluss anstrebt, muss die Insel verlassen – nach der 10. Klasse ist auf Norderney Schluss, danach geht es entweder pendelnderweise aufs Gymnasium oder direkt aufs Internat. Wenn ich überlege, wie früh aufgestanden werden muss, um pünktlich zur ersten Stunde auf dem Festland zu sein – ich würde nicht hingehen.

Weiter geht’s mit Sport: Wer auf Norderney beispielsweise in einer Fußballmannschaft spielt, kann für ein Auswärtsspiel natürlich nicht nur bis ans andere Ende der Insel fahren und dort auf den Gegner treffen. Auch hier steht jedes Mal erst eine Fährfahrt an, ein Spieltag kann also gerne mal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Auch Sportbegeisterten, die auf Langstrecke trainieren, legt das Inselleben Steine in den Weg. Eine 180 km lange Radstrecke beispielsweise wird nun einmal nicht zwingend spannender, wenn man alle 10 Kilometer umkehren muss und immer wieder das Gleiche sieht. Immerhin bietet die Insel ausreichend Wind, was einen zusätzlichen Trainingseffekt verspricht.

Die Pubertät samt Folge-Teenagerjahren stelle ich mir am schwierigsten vor: Du willst Mädels kennenlernen, kennst sie aber schon alle – immerhin wart ihr schon gemeinsam in der Krabbelgruppe. Auch Tinder dürfte nicht die größte Hilfe sein – sobald der Radius auf über 10 km gestellt und ein potentieller Partner gefunden wird, muss ständig die Fahrt mit der Fähre bezahlt werden. Umgekehrt müsste der Festland-Partner hier sogar immer noch für die Kurtaxe aufkommen: Eine Beziehung, die an die Substanz, ins Geld geht. Für die meisten Insel-Jugendlichen dürfte deshalb gelten: Auf den Sommer warten, wenn zahlreiche feierwütige Inselgäste und Saisonarbeiter auf die Insel strömen. „Fährenweise Frischfleisch“ empfinde ich als schönen Titel für dieses Sommer-Phänomen. Auch der Disko-Besuch gestaltet sich schwierig, wenn alle Locations, in denen die eigenen Eltern oder Menschen aus der Generation der Eltern feiern gehen, ausgeklammert werden.

Was ich oft vergesse: Es müssen nicht nur alle Touristen irgendwie hier auf die Insel kommen, sondern eben einfach alles, was man für den täglichen (oder lebenslänglichen) Gebrauch benötigt. Außer Meer und Sand ist auf einer Insel nicht viel vorhanden. Alles, was in den Regalen steht, im Restaurant serviert wird, alle Möbel, Geschirre, Tiere – was auch immer: Es muss erstmal auf ein Schiff und rübergefahren werden.

Touristen, Zugezogene und mich tangieren diese Probleme natürlich kaum. Das Einzige, was mir hier das Leben schwer macht? Der Sand. Ich kann saugen und fegen, so viel ich will; irgendwo in der Wohnung liegt immer Sand.

Auch wenn das Leben auf einer Insel oft etwas komplizierter ist: Mit dem Strand, der Nordsee und den Wellen direkt vor der Haustür dürfte sich jeder Insulaner oder Zugezogener sagen: Das ist es wert.

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’n guten!

73069817_547916506008935_2059932878564753408_nLeuchtturm Café
Cafés und Restaurants, für die ich zumindest ein Weilchen auf dem Rad sitzen muss, sind mir prinzipiell schon ein Stück weit sympathisch. Eine großzügige Portion Sahne schmeckt doch etwas besser, wenn man dafür nicht nur aus der Haustür fallen muss. Von der Terrasse des Leuchtturm Cafés hat man direkten Blick auf (ihr ahnt es schon) den Leuchtturm, der zwar leider seit meiner Ankunft wegen Bauarbeiten geschlossen ist, aber dennoch einen schöneren Ausblick bietet, als würde man einfach auf eine Hauswand schauen. Draußen sitzt man auf jeden Fall sehr gemütlich; die Einrichtung des Cafés ruft nicht unbedingt meinen Namen. Im Café ist Selbstbedienung angesagt, was man vor allem aus Großstädten vermehrt kennt. Ich finde das zwar völlig in Ordnung, bin aber doch eher Fan von klassischem Service. Im Sommer mit der angeschlossenen Düne13 im Erdgeschoss auf jeden Fall eine super Adresse.

Zweite Heimat NorderneyZweite Heimat
Im Restaurant Zweite Heimat wäre ich ohne das Internet wahrscheinlich nie gelandet; irgendwie liegt es einfach immer eher auf dem Weg als in der Nähe eines Ziels – und Haus und Schild sind mir im Vorbeifahren nie direkt ins Auge gesprungen. Gut also, dass mir bei der Restaurantsuche bei Google vielversprechende Fotos vom Essen angezeigt wurden. Das Restaurant ist gemütlich, aber nicht mit Deko überladen bzw. zu urig eingerichtet – sondern genau so, dass man sich dort wohlfühlen kann; der Service trägt ebenfalls dazu bei. Das Essen ist superlecker und: Kommt in riesigen Portionen daher. Ich kann viel essen und habe meinen Stolz; dennoch habe ich für künftige Besuche schon einmal angefragt, ob man auch kleinere Portionen bestellen kann: Man kann!

