„Bekanntmachung!“

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerFußgängerzone Norderney: Der Klang einer Glocke hallt durch die Straßen, von weitem sieht man erst den royalblauen Umhang, dann die rote Mütze mit dem Aufdruck „Ausrufer“, geziert von unzähligen Ansteckern aus aller Welt, das blau-weiß-gestreifte Fischerhemd und schließlich das wohl meistfotografierte Gesicht Norderneys – jeder, der einmal nach Norderney kommt, lernt ihn kennen: Bernd Krüger, den Ausrufer der Nordseeinsel.

Während ich in menschenleerer Natur glücklich und zufrieden bin, empfinde ich Fußgängerzonen und Städte als äußerst geeignete Orte für etwas Miesepetrigkeit und passive Aggressivität.
Damit habe ich mich für den Beruf des Ausrufers bereits disqualifiziert – zumindest geht Bernd seiner Tätigkeit in den Straßen Norderneys voller Begeisterung nach und hat für jeden Passanten ein offenes Ohr, ein Lächeln, freundliche Worte und für die Kleinen meist eine Tüte Gummibärchen.

Der Beruf des Ausrufers hat eine lange Tradition – und eigentlich gibt es ihn heute kaum noch. Früher verkündeten Ausrufer in jeder Stadt an festgelegten Punkten wichtige Bekanntmachungen – und die Einwohner versammelten sich dazu. Mit der Zunahme an Informationsquellen, Zeitung, Radio und Social Media, ging die Zahl der Ausrufer stetig zurück: Wer geht schon noch zu einer festen Zeit in die Stadt, um Dinge zu erfahren, wenn die Zeitung ganz bequem vom Sofa aus gelesen werden kann?

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerNorderney – allen voran Kurdirektor Loth – wollte zurück zu dieser Tradition – und deshalb gibt es mit Bernd seit 2008 wieder einen Ausrufer auf der Insel, der Stadtführungen macht, Gästen Rede und Antwort steht und Norderney auch auf Messen vertritt. Auch andere Orte halten an der Tradition des Ausrufers fest – die Deutsche Ausrufergilde trifft sich einmal jährlich und veranstaltet alle drei Jahre die Deutsche Ausrufermeisterschaft.

Auch wenn Bernd Krüger Norderney wie seine Westentasche kennt: Ur-Norderneyer bzw. Insulaner ist er nicht. Dennoch zog es den gebürtigen Hamelner schon als Kind immer wieder nach Norderney – nicht für einen entspannten Urlaub, sondern zur Kur.  1964, mit 15 Jahren, zog Bernd dann auf die Nordseeinsel, begann eine kaufmännische Lehre und arbeitete bis 2008 im Bürgeramt. Als ihm bei Renteneintritt der Ausrufer-Job angeboten wurde, musste Bernd keine Sekunde überlegen – er sagte direkt zu.

Ausrufer Bernd Krüger, Norderney, InselbloggerSeit elf Jahren ist Bernd jetzt als Ausrufer auf Norderney unterwegs, jeweils von Ostern bis zum Ende der Herbstferien – und er liebt seinen Job, die Begegnungen mit Reisenden und die vielen interessanten Gespräche.
Doch auch während der freien Wintermonate wird Bernd nicht langweilig: Erst muss sein Garten winterfest gemacht und die über 80 Gartenzwerge ins Warme gebracht werden und dann stehen nicht nur Urlaube, sondern auch zahlreiche Termine als Nikolaus und Weihnachtsmann auf dem Plan.
Zwei Urlaubsziele haben sich bei Bernd bewährt: das portugiesische Blumen- und Wanderparadies Madeira und Mittenwald in Oberbayern. Vielleicht, weil diese Orte das mitbringen, was Bernd auf Norderney hin und wieder vermisst: Wald und Berge, wie in seiner Heimat, dem Weserbergland.

