events, woche eins

Im Strandkorb Weinschorle trinken, in der Sonne liegen und Schlammmasken aufs Gesicht auftragen – weit gefehlt! Auf Norderney gibt es viel zu viele Events, als dass man als Inselblogger nur auf der faulen Haut liegen könnte.

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Präsentation am Kurplatz

Norderneyer Jagdwoche

Die 60. Norderneyer Jagdwoche  im Rahmen der Beachside-Classics konnte mich gleich zu drei Programmpunkten locken: Samstagfrüh fand vor dem Conversationshaus die Präsentation der Kutschgespanne statt. Gut, ich kenne mich mit Kutschen nicht aus, aber selbst als Laie möchte ich behaupten: Die Kutschen waren nicht von schlechten Eltern. Viele Norderneyer kamen zur Veranstaltung, die guten Fotospots waren hart umkämpft. Der – nennen wir ihn Moderator – kündigte die verschiedenen Gespanne an und erzählte jeweils etwas zu den Pferden sowie der Geschichte und dem Stil der Kutschen.
Abgesehen von den beeindruckenden Kutschgespannen machte vor allem die charmante, unterhaltsame und informative Präsentation das Event zu einer runden Sache.

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Dieke & ich

Der Jubiläumsabend der Jagdwoche am gleichen Abend dürfte mich für mein anstehendes Jahr auf Norderney etwas sehr verwöhnt haben: Ich könnte mich ziemlich gut an ein allabendliches Buffet bei Kerzenschein und Live-Musik gewöhnen.

Das Highlight der Jagdwoche, die Hauptjagd, stand am nächsten Morgen an: Zu meiner Überraschung sahen die Teilnehmer trotz der Party am Abend zuvor ziemlich frisch aus.

Ich hatte als Kind zwei Ponys und habe einmal bei einem Dorffest die goldene Anstecknadel im Armbrustschießen gewonnen. Man könnte also sagen, dass wir sowas wie Kollegen sind, die Reiter und ich.
Da man bekanntlich nie auslernt, konnte ich auch neues Wissen zu meinen Jägerkenntnissen hinzufügen: Nur weil etwas „Jagd“ heißt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass auch Tiere gejagt und niedergestreckt werden. Stattdessen wurde bei der Jagd eine künstliche Fährte gelegt, der die Hunde und Pferde samt Reiter dann gefolgt sind. Die Veranstaltung war also deutlich friedlicher als erwartet – mit zahlreichen Sprüngen über Naturhindernisse und Streckenabschnitten am Strand dazu auch außergewöhnlich schön.



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Selbstgebastelte Plakate

Fridays For Future

Auch Norderneys Schüler engagieren sich – und am globalen Klimastreiktag (20.09) wurden sie bei der Fahrrad-Demo von Erwachsenen unterstützt. An verschiedenen Stationen holte der Fahrradkorso immer mehr Teilnehmer ab; Ziel war das Watt-Welten am Hafen, das einen Klima-Informationstag veranstaltete.  Bunte Schilder, Tröten, Fahrradklingeln und genügend Teilnehmer, um die Fahrradkette nicht nur lang, sondern auch laut zu machen: Für die Größe Norderneys mit Sicherheit eine zufriedenstellende Anzahl an Demonstranten; angesichts der Tatsache, dass Inseln vom Klimawandel besonders stark betroffen sein werden, hätten meiner Meinung nach noch deutlich mehr Leute auf Rädern unterwegs sein können.



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💪 💪 💪

Strandfitness

Für alle Inhaber der Norderney-Card gibt es während der Saison kostenfreie Fitness-Angebote am Strand. Das Angebot finde ich super – und wenigstens zu einem Kurs habe ich es geschafft. Klar, am Strand Sport zu machen, ist deutlich schöner als im Fitnessstudio in der Stadt. Das Durchschnittsalter der Gruppe habe ich deutlich gesenkt, entsprechend war auch das Programm nicht besonders fordernd. Andere Kurse sollen aber anspruchsvoller sein. Für dieses Jahr ist das Angebot erst einmal beendet, ich freue mich aber auf weitere Testläufe im nächsten Jahr.


auf zu neuen ufern.

Dorf, Kleinstadt, Großstadt, Ausland und jetzt: Norderney.

Eine Insel, über die ich mich erst nach Erhalt des Jobs schlau machte – zum Beispiel über die Größe (15×2,5 km) oder die Einwohnerzahl (6.232, Stand 12/2017).
Im Vergleich zu meinem letzten Hauptwohnsitz Köln ziemlich überschaubar, andererseits bin ich auf einem Dorf mit je einer Feldlänge Abstand zu jedem Nachbarn aufgewachsen – also findet sich Norderney irgendwo in der gesunden Mitte wieder.
Obwohl Norderney sich flächenmäßig deutlich in Grenzen hält, spricht mein Orientierungssinn auch hier nur vage Vermutungen aus, wenn es darum geht, den richtigen Weg zu finden. Ganz Griechenland atmet indes erleichtert auf, weil ich den Wanderguide-Job nun nicht mehr angetreten habe.