Restaurant am Flugplatz
Klar könnte ich meine Blogeinträge auch im Büro schreiben und ja, ein Laptop lässt sich auch hervorragend in Jogginghosen vom Bett aus bedienen, aber: Meistens will ich raus und in ein Café, damit ich mich gezwungen sehe, mir wenigstens einmal täglich die Haare zu kämmen. Das Restaurant am Flugplatz wurde mir empfohlen, da man – während man den den Fliegern beim Landen und Starten zusieht – den wohl besten Milchreis der Insel essen kann. Ich entscheide mich dennoch für eine Kartoffelsuppe mit Krabben, die ziemlich lecker ist, und beginne, am Laptop zu arbeiten. Zu meinem Unglück fängt es nach einer Weile an zu regnen – und da sich Technik selten über Wasserbegegnungen freut, muss ich leider doch noch einen Kinderteller Milchreis und Milchkaffee bestellen. Der Milchreis ist lecker, dennoch würde ich mich mit der Auszeichnung „Bester Milchreis der Insel“ noch zurückhalten.  Dafür überzeugt der Milchkaffee aber auf ganzer Linie: löffelfester Milchschaum; damit bekommt man mich!

IMG_20191027_141827Restaurant zur Mühle
Da ich noch einen Inselticket-Gutschein für Windbeutel im Restaurant zur Mühle hatte und ich tatsächlich keine Ahnung hatte, was ich mir unter den Windbeuteln nach Mühlenart vorzustellen habe, startete ich letzte Woche meinen zweiten Versuch, diesen einzulösen. Beim ersten Mal entschieden wir uns letztlich für ein anderes Café, weil die Bedienung auf die Frage hin, ob wir auch draußen sitzen dürfen, ziemlich unfreundlich reagierte. Ich weiß, wie stressig der Gastro-Job hin und wieder sein kann; vielleicht waren wir auch die 23498324. Gäste, die sich an diesem Tag danach erkundigt hatten; dennoch ist und bleibt für mich Freundlichkeit Hauptkritikpunkt. Lieber warte ich bei freundlichem Personal zehn Minuten länger auf mein Essen, als mein Essen so schnell wie möglich ohne ein Lächeln serviert zu bekommen. Auch bei meinem zweiten Besuch hätte ich mir mehr Herzlichkeit gewünscht; die Windbeutel waren aber schön angerichtet und wurden schnell zum Tisch gebracht. Das Lokal ist von außen natürlich unschlagbar; ein Restaurant in einer Mühle eine wirklich gute Idee.

Goode WindGoode Wind
Das Goode Wind in der Gartenstraße ist vor allem für großartige Cocktails bekannt. Dazu kann ich kein Urteil abgeben: Ich hatte Bierdurst.
In der Inselkneipe ist es gemütlich; eine Atmosphäre, die dazu einlädt, etwas länger dort zu verweilen – und mehr zu trinken. Das Bier schmeckt, die Männer und Frauen hinter der Bar sind super freundlich und selbst die hausgemachten Shots, von denen ich eigentlich aus Gründen die Finger lasse, sind super lecker; „Apfelstrudel“, wenn ich mich recht erinnere.



Café Hygge
Im Café Hygge direkt am Fährhafen habe ich tatsächlich nur einen Milchkaffee getrunken bis meine Eltern abgereist sind, also kann ich (noch) nicht besonders viel dazu sagen. Es war ziemlich viel los, wie es wahrscheinlich meist zur Abreisezeit der Fall ist. Wir konnten dennoch einen Platz ergattern. Die Kuchen sahen echt gut aus, der Milchkaffee war außerordentlich gut; kostet aber auch einen Schein. Da im Café Hygge Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird und man einen schönen letzten (oder ersten) Blick aufs Meer genießen kann, ist der Preis (meine ich) gerechtfertigt.



De Vries
Auch im De Vries gab es nur Flüssignahrung für mich, bis es wieder aufhörte zu regnen. Das Restaurant direkt am Strand ist gemütlich eingerichtet und ich freue mich, dort einmal mehr Zeit zu verbringen, wenn die Insel (und das Restaurant) gen Winter leerer wird. So war es doch etwas voll und laut.


Atelier Art & Bar
Die Bar im Foyer des Kurtheaters ist nicht nur vor oder nach Kino- und Theaterbesuchen eine gute Idee, sondern immer der perfekte Ort, wenn man in richtig schöner, stilvoller, gemütlicher Umgebung entspannt einen bis viele Drinks zu sich nehmen möchte.


Wo ich bald Stammkunde sein dürfte:
Im Riffkieker kennt man mich mittlerweile, gleiches gilt für die Weisse Düne. Auch im Café Friedrich probiere ich mich nach und nach durch die Speisekarte – es ist einfach immer lecker.