Sein ganz persönliches Blumenparadies hat Bernd im eigenen Kleingarten geschaffen, der für Bernd vieles ist: Lieblingsplatz auf der Insel, Ruhepol und Ort, an dem er Freunde und Stammgäste, die zu Freunden geworden sind, empfängt. Heute zum Beispiel kommt ihn noch Familie Strunk aus Olfen im Kleingarten besuchen. Auch die Familien Metzger & Hesse aus Hameln oder Niese aus Bielefeld sind während ihrer Besuche gern bei ihm zu Gast.

Bernd Krüger, Ausrufer Norderney, InselbloggerBernd liebt das Leben auf Norderney: „Manchmal gehe ich ins Bett und frage mich: ‚War der Tag jetzt Traum oder Realität?‘, so ist Norderney für mich“. Fremd hat Bernd sich auf der Insel nie gefühlt, er wurde von Beginn an herzlich aufgenommen und hat schnell den „Zugezogenen“-Status abgelegt. Und auch der Winter macht ihm nichts aus: Zwar mag Bernd den Sommer lieber, er freut sich aber immer besonders auf eins in der kalten Jahreszeit: Grünkohl.

Am Ende unseres Gesprächs gibt es eine Einladung zum Kaffee im Kleingarten und eine Autogrammkarte für mich. Und tatsächlich kommen auch einige andere Urlauber vorbei, die Fotos von ihm machen oder Autogramme haben wollen – Ein echter Promi, hier auf Norderney.


meeresleuchten im bade:haus

Badehaus Norderney, Inselblogger

Schon von meinem letzten Besuch im Bade:haus Norderney kehrte ich begeistert – und entspannt – zurück. Gestern ging ich dann zum „Meeresleuchten“; einem Event im Badehaus, das mir schon mehrfach von meinen Kollegen und allen zwei Freundinnen auf der Insel empfohlen wurde. Der normale Betrieb findet während des Events nicht statt; alle Gäste der Veranstaltung können die besonders lange Öffnungszeit bis 00.30 genießen.

Warmes Kerzenlicht von den Kerzen am Beckenrand und den Kronleuchtern überm Wasser, sanfte Live-Klaviermusik und eine überschaubare Besucherzahl schaffen eine durch und durch behagliche Atmosphäre im größten Thalassobad Europas.

In der Lounge gibt es ein Willkommensgetränk, es können aber auch weitere Getränke sowie kleine Gerichte erworben werden. Von der Empore aus kann bei Essen und Trinken das Treiben im Bad beobachtet oder das Feuer im Kamin genossen werden. Ob im Außenbad oder auf der Terrasse nach einem Saunagang: In warmes Wasser oder den Bademantel gehüllt erscheint der Dauernieselregen und Wind fast angenehm erfrischend und wohltuend.

Neben außergewöhnlichen Saunaaufgüssen gibt es für jeden Gast auch eine gratis Anwendung. Nach dem Meersalz-Sanddorn-Peeling im Dampfbad fühlte sich meine Haut wie die sprichwörtliche Haut eines Neugeborenen an. Gut, der Effekt hält nicht ewig; heute fühle ich mich wieder an wie 25.

Meeresleuchten Badehaus, InselbloggerZwischen den Saunagängen oder Bädern wurde Norderneyer Schinken und Meersalzschokolade gereicht; nach einigen Aufgüssen gab es Sekt, Kekse und andere Köstlichkeiten.
Natürlich wird das Meeresleuchten vor allem von Pärchen oder guten Freundinnen wahrgenommen. Große Gruppen oder „Alleinreisende“ (außer mir) habe ich nicht gesehen. Für gute Unterhaltung in den Ruhephasen hatte ich mir deshalb wohlweislich ein Buch mitgenommen.

Auch wenn der Eintritt von 36€ erstmal nicht laut „Schnäppchen“ ruft – der Abend ist es definitiv wert. Beim Meeresleuchten kommen gleichermaßen Körper und Geist zur Ruhe. Das nächste Meeresleuchten im Badehaus findet am 8.11 statt. Voranmeldung ist gewünscht.