Angereist bin ich mit dem Fahrrad – übers Wasser habe ich dann doch die Fähre als Fortbewegungsmittel vorgezogen.
Nach 165 Kilometern musste ich nicht nur meinen Bruder verletzt an einer Landstraße zurücklassen, sondern auch zwei Dinge feststellen: 1. Ich mag keinen Wind und 2. Auf Norderney wird es viel davon geben. Bekanntlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied, also kann ich nur mir selbst einen Vorwurf machen.

Apropos Rad: Auch wenn das langsame Radfahren in Oldenburg erfunden wurde (nicht wissenschaftlich bewiesen, aber meine Meinung), so scheinen sich die Norderneyer der ehrenwerten Aufgabe angenommen zu haben, diese Sportart zu ihrer Paradisziplin zu machen. Aber gut – angesichts der Inselmaße ist es einfach sinnvoller ein gemäßtiges Tempo denn einen heißen Reifen zu fahren. Ich merke schnell, dass mein aggressiver Fahrstil, der in der Großstadt erst das Überleben garantiert, hier mehr als entbehrlich ist: Man fährt gemütlich und rücksichtsvoll.

Generell muss ich nach einer Woche feststellen: Die Menschen hier sind freundlich.
Während in Köln stets von der rheinischen Frohnatur geredet wird, wird Freundlichkeit hier einfach gelebt – lächele ich Menschen auf der Straße zu, erhalte ich tatsächlich ein Lächeln zurück. In jeder deutschen Großstadt würde man als Reaktion zwei Tage später eine Unterlassungsklage erhalten.

Nicht nur die Freundlichkeit, auch die frische Luft bedeutet einiges an Umstellung für Körper und Geist. Vom Smogentzug gepeinigt rebelliert mein Körper; als Trotzreaktion auf mangelnden Feinstaub in der Luft falle ich in der ersten Woche einer Erkältung zum Opfer. Statt direkt auf große Erkundungstour zu gehen, verbringe ich also viel Zeit vorm Wasserkocher. Aber gut, zumindest ist Teetrinken auch Teil ostfriesischen Kulturguts.

Entgegen meiner Erwartungen ist auf Norderney ziemlich viel los. Bei der Planung zu besuchender Veranstaltungen wird mir schnell klar, dass ich nicht nur die Anzahl, sondern auch den Schickheits-Grad der Events deutlich unterschätzt habe. Ich bin kleidungstechnisch eher für Wattwanderungen, Schaf-Scher-Wettbewerbe und Boccia-Spiele gerüstet; gewünscht ist häufig „angemessene Garderobe“ – was bei Theater, – Konzert oder Ballbesuchen wahrscheinlich kaum Wollsocken und Jogginghose bedeutet.  

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Adiletten würden hier unter „unangemessene Kleidung“ fallen

Entsprechend stand in den ersten Tagen ein Stadtbesuch auf dem Plan. Wieder lag ich mit meinen Erwartungen falsch: Es gibt ziemlich viele Geschäfte – und nicht in allen Läden zieht angesichts der Preisschilder eine Dispo-Wolkenfront auf. Heißt: Auch mit wenig Geld kann Schönes gefunden (und gekauft) werden. Meine Suche nach Schuhen verlief dennoch erfolgslos. Das Scheitern dürfte meinen zu genauen Vorstellungen geschuldet sein, die mich nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Männerwahl vor eine schwierige Aufgabe stellen. Bei Schuhen sehe ich mich noch nicht gezwungen, von meinen Ansprüchen zurückzutreten.

Nach einer Woche und dem Besuch einiger Veranstaltungen will ich behaupten: Die Menschen hier sind länger verliebt. Zumindest erweckt es den Eindruck, wenn auch in die Jahre gekommene Paare immer noch Händchen halten, Arm in Arm unterwegs sind und über Kommentare des Partners lachen, als wäre das Gegenüber unterhaltsam und liebenswürdig – und nicht nur jemand, der nie die Spülmaschine einräumt und ständig die Schlüssel verlegt.
Aber gut, vielleicht entsteht dieses andauernde Glück aus der Not heraus – Was brächte es schon, sich über seinen Partner aufzuregen, wenn doch ganz klar ist, dass unter 6.232 Einwohnern kaum viel mehr bessere Anwärter zu finden sein dürften? Und wie deprimierend ist es, wenn man im Streit wutentbrannt „Ich gehe jetzt!!“ brüllt und dann maximal 30 Minuten bis zu einer Aussichtsdüne radeln kann, statt auf der Autobahn massig Kilometer zwischen sich und den Angetrauten zu bringen?  Und: Man würde sich auch nach einer Trennung zwangsläufig ständig über den Weg laufen – da sagt man sich vielleicht lieber, dass der Frithjof doch eigentlich ein ganz feiner Kerl ist und bleibt für immer glücklich und zusammen.

Fazit: Norderney überzeugt bisher – bei Natur, Veranstaltungen und Restaurants kann man echt nicht meckern. Und auch mit den Menschen könnte es passen: Norderney ist nämlich auch, wenn rein zufällig „Leave your hat on“ von Joe Cocker gespielt wird, wenn die Polizei zwecks Ruhestörung zu einer Party kommt.