Woche sechs

Spenden, Singen, Sport und Schlick

Blutspende NorderneyBlutspende
Ich habe zwar schon seit Jahren einen Organspendeausweis und bin seit kurzem auch als Rückenmarkspender eingetragen – Blut hatte ich allerdings noch nie gespendet. Somit gehörte ich am Mittwoch zur Gruppe der Erstspender, die in der Turnhalle der Grundschule (teils voller Angst) darauf wartete, angezapft zu werden. Gut, es war Feierabendzeit und deshalb vielleicht entsprechend viel los – oder aber die Norderneyer spenden einfach gern Blut. Auf jeden Fall mussten wir eine ganze Weile warten; schön, dass so viele bereit sind, Blut zu spenden. Den Wettstreit mit meiner Kollegin habe ich leider verloren: Ich brauchte mehr als eine Minute länger, bis der Blutbeutel gefüllt war.

Chor Norderney, Inselblogger NorderneyWeihnachtsprojekt der Starfish Singers
Ich habe schon seit einigen Wochen überlegt, ob ich nicht in einen Chor eintreten sollte; und hatte eigentlich beschlossen, zum Inselchor zu gehen, weil der am wenigsten anspruchsvoll sein soll (sorry an alle Inselchormitglieder). Ich war zwar früher lange in einem Chor, schon als Teenager aber nicht zwingend mit Talent gesegnet. Was von dem Mittel-Können nach 8 Jahren noch übrig ist, wollte ich nicht direkt bei der Kantorei herausfinden.
Durch eine Freundin erfuhr ich dann, dass die Starfish Singers für das Weihnachtsprojekt „Christmas with Friends“ noch zusätzliche Sänger suchen. Weihnachtslieder? Ich bin dabei! Ich verstehe die Aufregung nie, wenn schon im September Weihnachtssüßigkeiten in den Supermärkten ausliegen. Spekulatius, Lebkuchen, gebrannte Mandeln und Weihnachtslieder – gehen ganzjährig, finde ich.
Am Mittwoch bin ich dann zur ersten Probe gegangen und: Es hat echt Spaß gemacht – und die Weihnachtskonzerte werden bestimmt schön (wenn man mir kein Mikro gibt).

Tus Norderney, Sportverein Norderney, Inselblogger NorderneyTuS Norderney e.V. 
Beim Zumba und Bodyforming war ich vor Wochen schon einmal, jetzt bin ich auch ganz offiziell Mitglied im TuS Norderney e.V. und habe mir fest vorgenommen, in den nächsten 10,5 Monaten nie wieder krank zu werden, damit ich bei meinem selbstauferlegten Sportprogramm nicht ausfalle.
„Ein Verein für alle“ ist Motto des TuS und das merkt man bei den Kursen auch – klar, zum Zumba oder Bodyforming hat sich noch kein Mann getraut, aber beim Zirkeltraining waren von – puh, wie alt sind Menschen, die mir so bis zur Mitte vom Oberarm gehen? – sagen wir 12 bis 40 Jahren alle Altersgruppen und Geschlechter vertreten.
Meine bisher getesteten Kurse haben auf jeden Fall super viel Spaß gemacht und helfen mir dabei, die doch recht überschaubaren Fahrradstrecken und die vielen Kuchen zu kompensieren.
Der TuS hat Tradition auf Norderney: Seit über 70 Jahren besteht der Verein und zählt weit über 1.000 Mitglieder. Von Ballsportarten über Leichtathletik, Tanzen, Acro-Yoga hin zu Gymnastik und Spinning-Kursen: Auf den zahlreichen Trainingsflächen des Sportsvereins wird täglich mehrmals trainiert und bei dem Angebot sollte für wirklich jeden etwas dabei sein. Ich will auf jeden Fall noch mehr Sportkurse ausprobieren und freue mich schon jetzt auf den Belohnungs-Milchreis.

Watt, Inselblogger, NorderneyWattführung „Watt intensiv“
Am Donnerstag stand eine Wattwanderung an und: Das Wetter meinte es gut mit uns. Entsprechend groß war die Gruppe dann auch. Ich hatte vorab etwas Sorge, dass ich den Treffpunkt am Alten Postweg nicht direkt finden könnte – als ich die Gummistiefelfraktion von etwa 20 Leuten versammelt an den Holzbänken nahe Campingplatz „Um Ost“ sah, wusste ich aber: So falsch kann ich nicht sein.
Unsere Wattführerin Berit vom Watt Welten UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum erklärt – bevor es ins Watt geht – worauf in den nächsten Stunden zu achten ist, welche Schutzzonen es im Nationalpark gibt und verrät uns ihren Geheimtipp: Im Watt geht man am besten ein bisschen wie eine schlurfende Ente. Als wir dann die ersten Meter durchs Watt schlittern, bin ich froh, dass sich Gummistiefel der Körpergröße anpassen und ich so besser geschützt bin als die Kinder. Auf dem Weg durchs Watt halten wir immer wieder an, um Neues über den einzigartigen Lebensraum Wattenmeer, wie zB die Kriterien eines Weltnaturerbes, zu erfahren oder weitere Meeresbewohner kennenzulernen. Das Watt mit allen Sinnen begreifen – ich dachte, dass das nur so dahingesagt ist. Tatsächlich wühlen wir aber alle irgendwann mit den Händen im Watt, erfühlen den Boden, sehen die verschiedenen Tiere, hören das Meer, riechen die Natur – und manche schmecken sogar das Watt, indem sie versuchen, an Zunge und Gaumen zu erfühlen, ob der Silt noch körnig ist oder eher eine Puddingkonsistenz hat. Ich habe noch Essen daheim im Kühlschrank und schließe mich dieser Gruppe nicht an.
Wattenmeer, InselbloggerBerit gelingt, die Tour trotz vieler Informationen nicht trocken oder langweilig werden zu lassen; sie gestaltet die Wattführung auch für die Kleinen interessant.
2,5 Stunden dauert die Watt-Intensiv-Führung, 8€ kostet sie für Erwachsene. Andere Führungen weichen davon ab. 
Definitiv zu empfehlen für alle, die mehr über dieses ganz besondere Stück Natur und seine Artenvielfalt erfahren wollen – oder eben für alle, die Urlaub auf Norderney machen und dieses ursprüngliche Stück Natur genießen.
In der kalten Jahreszeit finden Wattführungen in der Surferbucht statt.


kurzurlaub auf norderney

IMG_20191020_102801Sonntagmorgen, 10.30 Uhr. Ich bin ausgeschlafen, habe gefrühstückt und sitze auf dem Rad Richtung Meer. Die Farbe Grau zeigt sich am Himmel in all ihren Facetten. Ein grauer Herbsttag, an dem man entweder dick einpackt einen langen Spaziergang mit einer Thermoskanne voll heißem Tee macht – oder die Bedeutung des Wortes „Entspannung“ im Spa des Insellofts neu begreift. 

Ich entscheide mich für die zweite Option und halte am Inselloft im Damenpfad, nur ein Stück weit von der grauen Nordsee entfernt.
Das Konzepthotel besteht aus vier ehemaligen Kaufmannshäusern, die mit einer einladenden Veranda verbunden sind. Die Holzveranda im Erdgeschoss führt nicht nur zur Rezeption, sondern auch zur hauseigenen Bäckerei, die bei Urlaubern und Insulanern gleichermaßen beliebt ist, ins Restaurant „Esszimmer“, ins Wein&Deli, in den Spa-Bereich und zum Designshop1837.

Gabi Steinhöfel, Managerin des Spa-Bereichs, empfängt mich und weiht mich direkt in ein großes Geheimnis ein (so fühlt es sich zumindest an – auch, wenn jeder Gast der Häuser Bescheid wissen dürfte): Zwei Hotels der Brune&Company sind unterirdisch miteinander verbunden. Gäste vom Seesteg Hotel oder dem Hotel am Meer können also ganz gemütlich im Bademantel zu einer Massage in die Räume des Spa-Bereichs kommen; ganz ohne Schietwetter, ganz ohne lästiges Umziehen und Tasche packen.

IMG_20191020_110901Gabi zeigt mir nicht nur die Verbindung zwischen den Häusern, sondern gibt mir auch einen groben Überblick über die drei Hotels. Jedes Hotel ist verschieden eingerichtet – aber immer stilvoll und mit einer Menge Wohlfühlcharakter; der klassische Hotelcharakter tritt in den Hintergrund; vor allem im Inselloft ziehen sich Offenheit und Miteinander von der Rezeption bis ins „Esszimmer“, in dem alle Gäste an einer langen Tafel speisen, durch. Auf der Dachterrasse des Hotels Seesteg befinden sich ein Rooftop-Pool und zwei Thalasso-Badewannen – Bahnen ziehen und entspannen mit Blick aufs Meer – ich schätze, das ist dieses „Living The Good Life“, von dem immer alle reden.

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Aber he! ich bin für eine Behandlung im Spa hier; und so gehen wir über die Veranda zurück ins Inselloft. Vor Beginn der Anwendung wird mir erklärt, was mich erwartet: Die „Begegnung mit der Nordsee“ fällt im Inselloft zum Glück nicht stürmisch und kalt aus, sondern kommt mit einem reinigenden Meersalzpeeling und einer stoffwechselanregenden Meeresschlickpackung einher. Da Algen und Schlick meine Haut und nicht meinen Bikini mit wertvollen Spurenelementen versorgen sollen, gibt es einen Einmal-Slip für mich; ein Anblick, der besser unter Kundin und Spa-Mitarbeiterin bleibt. Sowohl bei den Schlickpackungen als auch bei allen anderen Produkten vertraut das Team vom Inselloft-Spa auf die Pflegeprodukte von La mer, die auf reichhaltige Meereskosmetik und Anti-Aging aus der Biotechnologie setzen. Die Produkte können auch direkt im angeschlossenen Spa-Shop erworben werden.

IMG_20191020_131449Gabi macht während der Anwendung das, was ich auch beim Zahnarzt mag: Sie sagt, was sie gerade macht. Mit ruhiger, entspannender Stimme erklärt sie mir außerdem, woraus die Schlickpackung besteht und welchen Effekt die jeweiligen Schritte auf die Haut haben. Nachdem ich gepeelt, in warmen Schlick und Folie gepackt wurde, kann ich mich entscheiden, ob ich in Ruhe entspannen oder in der Zwischenzeit eine Gesichtsbehandlung wahrnehmen möchte. Ich weiß nicht, wer sich jemals gegen zweiteres entscheiden würde: Das ist, wie beim Frisör die Haare gewaschen zu bekommen – großartig. Während mein Körper also in Schlick gepackt ist, erhält mein Gesicht ein sanftes Meerespeeling und eine Massage mit Korallen-Creme-Maske.
Nach etwa 15-20 Minuten kann ich den Schlick abduschen – und bin bereit für eine Ganzkörper-Massage. Ich mag keine sanften Massagen; diese ist genau richtig. Mit jeder gelösten Verspannung werden meine Augen etwas schwerer, am Ende döse ich leicht auf der Massageliege ein.

saunaNach der Massage kann ich den Sauna- und Relaxbereich nutzen. Bademantel und Puschen liegen für mich bereit, im gesamten Bereich sind Kerzen entzündet, es herrscht wieder eine heimelige Wohlfühl-Atmosphäre, ein bisschen wie Zuhause sein – nur schöner und exklusiver. Wer jetzt hofft, die Sauna des Insellofts nutzen zu können, wenn im Dezember das Badehaus geschlossen hat, den muss ich enttäuschen: Die Sauna steht lediglich Gästen des Hauses zur Verfügung.

Ich war nie ein Fan von Saunen. Das hat sich mit meiner Ankunft auf Norderney geändert; vielleicht, weil es in den bevorstehenden, grauen Monaten die schönere Alternative zu nassgeregneten Klamotten oder Netflix-Tagen sein wird. In der Finnischen Sauna schwitzt man mit Blick auf viel Grün und die Marienhöhe.

Zwischen den Saunagängen mache ich es mir mit Tee und Wasser aus der Getränkebar und Keksen mit Suchtfaktor aus der Bäckerei im Ruhebereich gemütlich. Ich blättere in den ausliegenden Zeitungen, genieße die Stille und vergesse ein wenig, dass erst Mittag ist. Ich bin etwas müde, durch und durch wohlig-warm, entspannt und könnte den Tag für beendet erklären: Er ist schon jetzt vollkommen. 

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„Hallo und Tschüss“

Ganz so schnell war das Gespräch mit Windsurflegende Bernd Flessner zum Glück nicht vorbei. Aber bei Tee, Kaffee und Erbsensuppe auf der Terrasse vom Surfcafé erzählt Bernd mir, dass das Leben als Profisportler von Abschieden geprägt ist; man häufig schon wieder aufbricht, obwohl man gerade erst angekommen ist – und wieso er immer wieder in seine Heimat, nach Norderney, zurückkehrt.

Wasser, Wind und Wellen – Windsurfen steht wie kaum eine andere Sportart für Freiheit und den Kampf mit den Naturgewalten.
1976, mit gerade mal 7 Jahren, hat Bernd das erste Mal auf dem Board gestanden – von diesem Moment an hat ihn der Extremsport gepackt: 1990 der erste World Cup Sieg,  von 1995 bis 2011 ist er durchgehend Deutscher Meister in der Gesamtwertung, er wird dreimal Weltmeister, surfte in 4 Stunden von Norderney bis Sylt, war 12 Jahre unter den Top Ten der PBA– und der PWA-Weltrangliste und ist zusammengerechnet mit Sicherheit mehrmals um die Welt gesurft: Bernd Flessner, gebürtiger Norderneyer, ist nach wie vor der erfolgreichste deutsche Windsurfer.

Erst 1967 glitt der erste Windsurfer in den USA übers Wasser, in Deutschland sogar erst 1972 – damit gehört Bernd zur ersten Generation der Windsurfer und erlebte die goldenen Jahre des Sports. Ein absolutes Hoch hatte das Windsurfen in den 90ern – im Vergleich zu heute gab es bei Wettkämpfen mehr und bessere Konkurrenz. Auch deshalb, weil die Sportler sich dank vieler Sponsoren einzig und allein auf den Sport konzentrieren konnten. Konnten damals noch etwa 40 Surfer vom Sport leben, finanzieren sich heute gerade mal 7-8 Sportler nur durchs Surfen.

Erbsensuppe (2)

Essen für Weltmeister – Erbsensuppe im Surfcafé

Die schönsten Orte der Welt, die weitesten Strände, großartige Partys, schöne Frauen: Viele Klischees, die dem Surfsport anhaften, sind wahr. Bernd ist dankbar für die Erlebnisse, Reisen und Chancen, die ihm der Sport geboten hat; er sagt aber auch, dass ihm die Profikarriere viel abverlangte, viel Kraft gekostet hat. Täglich mehrfach trainieren, Reisen selber planen, Gepäcktransporte von bis zu 450 kg rund um die Welt organisieren: Bernd ist der Meinung, dass jeder Profisportler die Frage, ob die Karriere genau so nochmals angestrebt werden würde, verneinen würde. Dafür fließe zu viel Investition, Verzicht und Anstrengung in den Sport, zu viel anderes im Leben würde vernachlässigt werden. Dass die eigenen Ansprüche, aber auch die Erwartungshaltung von außen, mental müde machen, merke man oft erst am Ende einer Karriere, wenn man nicht mehr nur besessen ist von dem Gedanken, wieder aufs Wasser zu kommen.

Im Herbst 2013 beendete Bernd seine Karriere nach 25 Jahren als Profi; auf dem Brett steht er aber nach wie vor; mittlerweile seit 43 Jahren. Jetzt genießt er es, völlig ohne Druck aufs Wasser zu gehen; hat wieder Spaß an dem Sport gefunden. Während Windsurfen früher Passion, Besessenheit und Lebenseinstellung für Bernd war, er unentwegt Wind- und Wasserbedingungen checkte und fehlender Wind für schlechte Stimmung sorgte, geht er jetzt auch bei perfekten Bedingungen mal nicht aufs Wasser; er hat als Markenbotschafter aber auch ohnehin zu viel um die Ohren, als dass er jede gute Welle mitnehmen könnte.

Obwohl Bernd schon weltweit gesurft ist, gehören neben Kapstadt und dem Silver Sands Beach auf Barbados der Januskopf und die Weisse Düne zu seinen Lieblingssurfspots. Und während viele seine Kollegen mittlerweile nach Hawaii oder Kapstadt gezogen sind, kommt „Flessi“ immer wieder zurück nach Norderney. Auch hier ist er – wie an allen anderen Orten – selten länger als zwei Wochen am Stück. Die einzig lange zusammenhängende Zeit im Jahr, die er an einem Ort verbringt, sind 6 Wochen im Sommer auf Kos, in denen er als Windsurflehrer Kurse bei ROBINSON gibt.

Die Winter auf Norderney findet Bernd hart. Kälte, Wind und Nässe seien nicht das Problem; sondern die anhaltende Dunkelheit. 25 Jahre lang ist er deshalb der kalten Jahreszeit entflohen und überwinterte in Kapstadt. Trotzdem zog es ihn immer wieder nach Norderney zurück. Wieso genau, das kann er gar nicht so genau sagen. Wie es so oft mit der eigenen Heimat ist, betrachtet er vieles auf der Insel kritisch, findet Norderney häufig zu klein, zu unbelebt, zu eng. Aber er weiß auch, dass die Natur, das Meer, der Strand, dass das alles wunderschön ist. Und letztlich ist es eben Heimat, sein Zuhause. Da kehrt man einfach immer wieder hin zurück und denkt gar nicht so sehr über das ‚Warum‘ nach.


ordnung muss sein

74231848_391134271774778_2528125846162505728_nTheoretisch gibt es für mich aktuell keine Wochentage mehr – die Läden haben jeden Tag geöffnet und sowas wie Alltag findet bei mir auch nicht statt – dennoch hege ich eine Aversion gegen Montage.
Während ich den Sonntag noch völlig entspannt im Spa des Insellofts verbrachte, klingelte mich am Montag um 6 Uhr der Wecker aus dem Bett. Ich muss sagen: Ich fühle mich vielleicht noch nicht heimisch auf Norderney; daran, selten Termine vor 10 Uhr zu haben, habe ich mich aber schon gewöhnt. Wenn ich an anderen Tagen um 6 aufwache, lache ich kurz und drehe mich noch einmal um, gefühlt bin ich das letzte Mal um diese Uhrzeit aufgestanden, als ich noch nicht wusste, wie man die erste Stunde schwänzt. Ich zwinge mich trotzdem – dick eingepackt – nach draußen; auch, weil ich wissen will, wie die Welt eigentlich aussieht, so um vor 7. Sie ist dunkel und verregnet; zumindest auf Norderney.

Was mich so früh aus den Federn treibt? Ich will bei der Strandreinigung der Technischen Dienste Norderney mitfahren, immerhin finde auch ich saubere Strände nicht verkehrt. Damit schon die ersten Morgenspaziergänger einen sauberen Strand vorfinden, wird mit der Reinigung noch vor Sonnenaufgang begonnen.

Strandreinigung Norderney, Technische Dienste Norderney

Wie Sie sehen, sehen Sie nicht viel

Am Bauhof treffe ich auf Klaus, der mich heute im Trecker mitnehmen wird. Große Trecker fahren – das entschädigt schon ein bisschen fürs frühe Aufstehen.
Klaus ist gebürtiger Norderneyer und fährt schon seit 2006 morgens mit der Strandreinigungsmaschine raus; sonst kümmert er sich als Gerätewart um die Wartung der Gerätschaften der Feuerwehr.

Wir fahren los Richtung FKK-Strand – die Straßen sind leer, es ist stockdunkel und regnet. Man sieht nicht viel – das liegt nicht nur an den Sichtbedingungen, sondern auch daran, dass heute nicht besonders viel am Strand liegt. Je nach Windrichtung wird mehr oder weniger Seegras an den Strand gespült, heute Nacht stand der Wind günstig für die Strandreinigung. Das zum Beispiel wusste ich vorher gar nicht: Die Strandreinigung ist vor allem für die Beseitigung von Seegras im Einsatz und nicht in erster Linie für Müll. Liegt einmal grober Müll herum, der von der Maschine nicht aufgesammelt werden kann, ohne dass sie dabei Schaden nimmt, gibt Klaus Kollegen Bescheid, die den Müll dann mit dem Unimog abholen. Gereinigt werden im Auftrag der Kurverwaltung auch „nur“ die Badestrände von Weststrand bis FKK-Strand. Für den Inselosten ist die Küstenwache zuständig.

 

Strandreinigung Norderney

Plastikmüll – auch für dicke Maschinen kein Spaß

Von Ostern bis Oktober fahren die Männer von den Technischen Diensten Norderney jeden Tag raus um den Strand zu reinigen; im Winter etwas seltener und abhängig von den Wetterbedingungen.

Mit 5-7 km/h fahren wir über den Strand – ich bin etwas enttäuscht: Da hat man schon so einen großen Trecker und fährt doch kaum schneller, als Oma Annegret spazieren geht. Aber gut – mühsam nährt sich das Eichhörnchen – und hat am Ende dann doch etwa 1,5 Tonnen Strandräumgut gesammelt. Zweimal müssen wir Richtung Hafen fahren, um unsere Ladung abzukippen. Aus dem Strandräumgut werden Sand und Müll herausgesiebt, das übriggebliebene Seegras verrottet dann irgendwann. Insgesamt sind wir etwa zwei Stunden unterwegs, im Sommer ist Klaus meist etwas länger, von 6 bis halb zehn, mit der Strandreinigung beschäftigt. Vor 2006 wurde der Strand noch per Hand gereinigt, das Einsetzen der Maschine bedeutet also ein ziemliches Einsparen an Arbeitsstunden.

 

74391850_668086523715757_4062884417423540224_nWenn keine 25-Jährige neben einem sitzt und sich stundenlang unterhalten will, stelle ich mir den Job schön vor. Morgens gehört der Strand dir allein, jeder Sonnenuntergang wird miterlebt; es ist still und friedlich. Ich überlege fast, auch noch schnell einen Treckerführerschein zu machen, aber: Auf Norderney gibt es keine Fahrschule. Im Gespräch mit Klaus lerne ich nicht nur viel über die Strandreinigung, sondern erfahre auch mehr über das Leben auf einer Insel – ob Fahrschule, Möbelkauf oder Arztbesuch – hier funktioniert eben doch vieles etwas anders.

Zurück am Bauhof schwinge ich mich schnell aufs Fahrrad, bevor es ans Säubern der Maschine geht – Putzen ist und bleibt eben Männersache.


mahlzeit

Meine Eltern waren für eine Woche zu Besuch: Super.
Nicht nur, weil ich die beiden mag, sondern weil sie ihr Töchterchen gern versorgt wissen (und ich satt viel freundlicher bin).

Schmuggler Norderney, Restaurant Norderney, Inselblogger Schmuggler
Der Schmuggler in der Nordhelmsiedlung: Rustikale Einrichtung, uriges Ambiente und gutbürgerliche Küche. Obwohl das Restaurant etwas außerhalb liegt, war auch hier so viel los, dass wir uns an einen Tisch im Außenbereich setzten. Angesichts der umfangreichen Karte brauchte ich einige Momente, um mich entscheiden zu können. Der Lachs mit Spinat und Kartoffeln war aber definitiv eine gute Entscheidung – auch wenn ich als bekennender Viel-Pfefferer-und-Salzer mehr Würze hätte vertragen können. Der Service? Freundlich und schnell.

Meine Meierei Norderney, Inselblogger NorderneyMeine Meierei
Die Meierei, direkt neben der Reitschule Junkmann, bietet ein überschaubares, aber überzeugendes Angebot. Das Restaurant ist richtig, richtig schön und gemütlich eingerichtet; ein Ort zum Wohlfühlen. Obwohl viel los war, wurde es durch die Raumaufteilung nicht zu laut. Das Essen war lecker, das hauseigene Bier auch. Nach dem Motto „Ein Apfel am Tag macht uns stark“ darf sich jeder Gast einen kostenlosen Apfel mitnehmen – von einer Apfelplantage aus Dornum. Da auch die süßen Posten auf der Karte super klingen, werde ich bestimmt noch einmal für Kaffee und Kuchen wiederkommen.

Düne 13, Restaurant Norderney, Inselblogger NorderneDüne 13 
Nach über 5 Stunden im Nationalpark Wattenmeer bin ich vor allem eins: hungrig.  Auf dem Rückweg vom Ostheller Parkplatz hielten wir deshalb schon auf Höhe des Leuchtturms an. Meine Eltern waren zwei Tage zuvor schon im Café Leuchtturm, also setzten wir uns eine Etage tiefer in die Düne 13; Grill, Café und Biergarten in einem. Essen und Getränke wurden superfix gebracht – wären wir in dem Tempo durch den Nationalpark gewandert, hätte ich die Currywurst schon zum Mittagessen haben können. Das Essen wirklich lecker, im Vergleich zu anderen Biergärten eine großzügige Salatbeilage, die Mayo in einer essbaren Schale serviert, der Koch super freundlich und irgendwie auf Seebären-Art süß: Eine runde Sache.

Michelangelo Norderney ,Pizza Norderney, InselbloggerMichelangelo
Vom Innenraum des Michelangelos führte eine Warteschlange bis auf den Herrenpfad hinaus, obwohl das italienische Restaurant noch nicht einmal 45 Minuten geöffnet hatte. Mama und ich wollten aufgeben und weiterziehen, Papa hatte mehr Biss und reihte sich ein. Nach einer Weile konnten wir uns setzen – und ab da ging es fix: Obwohl das Restaurant voll besetzt war und dauerhaft weitere Gäste im Wartebereich standen, wurden Getränke und Essen schnell an den Tisch gebracht, die Kellner waren sehr aufmerksam und gut organisiert. Die Pizza war echt lecker, einziger Kritikpunkt ist die Lautstärke, die bei derart vielen Besuchern natürlich nicht ausbleiben kann.


„Bekanntmachung!“

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerFußgängerzone Norderney: Der Klang einer Glocke hallt durch die Straßen, von weitem sieht man erst den royalblauen Umhang, dann die rote Mütze mit dem Aufdruck „Ausrufer“, geziert von unzähligen Ansteckern aus aller Welt, das blau-weiß-gestreifte Fischerhemd und schließlich das wohl meistfotografierte Gesicht Norderneys – jeder, der einmal nach Norderney kommt, lernt ihn kennen: Bernd Krüger, den Ausrufer der Nordseeinsel.

Während ich in menschenleerer Natur glücklich und zufrieden bin, empfinde ich Fußgängerzonen und Städte als äußerst geeignete Orte für etwas Miesepetrigkeit und passive Aggressivität.
Damit habe ich mich für den Beruf des Ausrufers bereits disqualifiziert – zumindest geht Bernd seiner Tätigkeit in den Straßen Norderneys voller Begeisterung nach und hat für jeden Passanten ein offenes Ohr, ein Lächeln, freundliche Worte und für die Kleinen meist eine Tüte Gummibärchen.

Der Beruf des Ausrufers hat eine lange Tradition – und eigentlich gibt es ihn heute kaum noch. Früher verkündeten Ausrufer in jeder Stadt an festgelegten Punkten wichtige Bekanntmachungen – und die Einwohner versammelten sich dazu. Mit der Zunahme an Informationsquellen, Zeitung, Radio und Social Media, ging die Zahl der Ausrufer stetig zurück: Wer geht schon noch zu einer festen Zeit in die Stadt, um Dinge zu erfahren, wenn die Zeitung ganz bequem vom Sofa aus gelesen werden kann?

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerNorderney – allen voran Kurdirektor Loth – wollte zurück zu dieser Tradition – und deshalb gibt es mit Bernd seit 2008 wieder einen Ausrufer auf der Insel, der Stadtführungen macht, Gästen Rede und Antwort steht und Norderney auch auf Messen vertritt. Auch andere Orte halten an der Tradition des Ausrufers fest – die Deutsche Ausrufergilde trifft sich einmal jährlich und veranstaltet alle drei Jahre die Deutsche Ausrufermeisterschaft.

Auch wenn Bernd Krüger Norderney wie seine Westentasche kennt: Ur-Norderneyer bzw. Insulaner ist er nicht. Dennoch zog es den gebürtigen Hamelner schon als Kind immer wieder nach Norderney – nicht für einen entspannten Urlaub, sondern zur Kur.  1964, mit 15 Jahren, zog Bernd dann auf die Nordseeinsel, begann eine kaufmännische Lehre und arbeitete bis 2008 im Bürgeramt. Als ihm bei Renteneintritt der Ausrufer-Job angeboten wurde, musste Bernd keine Sekunde überlegen – er sagte direkt zu.

Ausrufer Bernd Krüger, Norderney, InselbloggerSeit elf Jahren ist Bernd jetzt als Ausrufer auf Norderney unterwegs, jeweils von Ostern bis zum Ende der Herbstferien – und er liebt seinen Job, die Begegnungen mit Reisenden und die vielen interessanten Gespräche.
Doch auch während der freien Wintermonate wird Bernd nicht langweilig: Erst muss sein Garten winterfest gemacht und die über 80 Gartenzwerge ins Warme gebracht werden und dann stehen nicht nur Urlaube, sondern auch zahlreiche Termine als Nikolaus und Weihnachtsmann auf dem Plan.
Zwei Urlaubsziele haben sich bei Bernd bewährt: das portugiesische Blumen- und Wanderparadies Madeira und Mittenwald in Oberbayern. Vielleicht, weil diese Orte das mitbringen, was Bernd auf Norderney hin und wieder vermisst: Wald und Berge, wie in seiner Heimat, dem Weserbergland.

Sein ganz persönliches Blumenparadies hat Bernd im eigenen Kleingarten geschaffen, der für Bernd vieles ist: Lieblingsplatz auf der Insel, Ruhepol und Ort, an dem er Freunde und Stammgäste, die zu Freunden geworden sind, empfängt. Heute zum Beispiel kommt ihn noch Familie Strunk aus Olfen im Kleingarten besuchen. Auch die Familien Metzger & Hesse aus Hameln oder Niese aus Bielefeld sind während ihrer Besuche gern bei ihm zu Gast.

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerBernd liebt das Leben auf Norderney: „Manchmal gehe ich ins Bett und frage mich: ‚War der Tag jetzt Traum oder Realität?‘, so ist Norderney für mich“. Fremd hat Bernd sich auf der Insel nie gefühlt, er wurde von Beginn an herzlich aufgenommen und hat schnell den „Zugezogenen“-Status abgelegt. Und auch der Winter macht ihm nichts aus: Zwar mag Bernd den Sommer lieber, er freut sich aber immer besonders auf eins in der kalten Jahreszeit: Grünkohl.

Am Ende unseres Gesprächs gibt es eine Einladung zum Kaffee im Kleingarten und eine Autogrammkarte für mich. Und tatsächlich kommen auch einige andere Urlauber vorbei, die Fotos von ihm machen oder Autogramme haben wollen – Ein echter Promi, hier auf Norderney.